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Mittwoch, 23. April 2008

Entislamisierung

Samuel Huntington ist zu undifferenziert mit seiner These des "Kampfes der Kulturen".
Da wird einfach alles in einen Topf gemischt - Immigration, Terrorismus, Islamismus und die Situation in den muslimischen Ländern -, und schon sitzt der Mythos in den Köpfen.
Die Kulturen sind so unterschiedlich, weil sie sich auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen befinden. Doch auch die muslimische Welt wird modernisiert. Entscheidend dabei ist die Alphabetisierung der Bevölkerung und der damit verbundene Rückgang der Geburtenrate.
Damit einher geht eine religiöse und ideologische Verunsicherung. Traditionelle Werte wie die Religion und Familienstrukturen werden von wachsenden Teilen der Bevölkerung in Zweifel gezogen - und von einer stets kleiner werdenden Minderheit umso fanatischer verteidigt. Fundamentalismus und Gewalt nehmen unvermeidlich zu. Der Terrorismus und die Umwälzungen in den islamischen Ländern sind Ausdruck der Krisen im Übergang in die Moderne.
Der Zugang zu Bildung lässt Reformbewegungen gedeihen. Unterschiedliche Ausprägungen innerhalb des Islams, wie z.B. das Schiitentum lassen abweichende Interpretationen zu und lehnen sich gegen starre Dogmen auf.
Das Schiitentum beschleunigt den Modernisierungsprozess, während der konservative Sunnismus ihn bremst. In Europa war es doch ähnlich. Hier geht die Alphabetisierung der Bevölkerung auch auf den Protestantismus zurück. Er propagierte Lesen und Schreiben fürs Volk, als allein schon dies im Katholizismus noch als Ketzerei galt. Aber auch hier waren es Unterschiede innerhalb des Christentums, die die Modernisierung einleiteten - nicht das Christentum als Ganzes.

Das Gemeinsame bei den Weltreligionen liegt darin, dass sie alle ihre soziale Bedeutung verlieren werden.
So wie Europa eine Entchristianisierung erlebt hat, so dürfte es in der muslimischen Welt zu einer Entislamisierung kommen.
Und diese Entwicklung geschieht immer schneller. Entscheidend dabei ist die Überwindung paternalistischer Familienstrukturen und die Rolle der Frau, wodurch die Bildung einen höheren Stellenwert bekommen soll.
Nicht die Ökonomie hat sich bisher als Motor der Geschichte erwiesen, sondern die Alphabetisierung.

Emmanuel Todd vom nationalen Institut für Demografie in Paris zu seinem Buch "Die unaufhaltsame Revolution. Wie die Werte der Moderne die islamische Welt verändern." im Interview mit Martin A. Senn in der NZZaS vom 20.4.08, Seite 24f.

Montag, 31. Dezember 2007

wirtschaftlich erfolgreicheres Politsystem

Auch Armin Müller, stellvertretender Chefredaktor, beschäftigt sich in der SonntagsZeitung vom 30. Dezember 2007 auf Seite 22 mit Investitionsbeschränkungen für Schwellenländer:

Für den Staat sensible Bereiche müssen in ihrer Unabhängigkeit und Sicherheit vor ausländischem Einfluss geschützt werden. Dabei ist egal, ob es sich um Staatsfonds oder um einen Privatmann handelt.
Dominierende Beteiligungen in der Waffenindustrie, in Hochtechnologiebereichen oder an wichtigen Infrastrukturunternehmen müssen verhindert werden können.
Mit dem Aufkommen von asiatischen, russischen oder arabischen Investitionen in westliche Unternehmen, wird offensichtlich, dass sich die ökonomische Macht nicht mehr im Westen konzentriert. Ebenso stellt der Aufstieg der Schwellenländer die Vorherrschaft westlicher Werte in Frage.
Mit dem Zusammenbruch des Kommunismus hatten wir vermeintlich das Ende der Geschichte erreicht: Freiheit, Marktwirtschaft und Demokratie schienen extrem attraktiv und unser Modell allen anderen überlegen.

Wir müssen beweisen, dass wir mit Offenheit, Freiheit und Demokratie langfristig auch wirtschaftlich erfolgreicher sind, dass Rücksichtnahme auf demokratische Prozesse und Menschenrechte nachhaltiger sind als ein autoritäres Regime.
Ein interessanter Kampf der Kulturen. Mal sehen, ob sich der demokratische Ansatz bewähren wird... ;-)