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Samstag, 14. April 2012

Anmassendes, gescheitertes Euro-Projekt

In Griechenland und Italien sind die demokratisch gewählten Ministerpräsidenten praktisch abgesetzt worden, weil man hoffte, so die Märkte zu besänftigen und den Euro zu retten. 
Die EU-Länder könnten beschliessen, heikle Entscheide betreffend Steuern und Ausgaben nicht gewählten Bürokraten zu übertragen. (...) Ich bezweifle sehr, dass ein solcher Plan funktionieren würde. Es gibt nämlich keinen besonderen Grund, wieso nationale Regierung ein Bündel von neuen "bindenden" Regeln nun plötzlich einhalten sollten, wenn sie die "bindenden" Regeln von Maastricht nicht einhielten. 
Das Projekt ist intellektuell, moralisch und demokratisch bankrott. 
Wir verlangen von den Griechen, dass sie ihre Wirtschaft von Brüssel leiten lassen, aber wir können nicht einmal auf eine gemeinsame europäische Norm für Stecker einigen. 
Am besten wäre es wohl, wenn man den Griechen (und vielleicht auch anderen) einen geordneten Ausstieg aus ihrer Pein erlauben würde. 
Boris Johnson in der WeWo50.11, Seite 32f.

Wir müssen da raus

Grossbritannien steht nun da wie jemand, der am Dock von Southampton zurückgelassen wurde, während die "Titanic" in See sticht.
Wir sind immer noch mt eniem Bein auf dem Dampfer. Wir sind immer noch Mitglied der Union, wir sind immer noch an ihre Gesetzgebung gebunden. (...) Wir sind weggesperrt in einem Aussenzimmer, wir nehmen an vielen Diskussionen nicht teil. Dennoch werden wir alle Regeln und Vorschriften übernehmen müssen, welche sie ohne uns beschliessen werden. Und wir werden weiterhin Unsummen für unsere Mitgliedschaft bezahlen. [50 Millionen Pfund täglich!]
Nigel Farage im Interview mit Urs Gehriger in der WeWo50.11, Seite 30ff.

Samstag, 13. August 2011

Griechenland: Haircut oder Euro-Austritt

Der haircut müsste so gross wie der am Markt gehandelte Abschlag auf den Nennwert sein, also statt der beschlossenen zwanzig Prozent knapp fünfzig Prozent. Ausserdem sollten die ausgegebenen Ersatzanleihen nicht zu hundert, sondern zu achtzig Prozent besichert sein. Vor allem aber sollte man die Hilfen auf die fälligen Anleihen beschränken, damit Griechenland einen Anreiz behält, an seiner Bonität zu arbeiten, und die Rettungssummen begrenzt bleiben.

Wäre es denkbar, dass Griechenland aus der Euro-Zone austritt?
Das wäre für Griechenland der einfachere Weg.

Weshalb?
Wenn das Land beim Euro bleibt, muss es im Euro-Raum abwerten, um billiger zu werden. Das ist sehr schwierig, weil Athen Millionen von Preisen und Löhnen senken müsste. Es gäbe bei den Tarifpartnern ein Hauen und Stechen. Zudem würden die Firmen der Realwirtschaft in den Konkurs getrieben, weil deren Aktiva an Wert verlieren, während ihre Bankschulden unverändert hoch bleiben. Das liesse sich nur vermeiden, wenn Griechenland aus dem Euro-Land austritt und dann seine neue Währung abwertet.

Hans-Werner Sinn, Ifo-Institut, im Interview von Pierre Heumann in der WeWo30/31.11, Seite 19.