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Freitag, 19. Juni 2009

Billett im Zug: 10 statt bisher 5 CHF

"find' ich guet", wie ein berühmter Schweizer TV-Unternehmer sagen würde. Zu spekulieren, nicht kontrolliert zu werden ist nicht ganz sauber, wenn nicht gar asozial (wie die SBB argumentieren und ihre Preiserhöhungen rechtfertigen). Und diese Spekulation ist nie ganz auszuschliessen. Ausserdem kommt beim Kontrolleur so über den Tag doch eine ganze Menge Geld zusammen, was Risiken mit sich bringt.

Ich finde es also keinen schlechten Schritt, wenn der Billettlösezuschlag im Zug 10 CHF kostet. Doch bitte nicht das wahre Ziel aus den Augen verlieren: Keine Kontrolleure mehr. Alles läuft entweder über eine elektronische Kontrolle beim Besteigen des Zuges (bspw. RFID-Chips, Natel, etc.) oder man riegelt die Bahnhöfe ab, vgl. U-Bahn London, und man kontrolliert am Eingang. Ersteres wäre wohl günstiger.

Montag, 27. April 2009

Schwarzfahren

Die heute geltende Busse von 80 Franken soll für Passagiere ohne Ticket wahrscheinlich noch dieses Jahr erhöht werden. Dies planen laut «Sonntag» die SBB und der Verband öffentlicher Verkehr. Grund für die höheren Bussen sind die Kosten der Kontrolltätigkeit, die nicht mehr gedeckt sind. (20min)
Wieder einmal der falsche Ansatz: Die Bussgebühren dienen nicht der Finanzierung der Kontrolleure, sondern die Kontrolleure dienen der Erhöhung der Aufrichtigkeit bei der Benutzung des ÖV. Folglich sind nicht die Bussen zu erhöhen sondern die Kontrollen zu reduzieren, weil offensichtlich weniger schwarz gefahren wird oder die Kontrolleure zuviel kosten.

Mittwoch, 1. April 2009

totalitäres DDR-Denken holt Deutschland ein

Knapp zwanzig Jahre nach dem Mauerfall ist die Hoffnung auf einen liberalen deutschen Staat erloschen. Durchgesetzt hat sich das Obrigkeitsdenken des Ostens. Die wirtschaftlich und politisch so modellhafte BRD musste zahlen und abdanken. Die DDR-Diktatur wird verharmlost und verniedlicht.

Nie zuvor und nie seither war ein deutscher Staat so nahe dran, ein westeuropäisches Modell zu werden für Demokratie, Parlamentarismus und Marktwirtschaft wie zur Zeit der BRD. Während in der Ostzone ein totalitärer Kontrollstaat den anderen ablöste und bürgerliche Mündigkeit und Individualität abstrafte, wuchs in der unprätentiösen Bonner Republik heran, was endlich die Grundlage einer dauerhaft freien, kapitalistischen Gesellschaft hätte werden können: Individualismus, Privatheit, Unternehmergeist - und ein Staat, der sich immer mehr als Dienstleister verstand und immer weniger als Kontrolleur und Vormund seiner Bürger.

Martin A. Senn in der NZZaS vom 29.3.09, Seite 29.