skip to main |
skip to sidebar
- Eine Frau und ein Mann, die sich einst körperlich attraktiv fanden, jedoch den richtigen Zeitpunkt für eine Beziehung verpasst haben. (Oft, weil einer der beiden in einer Beziehung war.) Denn ist ein bestimmtes Mass an Vertrautheit erreicht, nimmt das erotische Prickeln in der Regel ab.
- Freunde, die gegengeschlechtliche Rollen einnehmen: Der Mann verhält sich eher weiblich, die Frau männlich.
- Freunde, die sich zwar durchaus gegenseitig angezogen fühlen, aber sich bewusst sind, dass durch eine Affäre die Freundschaft verloren ginge - was sich unter dem Strich nicht rechnen würde.
- Freunde, die aus moralischen Überlegungen ihre Gefühle unterdrücken (weil der Freund zum Beispiel eine Familie hat).
- Eine Frau und ein Mann, die einst kurz etwas miteinander hatten, doch der Sex war so schlecht, dass sich eine Wiederholung des Experiments ausschliesst. (Weiter müsste geklärt werden, ob eine Affäre generell den Boden für eine Freundschaft ebnen kann. Gehen nicht gerade Männer entspannter mit Frauen um, denen sie sexuell nichts mehr beweisen müssen?).
Philippe Zweifel im Tagi vom 22.02.2011
Für Frauenfreundschaften ist deshalb nicht nur die innige Verbundenheit typisch, sondern auch das oftmals unerwartete Ende aus heiterem Himmel. Auch das hat fast jede Frau schon einmal erlebt. Es kann eine unbedachte Bemerkung sein, eine falsche Reaktion und plötzlich ist Sense mit Friede, Freude, Eierkuchen. Die Beziehung zerbricht, immer schmerzhaft, meistens unerwartet, oft unverstanden. Dies auch deshalb, weil viele Frauen den Bruch nicht kommunizieren, sondern sich irgendwie aus der Beziehung davonstehlen, sich verweigern, verleugnen lassen.
Psychologen haben zahlreiche Erklärungen für dieses Phänomen. Frauen definierten sich nicht über Sachthemen wie Männer, sondern über Beziehungen, wo sie wiederum Nähe, Vertrauen, Gemeinsamkeit, gegenseitige Bestätigung suchten. Weil sie so harmoniesüchtig sind und sich lieber gar nicht erst aus der Wohlfühlzone hinauswagen, wird Kritik möglichst vermieden. Was aber nicht bedeutet, dass es keine negativen Gefühle gebe, so sagen die Psychotherapeutinnen Luise Eichenbaum und Susie Orbach. Schliesslich beobachten Frauen andere Frauen sehr genau und empfinden nicht selten auch Neid, Rivalität und Eifersucht. Aber anstatt diese zuzulassen und dem auf den Grund zu gehen, werden solche Emotionen dem Frieden zuliebe heruntergeschluckt. Das köchelt dann und kann irgendwann auch wegen eines nichtigen Anlasses ausbrechen. Was lange gärt, wird endlich Wut.
Typisch ist allerdings auch, dass die Wut sich nicht Bahn schlägt, sondern dass Frauen den feigen Abgang durch die Hintertür bevorzugen. Statt offenem Schlagabtausch das grosse Schweigen. So kommunikativ Frauen im Allgemeinen sind, wenn es darum geht, miteinander Schluss zu machen, wird das offene Gespräch meist verweigert.
Es ist tatsächlich so, dass Frauen in Beziehungen zu Männern offener mit Kritik sind als mit einer Freundin und eher formulieren, was sie stört. Trotz der Innigkeit der Beziehung zur Freundin – oder vielleicht gerade deswegen.
Michèle Binswanger am 24.02.2011 im Mamablog des Tagesanzeigers