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Sonntag, 18. März 2012

NZZaS: 10 Jahr Jubiläum

Durchschnittsleser NZZ am Sonntag: männlich, 46.5 Jahre alt, studiert, 9600 CHF Monatseinkommen, wohnhaft im Kanton Zürich. 


Die "NZZ am Sonntag" deckte auf, dass die "Basler Zeitung" zeitweise geistige und materielle Impulse einer prominenten Zürcher Unternehmerfamilie erhielt. Weil die Basler Milliardärinnen so geizig sind, dass sie ihre Zeitung lieber fremdgehen lassen. 
Ich würde nicht von zu geizig sprechen, sondern dass diese Basler Milliardärinnen lieber irgendwelchen Fussball-Migranten Millionen in den Allerwertesten schieben, als sich für eine vernünftige Politik in Basel einzusetzen. 
Ich und meine bürgerlichen Mitbürgerinnen und Mitbürger haben leider nur am Donnerstag, nicht aber am Sonntag ein Organ, von dem wir uns verstanden fühlen. Wir beschnuppern die "NZZ am Sonntag", während wir die "Weltwoche" inhalieren. Einzig an den Kolumnen von Szuette Sandoz und Beat Kappeler gibt's wenig zu mäkeln. 
Christoph Mörgeli in der Jubiläumsbeilage der NZZaS vom 18.3.2012, Seite 11.

Freitag, 6. Januar 2012

Durchleuchtung der Behörden als wichtigste Kritik

Der Staat ist als Monopol legitimer Gewaltanwendung die mächtigste Institution im Land. Seine Organe sind nicht dem Wettbewerb und der Konkurrenz ausgesetzt, was sie anfällig macht für Missstände bis hin zur Korruption.
Roger Köppel in der WeWo1.12, Seite 5.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Weshalb es Blocher braucht

Dabei müsste man ihm, wenn schon, allein dafür einen Orden verleihen, dass er die Schweiz – zeitweise als einziger Politiker weit und breit – aus der einstürzenden Europäischen Union herausgehalten hat. Ohne Blocher wären wir noch enger an das fehlkonstruierte Staatengebilde angebunden, vermutlich längst Mitglied und Nettozahler, der sein sauer verdientes Geld in die schwarzen Löcher der griechischen Staatskassen werfen müsste.

Ich finde es beeindruckend, wenn ein internationaler Unternehmer, Parteistratege und Ex-Bundesrat, der nichts mehr beweisen muss und sich auf einen Palast in Südfrankreich zurückziehen könnte, unbeirrbar für die Schweiz einsteht. Solange Blocher ein Publikum erreicht, solange er aufmischt, kritisiert, den Gottesdienst stört, die richtigen Fragen stellt, Lösungen einwirft, das Establishment ärgert und die Gemüter erhitzt, bleibt er eine Bereicherung. Ich verstehe die Leute nicht, deren Lebenszweck darin zu bestehen scheint, einen wie Blocher zu verhindern. Die Kritiker, die ihn so schlimm finden, sollen ihn durch bessere Leistungen überflüssig machen.
Roger Köppel in der WeWo43.11, Seite 5.

Mittwoch, 27. Juli 2011

staatliche Indoktrination zur Überblendung der Multikulti-Problematik?

Wir brauchen eine massive Erziehungs- und Aufklärungskampagne; schon in den Schulen müssen die Kinder lernen, was es heißt, in einer multikulturellen Gesellschaft zu leben. Und wir müssen unseren Politikern sagen: Hört auf, ständig auf Multikulti zu schimpfen. Ob es einem nun passt oder nicht: Wir leben in einer multikulturellen Gesellschaft, und ihr schadet ihr schwer, wenn ihr sie beschimpft.
Liz Fekete, Leiterin der Europaabteilung des Institute of Race Relations (IRR) in London im Interview von Andrea Dernbach auf Cicero

Montag, 18. Juli 2011

Wo Israelkritik zu Antisemitismus wird

Die Schlüsselfrage ist nicht, ob „Israelkritik“ „erlaubt“ ist – sondern, ob Kritiker ein faires, kritisch-differenzierendes oder aber ein maßlos verzerrtes und einseitiges Israelbild zeichnen. Der Antisemitismus-Verdacht wird zur Gewissheit, wenn „Israelkritiker“ das Existenzrecht Israels als jüdischer und demokratischer Staat in Frage stellen (Delegitimierung), wenn sie immer nur „Israel“, der „zionistischen Lobby“ oder gar „den Juden“ die Schuld an der palästinensischen Malaise geben (Dämonisierung) und wenn sie umstrittene israelische Militäreinsätze mit den Verbrechen der Nazis gleichsetzen (Aufrechnung und „Entsorgung“ der NS-Verbrechen).

Martin Kloke auf cicero.de vom 21.10.2010

Samstag, 4. Juni 2011

Glencores Öffentlichkeitspolitik

Kritik von Umweltgruppen, die regelmässig obskure Steuerpraktiken, Nähe zu Diktatoren oder Umweltsünden anprangern, hat Glencore bisher sehr geschickt pariert. Statt solche Vorwürfe zurückzuweisen, gibt man einfach zu, dass viele Rohstoffe aus Ländern kommen, die (wie Kongo oder Kasachstan) kein Muster an politischer Transparenz sind. Und irgendjemand müsse den Job eben machen.
Haig Simonian in der NZZaS vom 29.5.11, Seite 16.

Dienstag, 3. Mai 2011

Afrikakritik ist nicht rassistisch

Und immer warf man [Vidiadhar Surajprasad Naipaul] Zynismus, Überheblichkeit, Ethnozentrismus oder gar Rassismus vor – auch wenn seine Beobachtungen im Abstand von einigen Jahren meist zum Commensense wurden.

[Einer seiner Kritiker Robert Harris in der Sunday Times] ist ein typisches Beispiel für die Art politischer Moralapostel. Sie wittern überall böswillige Klischees, ohne selbst die leiseste Ahnung zu haben.

Offenbar geistert immer noch die Vorstellung herum, nur Afrikaner dürften Afrika kritisieren. Die Unterscheidungzwischen "Betroffenen" und "Aussenstehenden" ist umso bornierter, als es heute immer mehr Menschen wie Naipaul gibt, die mehreren Kulturen angehören.

David Signer in der NZZaS vom 01.05.2011, Seite 81.

Sonntag, 27. Februar 2011

Frauenfreundschaften

Für Frauenfreundschaften ist deshalb nicht nur die innige Verbundenheit typisch, sondern auch das oftmals unerwartete Ende aus heiterem Himmel. Auch das hat fast jede Frau schon einmal erlebt. Es kann eine unbedachte Bemerkung sein, eine falsche Reaktion und plötzlich ist Sense mit Friede, Freude, Eierkuchen. Die Beziehung zerbricht, immer schmerzhaft, meistens unerwartet, oft unverstanden. Dies auch deshalb, weil viele Frauen den Bruch nicht kommunizieren, sondern sich irgendwie aus der Beziehung davonstehlen, sich verweigern, verleugnen lassen.

Psychologen haben zahlreiche Erklärungen für dieses Phänomen. Frauen definierten sich nicht über Sachthemen wie Männer, sondern über Beziehungen, wo sie wiederum Nähe, Vertrauen, Gemeinsamkeit, gegenseitige Bestätigung suchten. Weil sie so harmoniesüchtig sind und sich lieber gar nicht erst aus der Wohlfühlzone hinauswagen, wird Kritik möglichst vermieden. Was aber nicht bedeutet, dass es keine negativen Gefühle gebe, so sagen die Psychotherapeutinnen Luise Eichenbaum und Susie Orbach. Schliesslich beobachten Frauen andere Frauen sehr genau und empfinden nicht selten auch Neid, Rivalität und Eifersucht. Aber anstatt diese zuzulassen und dem auf den Grund zu gehen, werden solche Emotionen dem Frieden zuliebe heruntergeschluckt. Das köchelt dann und kann irgendwann auch wegen eines nichtigen Anlasses ausbrechen. Was lange gärt, wird endlich Wut.

Typisch ist allerdings auch, dass die Wut sich nicht Bahn schlägt, sondern dass Frauen den feigen Abgang durch die Hintertür bevorzugen. Statt offenem Schlagabtausch das grosse Schweigen. So kommunikativ Frauen im Allgemeinen sind, wenn es darum geht, miteinander Schluss zu machen, wird das offene Gespräch meist verweigert.

Es ist tatsächlich so, dass Frauen in Beziehungen zu Männern offener mit Kritik sind als mit einer Freundin und eher formulieren, was sie stört. Trotz der Innigkeit der Beziehung zur Freundin – oder vielleicht gerade deswegen.

Michèle Binswanger am 24.02.2011 im Mamablog des Tagesanzeigers

Freitag, 20. August 2010

Holocausterinnerung und Israelrechtfertigung

[Tony Judt] setzt sich für einen binationalen israelisch-palästinensischen Staat ein.
Israel benennt seine Bürger aufgrund ethnischer und religiöser Kriterien, während wir aber in einer Welt leben, in der Staaten und Völker immer enger miteinander verflochten sind.

Die Erinnerungen an den Holocaust garantieren die Humanität des heutigen Europa.
Dennoch rissen die Proteste nicht ab. (...) die Bremer jüdische Gemeinde sprach sich in einem Brief scharf gegen [Judt] aus. Judt konterte mit einer Rede, in der er nochmals auf die Wichtigkeit der Erinnerung an den Holocaust hinwies, gleichzeitig aber darlegte, dass Israel eben diese Erinnerung "pervertiere".
Katharina Blansjaar in der NZZaS vom 15. August 2010, Seite 14.

Donnerstag, 13. Mai 2010

Der Mann als weibliches Produkt

Sie sprechen in Ihrer Forschung von den neuen „Muttersöhnchen“. Die sind das Gegenteil des angepassten Mannes, tragen zum häuslichen Frieden aber trotzdem nicht bei. Wen meinen Sie damit genau?
Meine Forschung hat gezeigt, dass jede fünfte Mutter ihren Sohn eigentlich zu einer besseren Ausgabe ihres Ehemannes oder Lebenspartners erzieht. Der Sohn muss weiblichen Ansprüchen gerecht werden und wird gleichzeitig zu ihrem Verbündeten. Er tröstet die Muter über den unzufriedenen Partner, der sein Vater ist. Er weiss genau, wie man mit einer Frau umgehen muss, denn von den Erwartungen seiner Mutter wurde er geformt, damit sie nicht unzufrieden ist, sich nicht vernachlässigt fühlt. Werden solche Männer erwachsen, legen sie ein gegenteiliges Verhalten an den Tag. Die Instrumentalisierung durch die Mutter bringt es mit sich, dass sie tendenziell keine Kritik durch ihre Partnerinnen zulassen und ihre Frauen nicht als gleichwertige Partnerinnen wahrnehmen können.

  • Wenn die Männer den weiblichen Ansprüchen und den Vorstellungen von Pflichterfüllung nicht entsprachen, waren auch die Chancen auf Sex und Nachwuchs gering.
  • Die Anerkennung der Frau, seit je der männliche Motor, um Dinge zu tun, die er eigentlich nicht tun will.
  • Das Selbstbild der Männer hängt erheblich von der dauerhaften weiblichen Kritik an ihnen ab.

--> der Profeminist: Die Kritik der Frauen ist berechtigt, also kann ich als Mann nur dann sinnvoll und moralisch sein, wenn ich mache, was die Frauen von mir erwarten.

Die Väter verlassen ihre Familien eher zögerlich, vielfach erst nach langen aufreibenden Auseinandersetzungen über die Besuchsregelung für die Kinder.
Gerhard Amendt im Interview mit Franziska K. Müller und Peter Rigaud in der WeWo15.10, Seite 48ff.



Zufriedenheit der Frau ist Aufgabe des Mannes?
Vielleicht sind die Ehefrauen und Partnerinnen aus gutem Grund unzufrieden?
Das kann nur sagen, wer Zufriedenheit als ständige Gabe von Männern erwartet. Unzufriedenheit ist Ausdruck von Konflikten. Die muss man eben gemeinsam lösen. Klar, die Männer machen Fehler wie die Frauen. Aber wer einen Schuldigen für alle Missstände sucht, der hält sich weder mit kritischer Selbsterforschung noch mit der Suche nach Konfliktlösungen auf.

Samstag, 2. Januar 2010

2012: Emmerich über Kaaba

Roland Emmerich plante, auch die Kaaba Mekka in Schutt und Asche zu legen, für seinen neusten Katastrophenfilm 2012. Sein Drehbuch-Co-Autor legte sich quer: Er wolle wegen des Films keine Fatwa an den Hals kriegen.
Es sagt etwas über die Welt von heute, dass man islamische Symbole auch fürs Kino nicht zerstören darf.
Roland Emmerich

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Radikale, muslimische Unterschicht in Europa

In den Niederlanden hat sich eine neue Unterschicht herausgebildet, bestehend aus jungen Muslimen, die nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Der niederländische Geheimdienst schätzt die Zahl der jungen Muslime, die in einem gefährlichen Mass radikal sind auf 2500.

Die politisch-korrekten Eliten haben jahrelang so getan, als sei die nichts los, als sei die Immigration von Hunderttausenden oder Millionen von Menschen aus nichtwestlichen Kulturen eine nette Bereicherung der Gesellschaft und als sei jede Kritik an dieser Illusion eine Form von rechtradikalem Rassenhass.
Leon de Winter in der NZZaS vom 6.12.09, Seite 24f.

Freitag, 31. Juli 2009

Bundesbeamte fliegen Business-Class

  • ab 3 Stunden Flugzeit haben Bundesbeamte Anspruch auf einen Flug in der Business-Class
  • Im Durchschnitt kostet ein Business-Class-Flug dreimal so viel wie ein Flug in der Holzklasse.
  • 80% der Manager fliegen nicht mehr Business-Class, sondern Economy
  • Es kommen rund doppelt soviele Treibhausgase zusammen in der Business-Class, verglichen mit der Economy-Class.

20min

Geri Müller (Grüne) findet das korrekt. Hier muss man mal die Widersprüchlichkeit der Linken thematisieren. Hohe Managerlöhne kritisieren und gleichzeitig mehrere 100'000 CHF hohe Beamtenlöhne einstreichen? Sich für die Umwelt einsetzen und Business-Class fliegen? Das wäre, als ob ein Bürgerlicher Sozialhilfe beziehen würde...

Dienstag, 14. Juli 2009

Nicht kritisiertes Israel

Israel tötet unsere Führer, unsere Zivilisten. Sie haben mehr als tausend Kinder ermordet, die nur Steine geworfen haben. Warum protestiert die Welt nicht? Warum dürfen sie eine 1000-Kilo-Bombe auf ein Viertel in Gaza abwerfen? Ist unser Blut weniger wert? Sind wir vogelfrei?
Abu Musa im FACTS 24/06, Seite 84, in einem Bericht von Omar Karmi.

Malik kritisiert die amerikanischen MBA-Werte

An der Uni gilt der smarte Fredmund Malik für viele als Reizfigur, als eitler Verkäufer seiner selbst, der er gewiss auch ist. Doch es ist nun einmal so, dass er seit zehn Jahren in unzähligen Büchern und Artikeln gegen den Shareholder-Value anschreibt, gegen den «Terror der Finanzanalysten», gegen die «Scharlatanerie» der Consultingfirmen und «das amerikanische Wirtschaftswunder als Meisterwerk der Desinformation». Das mag nicht immer sehr wissenschaftlich klingen für die Generation, die von nichts alles weiss, doch die Realität hat ihn bestätigt.

Besonders scharf kritisiert Fredmund Malik die Amerikanisierung der europäischen Business Schools — und damit auch die Managementausbildung an der HSG. «Hier ist eine ganze Generation von angehenden Managern falsch ausgebildet worden, weil der Shareholder-Value als oberstes Ziel des Unternehmens galt statt das Wohl des Kunden.» Er sieht eine Generation von «praxisfernen und verakademisierten Dozenten» am Werk. Auch den «weltweiten Eroberungsfeldzug» der amerikanischen MBA-Programme hält Malik für eine höchst bedenkliche «Gleichschaltung».
Martin Beglinger im Magazin vom 29.05.2009

Freitag, 19. Juni 2009

Malik aus Sicht des Magazins

- gegen den Shareholder-Value
- gegen den «Terror der Finanzanalysten»
- gegen die «Scharlatanerie» der Consultingfirmen
- und über «das amerikanische Wirtschaftswunder als Meisterwerk der Desinformation».

Besonders scharf kritisiert Fredmund Malik die Amerikanisierung der europäischen Business Schools — und damit auch die Managementausbildung an der HSG. «Hier ist eine ganze Generation von angehenden Managern falsch ausgebildet worden, weil der Shareholder-Value als oberstes Ziel des Unternehmens galt statt das Wohl des Kunden.» Er sieht eine Generation von «praxisfernen und verakademisierten Dozenten» am Werk. Auch den «weltweiten Eroberungsfeldzug» der amerikanischen MBA-Programme hält Malik für eine höchst bedenkliche «Gleichschaltung».

Martin Beglinger im Tagi-Magi vom 29.05.2009

Montag, 24. November 2008

Kritik an der Schweizer Blogosphäre

Die Schweizer Online-Welt ist ähnlich fromm geworden, wie es die Welt der Presse schon von jeher war. Das Netz ist mittlerweile so politisch korrekt wie die Leserbriefe im Lokalblatt. Sogar die Blogs, die früheren ungezogenen Kinder des Netzes, übertreffen sich inzwischen an gebremster Zivilisiertheit und unverbindlicher Banalität.

Bei uns sieht das düsterer aus. Es gibt in der Eidgenossenschaft keinen frechen Polit-Blog, keinen gutgemachten Wirtschafts-Blog und keinen flotten Unterhaltungs-Blog. Vergleichsweise mickrige Schwachstrom-Blogs wie jene von Moritz Leuenberger und Kurt Aeschbacher gehören zu den Angeboten mit dem höchsten Beachtungsgrad.
Kurt W. Zimmermann in der WW40.08, Seite 29.
Da freut sich der Leser doch umso mehr über einen etwas würzigeren Blog... :-D

Dienstag, 11. November 2008

3 Gründe für die Wirtschaftsfeindlichkeit der Linken

Es erstaunt, dass die lautesten Rufer gegen den Kapitalismus so selten Genossenschaften und Partnerschaften gründen oder auch nur loben. Vor hundert Jahren war dies anders. Gerade die Linken gründeten genossenschaftliche Läden, Druckereien und Wohnbauten zuhauf. Drei Gründe dürften die Abkehr heute erklären.
  1. Diese Partnerschaften sind nach innen wertorientiert, nach aussen aber kämpfen sie auf regulären Märkten. Dies erklärt ihre Vitalität über Jahrzehnte hin, es signalisiert aber auch, dass wirtschaftliche und betriebliche Gesetzmässigkeiten nicht in rosa Wolken aufgelöst werden können. Leistung, Wettbewerb, Nüchternheit, Gewinnorientierung, Umstrukturierungen treiben alle diese Firmen an. Dies geht vielen Kapitalsimuskritikern schlecht in den Hals.
  2. Sodann sind diese Wortführer selber meistens in wirtschaftsfremdnen Bereichen tätig - die fachlichen Mühen praktischer, täglicher Verkäufe im Markt haben sie nicht gelernt.
  3. Ein dritter, organisations-egoistischer Grund kommt hinzu: wenn die Arbeitenden oder Mieter zufriedene Eigentümer sind, füllen sie nicht die Ränge jener Verbändce, welche immer noch suggerieren, dass eine Alternative zum System bereitliege, jedoch aus moralischer Verworfenheit der Gegenseite liegenbleibe.
Beat Kappeler in der NZZaS vom 9.11.08, Seite 39.

Sonntag, 7. September 2008

antisemitische Jüdin?

Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des 1992 verstorbenen langjährigen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, soll antisemitisch sein:
Jeder kölsche Jeck mit zwei Promille im Blut würde sogar an Weiberfastnacht erkennen, dass Frau EHG (Evelyn Hecht-Galinski) eine hysterische, geltungsbedürftige Hausfrau ist, die für niemanden spricht außer für sich selbst und dabei auch nur Unsinn von sich gibt. Ihre Spezialität sind antisemitisch-antizionistische Gedankenlosigkeiten.
Henryk M. Broder im Journalisten-Weblog „Die Achse des Guten“
Das gefällt ihr natürlich nicht und sie wehrt sich vor Gericht dagegen. Doch was ist der Grund von Broders Verstimmung?
So beklagte sie in Interviews und Leserbriefen mehrfach die angebliche Macht einer „jüdisch-israelischen Lobby“, die Kritiker der israelischen Politik „mundtot machen“ wolle und hinter der die deutschen Medien verschwänden. Den Vergleich der palästinensischen Autonomiegebiete mit dem Warschauer Ghetto, für den die deutschen Bischöfe Gregor Maria Hanke und Walter Mixa im März 2007 heftige Kritik einstecken mussten, hält sie für „moderat“. Denn Israel sei „ein Staat, der über die besetzten Gebiete einen in seiner Grausamkeit fast einmaligen Belagerungszustand verhängt hat, offiziell eine Politik des Tötens durch Exekutionen praktiziert und in den palästinensischen Gebieten weiterhin ungebremst siedelt“. Die Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem israelischen Parlament im März dieses Jahres hätte nach Hecht-Galinskis Ansicht „auch vom israelischen Propagandaministerium geschrieben sein können“; der Zentralrat der Juden in Deutschland ist für sie lediglich „ein Sprachrohr der israelischen Regierung“.

Aber sind solche Ausführungen wirklich antisemitisch? Oder stellen sie nur eine überspitzt formulierte Israelkritik dar? Legt man die Arbeitsdefinition zum Antisemitismus zugrunde, die das European Monitoring Centre on Racism and Xenophobia (EUMC) für die EU-Staaten entwickelt hat, dann überschreiten die Stellungnahmen Hecht-Galinskis die Grenzen des Zulässigen. Denn in dieser Definition werden unter anderem der Vergleich Israels mit dem Nationalsozialismus, die Dämonisierung des jüdischen Staates, der Vorwurf, Juden verhielten sich zu Israel loyaler als gegenüber den Staaten, in denen sie leben, und die Behauptung einer jüdischen Kontrolle der Medien und Politik als antisemitisch qualifiziert. (...) Ihre Behauptung einer „jüdischen Weltlobby, die jede Kritik an Israel im Keim erstickt“, bediene „das Vorurteil der jüdischen Weltverschwörung, und das ist Antisemitismus pur“.
Alex Feuerherdt im Tagesspiegel vom 3.9.08
Am gleichen Tag schrieb Rafael Seligmann in der WELT ein Essay "Warum ich Zionist bin":
Israel ist der Fixpunkt der hiesigen [deutschen] Juden. Dort lassen sie sich am liebsten begraben.
gem. Def. antisemitisch.

Mittwoch, 11. Juni 2008

Israelkritiker

Israel gefährdet seine eigene Existenz, haltet die Welt zum Narren und merkt nicht, dass es sich damit selbst betrügt.
sinngemäss, eine Gruppe deutscher Geistesarbeiter (PEN-Präsident Johano Strasser, die grüne Abgeordnete Claudia Roth, der Schriftsteller Gert Heidenreich und andere) in ihrem Aufruf "Glückwünsche und Sorgen" zum 60. Jahrestag Israels.

Israel instrumentalisiert den Holocaust für politische Zwecke.
sinngemäss, 25 Politiologen im Positionspapier "Freundschaft und Kritik", welches dem obigen voraus ging.

Als Reaktion auf die israelische Politik sollen die Wissenschaftsbeziehungen zwischen Israel und den europäischen Ländern eingefroren, also die kulturelle und wissenschaftliche Zusammenarbeit beendet werden.
sinngemäss, ein von 120 Akademikern unterzeichneter offener Brief, 2002

Die Situation in Ramallah ist mit jener in Auschwitz vergleichbar.
Und wo sind die Gaskammern?
Die kommen noch.
José Saramago, portugiesischer Schriftsteller

Verzicht auf Kritik an Israel ist unmoralisch.
Thilo Bode, ehemaliger Geschäftsführer Greenpeace Deutschland.

Deutsche, überwindet Euren Judenknax.
Dieter Kunzelmann, Berliner Revolutionär, Ende der 60er-Jahre.

Die Juden haben einen moralischen Kredit, den sie sich als Opfer der Nazis verdient haben.
Zusammengetragen von Henryk M. Broder in der WW19.08, Seite 14.