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Mittwoch, 23. Mai 2012

Sextourismus von Europäerinnen in Afrika

Ganz und gar unversöhnlich ist schliesslich «Paradies: Liebe» von Ulrich Seidl, der sich einem weiteren Phänomen von Wohlstandsverwahrlosung widmet: dem Sextourismus von Europäerinnen in Afrika. Teresa (Margarete Tiesel) ist eine alleinerziehende Mutter aus Österreich. Den Draht zu ihrer Teenager-Tochter hat die Fünfzigjährige verloren. Nun fliegt sie nach Kenya in die Ferien, wo ihr eine Freundin vom Sex mit jungen kräftigen Afrikanern vorschwärmt: «Die nehmen dich, wie du bist.» Bald lässt sich auch die mollige Teresa auf einen Strandjungen ein, der ihr bei Palmenwein das Blaue vom Himmel verspricht, sie aber nach dem Beischlaf zu Verwandten führt, die Geld brauchen. «Ich habe ausführlich über Sextourismus recherchiert, zunächst in der Karibik, mich dann aber für den Schauplatz Afrika entschieden, weil das näher an Europa liegt und die Kontinente eine gemeinsame Geschichte haben», erklärt Regisseur Seidl der «NZZ am Sonntag». «Gedreht habe ich im Norden von Mombasa, wo jede zweite Touristin eine Schweizerin ist.» Teresas Freundin wurde nach dem Vorbild einer Schweizerin gestaltet, die nach dem Tod ihres Mannes zum Trost eine Afrikareise geschenkt bekam und als Sugar Mamma viele Illusionen sowie 50 000 Franken verlor.

Wie so viele österreichische Autorenfilmer leuchtet Seidl menschliche Abgründe schonungslos aus. Er stellt die Sextouristinnen bloss, wenn er in nüchternen, realistischen Bildern zeigt, wie Teresa und ihre Freundinnen sich mit kolonialem Machtgehabe an einem (minderjährigen?) Stripper vergehen. Seidls analytischer Film verweist aber auch darauf, was die Ursache solchen Verhaltens ist: die quälende Einsamkeit von älteren Frauen, deren Marktwert gesunken ist, weil ihre Körper nicht den Traumfiguren aus der Werbung entsprechen.

«Paradies: Liebe» ist der bisher eindrücklichste Film des Wettbewerbs, weil Seidl die Realität zwar in streng komponierten Bildern ästhetisch zuspitzt, aber keineswegs beschönigt.

Christian Jungen in der NZZaS vom 20.05.2012, Seite 57

Freitag, 9. März 2012

Eigenschaften des Traumpartners

Was Frauen an Männern suchen:
  • 91.4% Charme und Humor
  • 80.1% sehr seriös und niveauvoll
  • 69.3% kinderlieb und familienorientiert
  • 64.5% guter Liebhaber und auf Dauer treu
Was Männer an Frauen wünschen:
  • 73.4% romantisch und zärtlich
  • 71% gute Liebhaberin
  • 69.9% gutes Aussehen
  • 64% unternehmenslustig und kontaktfreudig
  • 84% intelligent
  • 32.6% akzeptieren eine beruflich erfolgreichere Frau neben sich
Studie von ElitePartner basierend auf einer Umfrage unter 12‘000 Frauen und Männer

Mittwoch, 7. März 2012

Machtkampf über die Schamhaare

Damals, in den Siebzigern, opponierten bekanntlich die Feministinnen, die Schamhaarrasur bei den Frauen sei eine Unterwerfung unter ein männliches Schönheitsideal, eine «symbolische Kastration durch das Patriarchat», wie es auch zuweilen hiess. Ein starkes Wort, fürwahr.

Aber weshalb eigentlich, könnte man sich nun ja fragen, spricht angesichts des epilierten Mannes keiner von Selbstkastration?

Michael Marti auf dem Mamablog

Dienstag, 6. März 2012

Westliche Männer in Schanghai

unreflektierte Begeisterung der Chinesen für Ausländer

«Laowai» bedeutet so viel wie «alter, ehrwürdiger Fremder» - das Wort zeugt vom Respekt, den Chinesen von jeher Fremden, besonders Weissen, entgegenbringen.

Schanghai ist im Gegensatz zu Peking relativ westlich.

[Die französische Konzession in Schanghai] verströmt etwas vom Flair des alten Schanghai der zwanziger und dreissiger Jahre, als die Stadt wegen ihrer Bordelle, Opiumhöhlen und Freizügigkeit berüchtigt war.

Einsam doch mit Annehmlichkeiten wie kurzen Affären und langen Barbesuchen in den Tag hineinleben.

Hoffnung, Frauen und ein hohes Mass an persönlicher Freiheit. Die chinesische Regierung ist vielleicht repressiv, aber sie schert sich nicht um das, was wir hier tun: Auf der Strasse Alkohol trinken, Joints in Bars rauchen, mich jeden Abend mit einer anderen Frau treffen - all das geht hier leichter als daheim.
Bradley
Schanghai macht Männer zu unerträglichen Wesen. Kaum eine der Frauen interessiert sich für chinesische Männer, aber fast jeder «Laowai- Dude» hat ständig wechselnde Affären mit Chinesinnen. Das schafft ein Ungleichgewicht zugunsten der Männer. Die geben sich gar keine Mühe mehr. Macht korrumpiert, auch sexuelle Macht. Mich rempeln Typen an, die sich daheim nicht trauen würden, mir einen Drink zu kaufen.
Kathryn

Gefühlte 80 Prozent der Laowai-Glücksritter sind männlich. Vielleicht, weil Männer abenteuerlustiger sind, vielleicht, weil sie hier Frauen bekommen, die daheim zwei Ligen über ihnen spielen. «Viel junge Chinesinnen sind neugierig, manche reizt der westliche Lebensstil - und Europäer sehen in ihren Augen einfach besser aus», sagt Mu Lei, genannt «Eddy».

Die meisten Ausländer kämen, um hier für ein paar Jahre viel Geld zu verdienen. Wer das nicht schaffe und dann nicht rechtzeitig gehe, dem bleibe nur noch die Möglichkeit, eine chinesische Frau zu heiraten.

Philipp Mattheis in der NZZaS vom 04.03.2012, Seite 79ff.

Freitag, 24. Februar 2012

Weibliche Reize erübrigen Entwicklungshilfe

...erweisen die Frauen in einem arabischen Land den Männern nur dann sexuelle Gefälligkeiten, wenn diese zuvor eine Wasserleitung ins Dorf gebaut haben. Das macht ebenso Sinn wie die Eheverweigerung einer Inderin, die erst dann wieder in ihr Heim zurück kehrte als der ihr Angetraute dort eine Toilette eingebaut hatte. Wozu braucht es noch Entwicklungshilfe, wenn die Frauen derlei selber in die Hand nehmen?
Klaus J. Stöhlker

Donnerstag, 19. Januar 2012

A Theory of Prostitution (von zwei AutorINNEN)


Prostitution ist eine Tätigkeit, die keine Ausbildung braucht, arbeitsintensiv ist und hauptsächlich von Frauen durchgeführt wird. Und trotzdem, und jetzt kommt das Rätsel, sind Prostituierte im Durchschnitt gut bezahlt. Wie kann das sein?

Als Laie würde man naiv vermuten, dass attraktive und gleichzeitig sexbereite junge Frauen relativ knapp sind, und sich deshalb ein relativ hoher Preis bildet.

Aber das Naheliegende ist natürlich viel zu einfach. Die "Freude am Sex mit einer jungen Frau" als Hauptmotiv für die Nachfrage kommt im Artikel gar nicht vor. Stattdessen zerbrechen sich die Autorinnen den Kopf, warum verheiratete Männer zu Prostituierten gehen, obwohl sie Sex doch billig zu Hause haben könnten. Um das eigenartig zu finden, muss man sich schon sehr weit vom realen Leben entfernt haben, was in einem akademischen Umfeld aber leicht möglich ist.

Zwar vermuten die Autorinnen, dass die Freude an Vielfalt der Sexpartnerinnen bei Männern stärker ausgeprägt ist als bei Frauen. Und es könnte auch sein, die Autorinnen sind sich da nicht sicher, dass Sex mit einer älteren Frau weniger Freude macht als mit einer jüngeren Frau (S. 186). Doch all das ist für Edlund und Korn nicht weiter von Belang. Die Autorinnen haben nämlich eine eigene "brillante" Idee, die das Rätsel der relativ hohen Löhne von Prostituierten "löst": Frauen können nicht gleichzeitig Ehefrau und Prostituierte sein. Wenn also eine Frau als Prostituierte arbeitet, dann vermindert sie damit ihre Chancen auf dem Heiratsmarkt und muss entsprechend mit einem hohen Lohn für diese entgangenen Möglichkeiten kompensiert werden. Das ist in einem Satz die "geniale" Idee, die einen langen Artikel in einem Topjournal rechtfertigt.

Mathias Binswanger auf Oekonomenstimme nimmt Bezug auf Edlund. L. und E. Korn (2002). A theory of prostitution. Journal of Political Economy, 110 (1):181–214 aus dem Jahre 2002
Haltet ihr von dieser Theorie auch soviel wie ich?

Dienstag, 6. Dezember 2011

Warum prostituieren sich nicht alle Frauen?

„Es war phantastisch“, schwärmt sie. „Ich verkehrte in den schicksten Bars und Hotels, die Rechnung für ein Abendessen belief sich kaum je auf weniger als 500 Franken, ich wurde mit Schmuck-Geschenken überhäuft, die Männer verwöhnten mich, darüber hinaus verdiente ich tausend Franken pro Tag. Warum machen das nicht alle Frauen, fragte ich mich. Allerdings, räumt sie ein, hatte das Paradies schon auch seine Schattenseiten. „Sex mit fremden Männern?“ „Nein, Auto fahren!“

Sie begann in einem Escort-Service zu arbeiten, nachdem ihre eigene Firma bankrott ging. (…) Neben einem alten Millionär, der ihr 7000 pro Monat plus Miete bezahlt (und sie in seinem Testament gebührend berücksichtigen wird), hat sie noch drei langjährige „Liebhaber“. Damit kommt sie gut über die Runden.

„Girlfriend Experiencde“ (GFE) verbindet die Vorteile der Prostitution (Unverbindlichkeit, Diskretion) mit denen einer Liebesbeziehung (vorgebliche Exklusivität), ohne dass man sich wie bei einer gewöhnlichen Hure abgefertigt fühlen muss und ohne dass man die Risiken einer heimlichen Geliebten (Ansprüche, organisatorische Komplikationen, Gefahr des Auffliegens bei Verheirateten) eingeht. Nicht zuletzt muss sich der Kunde weniger verstellen als bei einer richtigen Freundin. Er muss beispielsweise nicht vorgeben, treu zu sein.

In Westafrika gibt es unter Frauen die Redensart „chic, chèque, choc“, womit gemeint ist, dass man im Idealfall über drei Männer verfügt: einen schicken, einen wohlhabenden und einen fürs Bett. In vielen Ländern Südamerikas, Afrikas oder Asiens ist der Übergang von Gelegenheitsprostituierter zu Geliebter oft fliessend.

Was ist Authentizität, Rollenspiel, Anpassung, Käuflichkeit, wo verläuft die Trennung zwischen (unverstelltem) Privatleben und (verstellter) Professionalität, was ist Identität, Persönlichkeit, gibt es ein Ich oder Liebe jenseits der Masken?

Alles ist heute käuflich, und auf die eine oder andere Art spielen wir fast immer Theater (oder zumindest eine Rolle). Ein Kindermädchen verkauft seine Kinderliebe, ein Psychologe seine Empathie ein Pfarrer Seelsorge, eine Masseuse Zärtlichkeit. Sind die angebotenen Dienste deswegen falsch, verlogen, geheuchelt? Nicht unbedingt. Und umgekehrt: Ist es zwangsläufig schä(n)dlicher, seine Genitalien oder seine Freundschaft zu vermieten, als sich sein Mitgefühl (Therapeuten), seinen Verstand (Anwälte) oder die Gefährdung des Lebens selbst (Soldaten) bezahlen zu lassen?

David Signer in der NZZaS vom 4.12.11, Seite 79

Freitag, 18. November 2011

Der Papa-Survival-Kompendium

Sie sind gerade Vater geworden oder werden es bald? Verzagen Sie nicht. Der Papablog hilft gerne. Da sie keine Zeit haben oder die verbleibende nützen müssen, nachfolgend direkt die Punkte 1-10 des Papa-Survival-Kompendiums:

1. Vorbereitung

Nutzen Sie die verbleibende Zeit und erledigen Sie alles, das Sie getan haben müssen, um als Vater den nötigen persönlichen Fonds zu haben (In dieser Reihenfolge: Eine Nacht in einer Ausnüchterungszelle verbringen, betrunken eine hoffnungslose Schlägerei anzetteln, eine Verfolgungsjagd mit der Polizei absolvieren, Sex mit zwei Partnerinnen haben und nach einer Party mit einem peinlichen Tattoo aufwachen, an dessen Entstehung Sie sich nicht erinnern).

2. Geburt

Nichts ist männerfeindlicher als eine Geburtsstation. Dennoch sollten Sie dabei sein, denn nur Sie können den Wünschen und Bedenken Ihrer Partnerin während der Geburt Nachdruck verleihen. Verlassen Sie jedoch in der kritischen Phase auf keinen Fall das Kopfende des Bettes. Falls Sie – was üblich ist – gebeten werden, die Nabelschnur durchzuschneiden, lehnen Sie höflich aber bestimmt ab, denn Sie müssten dazu das Kopfende des Bettes verlassen. Und das wollen Sie auf keinen Fall.

3. Mobilität

Kaufen Sie ein Auto. Wenn Sie abends nach dem Besuch bei den Schwiegereltern mit den ÖV nach Hause müssen, dann fangen die müden Kinder nach zehn Minuten an zu schreien, die Frau kurz danach und dann die übrigen Fahrgäste. Sie werden in Gedanken noch mal die Liste der Burnout-Kliniken durchgehen, die Sie bereits recherchiert haben. Das alles passiert nach etwa zehn Minuten Fahrt.

Ins Auto laden Sie die Kinder und Partnerin einfach ein und fahren los. Nach den gleichen zehn Minuten Fahrt sind Kinder und Partnerin eingeschlafen und sonst ist da keiner. Sie geniessen kostbare Minuten absoluter Ruhe.

4. Zivilstand

Bleiben Sie ledig. Wenn sie heiraten, werden Ihr Einkommen und das Ihrer Frau gemeinsam besteuert und ausgewiesen. Die Krippensubventionen gehen dabei genauso Flöten, wie die Krankenkassensubventionen, die Ihre Frau und die Kinder kriegen, weil sie offiziell armengenössig sind. Die Beträge sind nicht zu unterschätzen (Stadt Zürich, zwei Kinder = plus/minus 10 000 Franken). Heiraten nützt grundsätzlich nur dem, der den anderen Elternteil überlebt (Stichwort Witwenrente). Aber: Sie sind jung und sterben nicht. Plus: Das Konkubinat beraubt ihre Partnerin der wirksamsten Methode, Druck auszuüben („Der Schwamm stinkt wieder! Wenn du noch einmal den nassen Schwamm im Spülbecken liegen lässt, lasse ich mich SCHEIDEN!").

5. Geld

Versuchen Sie, wenig davon zu haben. Gleichen Sie ihr Arbeitspensum demjenigen Ihrer Partnerin an. Es dient der Harmonieförderung in der Beziehung. Nur wenn beide Elternteile die gleiche Belastung im Büro und in der Kinderunterhaltung tragen, kann man abends die Leistung des jeweils anderen wertschätzen („So, deine acht Stunden Facebook-Surfen abgesessen?" –„Ja, wars gemütlich beim Käffele?"). Versuchen Sie, gemeinsam nicht mehr als 50 000 Franken zu verdienen. Dann haben Sie Anrecht auf alle Subventionen, die es gibt. Inklusive subventionierte 4-Zimmer-Stadtwohnung für 700 Franken im Monat. Sie leben dann exakt gleich, wie mit 120 000 Franken Einkommen, arbeiten aber weniger. Verlangen Sie wenn nötig vom Chef eine Lohnreduktion.

6. Zwischengeschlechtliches Sozialleben

Sobald Sie Vater sind, werden Sie auch für die wenigen Frauen Luft, die Sie bis anhin noch als sexuelle Option in Betracht gezogen haben. Sie müssen also fortan dort flirten, wo man sich nicht wehren kann. Dazu eignet sich die Kinderkrippe ideal. Stellen Sie den vor Abschiedsschmerz brüllenden Sohn ab und sagen Sie was Nettes („DU darfst bei all den hübschen, jungen Damen bleiben und ICH muss zu den alten Männern ins Büro! Und DU heulst!?"). Aber Achtung: Krippen-Erzieherinnen bergen Konfliktpotential. Ihre Frau weiss auch, dass die keine Neutren sind. Versuchen Sie rauszufinden, welche der Erzieherinnen ihrer Frau am sympathischsten ist und äussern Sie sich ausschliesslich über die Betreffende lobend. Alle anderen müssen Sie konsequent entweder hässlich oder dumm finden.

7. Gleichgeschlechtliches Sozialleben

Als Mann haben Sie alleine mit ihren Kindern stets Programmnot. Sie basteln nicht, Sie backen nicht und beim Fussball sind Sie (noch) zu überlegen. Suchen Sie sich also befreundete Väter mit Kindern im gleichen Alter wie Ihre und besuchen Sie an Ihren Kindertagen gemeinsam Institutionen, die über ein Restaurant mit Blick auf einen Spielplatz verfügen (z.B. Gemeinschaftszentren, Zoos etc.). Die Kinder spielen dann miteinander auf dem Spielplatz und brauchen Sie nicht. Trinken Sie im Restaurant ohne schlechtes Gewissen Bier aus grossen Gläsern und reihen Sie diese aneinander, wenn sie leer sind. Vorwurfsvolle Blicke kontern Sie mit einem entschuldigenden: „An den Abenden und Wochenenden kommen wir ja nicht mehr dazu."

8. Schwiegereltern

Wenn Sie Punkt 4 beachten, dann werden sich Ihre Schwiegereltern, die ja streng genommen keine sind, über exakt diesen Umstand beschweren („Wir wären so gerne ECHTE Schwiegereltern."). Natürlich geht es ihnen nicht darum, sondern darum, dass man als Mutter/Vater einer Tochter nur dann ganze Arbeit geleistet hat, wenn diese „anständig" verheiratet ist. Das ist nicht Ihr Problem. Es gibt nur zwei Wege, den Diskussionen die mit dem je länger je penetranter vorgebrachten Heiratswunsch der Schwiegereltern verbunden sind, ein Ende zu setzen: 1. Heiraten 2. Diskussion beenden. Das geht nicht auf zivilisierte Art. Warten Sie an irgendeinem Nachtessen ab, bis das Thema beim Kaffee wieder zur Sprache kommt und brechen Sie ohne Zögern in Raserei aus („WIE OFT MUSS ICH DENN NOCH NEIN SAGEN! IHR SEID JA SCHLIMMER ALS ZWEIJÄHRIGE!"). Werfen Sie dann die volle Espressotasse an die Wand und zünden Sie sich zufrieden eine Zigarre an.

9. Alkohol und Drogen

Verzichten Sie auf abendlichen Alkohol- und Drogenkonsum (auch Bier). So wird Ihnen die Erfahrung erspart bleiben, dass sich Kinder nicht für Ihren Kater interessieren, wenn jemand morgens um sechs Uhr dreissig die Schlumpf-DVD einlegen und starten muss. Der Holztraktor landet früher oder später doch zwecks Wecken in ihrem Gesicht. Bloss werden Sie es mit Kater nicht schaffen, den zweiten und dritten Schlag abzuwehren.

10. Pornographie

Bilder von Sexualakten verschiedener Prägung haben schon immer zu Ihrem Leben dazu gehört? Dann geben Sie diese Gewohnheit nicht auf, bloss weil Zeit und Raum knapper werden. Aber: Beachten Sie die Regeln des Safer Surfing (Stichwort: "Pornomodus"). Sollten Sie dennoch erwischt werden, streiten Sie alles kategorisch ab („Noch nie in meinem ganzen Leben habe ich auch nur einen Tropfen Samen verschwendet! Wozu also bitte brauch ICH solchen Schweinkram?!"). Beschuldigen Sie den Nachbarn, der den Notfallschlüssel für Ihre Wohnung aufbewahrt und räumen Sie ihm Gegenrecht ein.

Ein Papablog von Maurice Thiriet, publiziert, bzw. eben nicht publiziert am 15.11.11 auf dem Mamablog des Tagi.

Donnerstag, 3. November 2011

Liebe, Sex, Nutten und Pfarrer

Liebe besteht aus:
  • sexuellem Begehren
  • emotionaler Zuneigung
  • tiefem Vertrauen
  • uneingeschränkter Verantwortung.
Fehlt eine der Strömungen, ginge es gerade noch. Fehlten zwei, ist [die Beziehung] am Ende – sagte ihm eine weise Frau.
 
Sexuelle Dauerbeziehung  
Das Geheimnis jener Paare, die viele Jahre lang erregend miteinander verkehren, scheint darin zu liegen, dass sie durch eine milde perverse Inszenierung wirksam aufeinander bezogen und miteinander verbunden sind, am wirksamsten, wenn sie es gar nicht wissen. Erotik wäre dann die mehr oder weniger stabile Überbrückung existenzieller Abgründe mithilfe gemeinsamer Fetischisierungen. 
Prostitution
Die Verhältnisse, in denen wir leben und arbeiten, sind prostitutiver Natur: Wir sind käuflich und werden gekauft, manche körperlich, manche seelisch, viele moralisch, alle geistig. Wir bieten feil, werfen weg, nehmen, lassen nehmen. Auch deshalb werden Ekel und Abscheu auf die Huren projiziert. Ihre Arbeit aber wird benötigt; in unserer Sexualkultur sind Dauerbeziehungen nicht ohne Prostitution zu denken. Ausserdem hat jedes Triebwesen eine Leiche im Keller. Deshalb sei bigotten Heuchlern aus einem besseren Schauspiel zugerufen: Was geisselt ihr die Hure, peitscht euch selbst!
Katholische Kirche
In ihren zölibatär-männlichen Einrichtungen haben sich mehr sexuell unreife und perverse Missbrauchstäter versammelt als in jeder anderen Männer-Organisation.
 
Volkmar Sigusch, Sexualforscher, in einem Arikel von David Signer in dr NZZaS vom 30.10.2011, Seite 84.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Zeitgemässe Formen des Zusammenlebens

Neue Ausgangssituation
Globalisierung, Individualisierung, Liberalisierung, Multioptionsgesellschaft, Konsumwelt, Lebensgenuss, Entfaltung, Selbstverwirklichung, Erwartungen, Angebot, exzessive Selektion
Ist es nicht Wahnsinn, die Institution Ehe auf so etwas Unfassbares und Flüchtiges wie die Liebe gründen zu wollen? Oder, wie es Hondrich formuliert: das Beständigste auf das Vergänglichste, das Alltägliche auf das Ausseralltägliche, das Reale auf das Romantische zu bauen? "Liegt hier", fragt er sich, "ein grundlegender Konstruktionsfehler moderner Gesellschaften vor?"
  • Ehe: Bund fürs Leben, exklusive Zweierbeziehung, Utopie der totalen, ausschliesslichen Liebe
  • Serielle Monogamie
  • Offene Beziehung
  • Polyamoristen: Quadratur des Kreises: sexuelle Freiheit und die Wärme einer Partnerschaft, Treue gegenüber mehreren Personen, keine "Ich will dich ganz für mich oder gar nicht"-Liebe, sinnliche Liebe lässt sich nicht auf eine Person beschränken.
Treue: Ideal und doch realitätsfremd (Die Zeit)
Die westliche Strenge im Ahnden von Untreue stellt weltweit eher einen Sonder- als einen Normalfall dar.
Pamela Duckermann in der kulturvergleichenden Untersuchung "Fremdgehen"
 
Im Gegensatz zu früher stellt bei uns der Seitensprung eben mittlerweile nicht nur einen gesellschaftlichen Verstoss dar, den es nach Möglichkeit zu verstekcen gilt, sondern auch einen psychologischen Makel. Wir haben die klassisch-bürgerliche Ächtung des Fehltritts so verinnerlicht, das wir sogar bei einem unverheirateten Paar heute strengere Massstäbe anlegen, als das früher bei Eheleuten der Fall war. Der Ehebrecher muss sich heute nicht nur moralische Vorhaltungen gefallen lassen, sondern auch Fragen nach seiner Reife, seiner Beziehungsfähigkeit oder gar nach einer allfälligen Sexsucht.
David Signer in der NZZaS vom 24.04.2011, Seite 73f.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Zu viele Männer in Asien


Laut neusten Berechnungen gibt es derzeit in Asien 163 Millionen Frauen weniger als Männer.Im Jahr 2020 werden 40 Millionen überschüssige Knaben und Männer in der Altersklasse U-20 kaum je Aussicht auf eine Frau haben. Dies entspricht der Zahl der gesamten männlichen Bevölkerung unter 20 Jahren in den USA.Die Kriminalitätsrate in China hat sich seit 20 Jahren verdoppelt. Ein Siebtel dieses Anstiegs hat direkt mit der verzerrten Geschlechtsverteilung im Land zu tun.Thomas Isler in der NZZaS vom 2.10.11, Seite 7.

Pakistaner stürzen sich auf Engländerinnen


In Derby wurde eine Bande von neun Männern für Delikte wie Vergewaltigung, Geschlechtsverkehr mit Kindern, Körperverletzung und Kinder-Pornographie verurteilt. Betroffen sind mindestens 27 Opfer im Alter zwischen 12 und 18 Jahren. 
„The Times“ fand insgesamt 17 Prozesse seit 1997, in denen 56 Männer für diese Art von Bandenkriminalität verurteilt worden waren. Unter den 56 Tätern fanden sich nur 3 Weisse, die Mehrheit der 50 Muslime stammte aus dem pakistanischen Milieu. Die jungen Mädchen wurden jeweils mit Alkohol und Drogen gefügig gemacht; anschliessend wurden sie unter älteren Verwandten und Bekannten zum sexuellen Missbrauch herumgereicht.
Die Täter denken weisse Mädchen hätten eine lockerere Moral und seien weniger wert als pakistanische Mädchen. Das ist eine Art von Rassismus und daher verabscheuungswürdig.Mohammed Shafik, Leiter einer muslimischen Jugendorganisation.
Martin Alioth in der NZZaS vom 16.1.11, Seite 5.

Sonntag, 11. September 2011

Schwarze Musik prägt Sozialverhalten

Texte von Pop-Songs enthalten immer häufiger explizit sexuelle Botschaften. Zu diesem schluss kommen Forscher der Mormonen-Hochschule Brigham Young University in Utah, nachdem sie Inhalte von Songs untersuchten, die in den letzten 50 Jahren in der US-Hitliste "Billboard Hot 100"  besonders beliebt waren ("Sexuality & Culture", online).

Sexuell aufgeladene Texte würden eher von "männlichen und nichtweissen Künstlern" geschrieben. Laut den Wissenschaftlern besteht die Gefahr, dass solche Texte junge Männer dazu verleiten, sich sexuell aggressiv zu verhalten. Jungen Frauen werde dagegen der Eindruck vermittelt, ihr Wert in der Gesellschaft bemesse sich daran, wie viel sexuelles Vergnügen sie anderen bereiten.
pim. in der NZZaS vom 11.9.11, Seite 65.

Dienstag, 6. September 2011

Heilige oder Hure

Der altbekannte Dualismus zwischen Hure und Heiliger müsse überwunden werden, sagen sie, ein Stereotyp, der einen Konflikt in der weiblichen Sexualität konstatiert und dazu geführt hat, dass man Frauen traditionell nur eine der beiden Identitäten zugestand, nämlich entweder die als sexuelles Wesen oder diejenige als asexuell und selbstlos gedachte Mutter.
Michèle Binswanger auf dem Mamablog

Dienstag, 16. August 2011

Beziehung mit einer Minderjährigen

Man denkt also vor allem an die Liebesgeschichten von Männern mit Mädchen, mit Pubertierenden, mit Minderjährigen – und empfindet ein doppeltes Unbehagen. Nach dem Gesetz ist solche Liebe zwar nicht strafbar: Boettichers Freundin war älter als 14, es gab kein Ausbildungs- oder Abhängigkeitsverhältnis und es handelte sich nicht um Prostitution. Aber es fällt bei so einem Altersunterschied schwer, an eine ebenbürtige Beziehung zu glauben, an die Freiheit der Wahl von beiden Seiten, daran, dass auch nicht im geringsten Zwang, Vorteilsnahme oder Missbrauch im Spiel waren. Einerseits.

Gleichzeitig gilt – und auch das löst Unbehagen aus: Kaum eine Beziehung ist restlos ebenbürtig, und die Liebe ist noch im hohen Alter oft eher eine unreife als eine reife Angelegenheit. Eine 15- oder 16-Jährige ist außerdem kein Kind mehr. Warum soll sie nicht mit einem 40-Jährigen glücklich sein – und sei es für eine kurze Zeit? Liebe ist voller unmoralischer Komponenten: eine Verrücktheit, ein Wahnsinn.

Sex hat mit Vernunft erst recht wenig zu tun, er enthält nicht nur Momente der Zärtlichkeit, sondern auch der Gewalt, bei Gleichaltrigen wie bei Partnern mit großem Altersunterschied. Ja, es gibt den gesellschaftlich sanktionierten Sexismus, der älteren Männern jüngere Geliebte eher verzeiht (und lüstern „Skandal“ schreit) als den „entsorgten“ älteren Ehefrauen die amour fou mit einem 17-Jährigen. Ja, es gibt die Notwendigkeit von Gesetzen, die die Freiheit der Liebe einschränkt, zum Schutz der Schwächeren, der Zöglinge, die sich im Zweifel nicht wehren können gegen Lehrer oder Internatsleiter, ältere Cousins oder den eigenen Vater. Aber es gibt auch die unvermeidliche Portion Willkür bei solchen Gesetzen: Manche 14-Jährige ist mündiger, erwachsener, sexuell reifer als andere mit 16. Auch wenn das im Einzelfall zur Tragödie führen mag: Es geht nicht anders, der Gesetzgeber muss eine Altersgrenze ziehen. Den Schwächeren zuliebe

Christiane Peitz auf Cicero

Dienstag, 2. August 2011

Warum sich Sluts aufreizend kleiden

Klar hat jeder das Recht, sich so zu bekleiden, wie er(m/w) es will. Meine Frage war: WARUM will man sich sexuell aufreizend bekleiden, ohne dass man dabei mit aufgereizten Männern Sex haben will? Was ist der Sinn? Was steht hinter dieser Haltung „Ich reize Dich auf, Du darfst mich aber nicht anfassen, und wie Du mit Deiner Aufregung klar kommst, ist eben Dein Problem“?

Nun, in meinen Augen sind es ganz banale Machtspielchen. "Ich habe die Macht (nicht nur körperliche, sondern auch gesetzlich und sittlich anerkannte), Dich zu aufreizen, und ich habe die Macht, Dich zuverweisen. ICH habe DEINE Gefühle im Griff und entscheide darüber, wie die Situation sich entwickelt."

Geht es bei der Emanzipation um die SELBSTBESTIMMUNG der Frau oder um ihre Fähigkeit, den Mann zu manipulieren und die Macht über ihn zu ausüben?
Fahrenheit 451 auf der Freitag

Mittwoch, 20. Juli 2011

Die Treue ist das Laster der Armen

Für die Pariser Eliten gilt seit Jahrhunderten: Affären gehören zum Leben, Frauen aus der Unterschicht sind Freiwild.
Die Frivolitäten ereignen sich innerhalb fester Normen und Regeln.
  1. Die erste Grundregel lautet: Je höher gestellt der Prinz oder Politiker, desto mehr ist ihm erlaubt. Während der einfache Bürger zu Hause vom Teigholz der Ehefrau erwartet wird, wenn ihn einmal die Sünde streift, darf der König alles tun, was Gott verboten hat.

  2. Zweite Grundregel: Sex folgt in Frankreich dem sozialen Status. Je geringer die Herkunft der Frau, desto mehr darf sich der Monarch oder Minister herausnehmen.

Hierarchie

  1. Gattin: sozial – nicht unbedingt sexuell – am besten gestellt. Dient oft der eigenen Karriere.
  2. Konkubine: Zweitfrau, ev. mit unehelichem Kind, weinte am Grab Mitterrands zusammen mit dessen Frau
  3. Kokotten, Mätressen, Heträren, Journalistinnen
  4. Zufallsbekanntschaften: Zimmermädchen, Kellnerinnen, Wahlhelferinnen --> Freiwild

Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir

Die beiden sicherten sich in einer Art Pakt wechselseitig eheliche Untreue zu, frei nach dem Motto des Schriftstellers Baudelaire: «Die Treue ist das Laster der Armen.» Sartre und Beauvoir, aber auch die Mitterrands und die Strauss-Kahns lebten Varianten des aristokratischen contrat de mariage vor, den schon Joséphine ihrem Heisssporn Napoléon Bonaparte in weiser (auch finanzieller) Voraussicht abgerungen hatte. Noch heute umfassen ähnliche Arrangements in den besseren Pariser Kreisen gerne hundert Seiten und mehr.

Stefan Brändle in der WeWo22.11, Seite 43ff.

Sex als Bonus: 83tEUR Hamburg-Mannheimer

Die siebzig fleissigsten Vertreter der Hamburg-Mannheimer-Versicherung (heute Ergo) erhielten 2007 eine besondere Belohnung: Sie wurden nach Budapest in ein historisches Thermalbad eingeladen, das zu einem grossen Freiluftbordell umfunktioniert worden war. Die Prostituierten trugen ein Armbändchen, jene mit einem roten Bändchen standen allen anwesenden Mitarbeitern zur Verfügung, jene mit den weissen Bändchen blieben den besten Verkäufern und den Chefs vorbehalten. Nach jedem Treffen erhielten die Damen einen Stempel auf ihren Unterarm, das vereinfachte die spätere Abrechnung.

…ein ganzes Team wie bei der Hamburg-Mannheimer für eine Sexparty ins Ausland…

Aus Diskretionsgründen ist dies durchaus sinnvoll. Den Reiz eines solchen Firmenausflugs liegt nicht bloss im sexuellen Abenteuer. Man teilt ein Geheimnis, wird zu einem verschworenen Grüppchen, das hat eine verbindende Wirkung. Mir kommt das vor wie ein Pfadiausflug für Erwachsene.

Valentin Landmann, Zürcher Milieuanwalt

Rico Bandle in der WeWo22.11, Seite 42.

Freitag, 8. Juli 2011

Kindheit - ein soziales Konstrukt

Nicht nur waren bis vor ein paar Hundert Jahren Zwölfjährige alt genug, um in den Krieg zu ziehen. Im Mittelalter galt man generell als viel früher erwachsen – und somit geschlechtsreif. Mädchen waren mit 12 Jahren heiratsfähig, Jungen mit 14. Vor allem in adligen Kreisen wurde die Ehe schon in diesem Alter praktiziert – und gültig war sie erst nach vollzogenem Beischlaf. Was uns heute unvorstellbar ist, war damals normal.

Kinder waren bis ungefähr zum siebten Lebensjahr von ihren Eltern abhängig, danach wurden sie als eigenständige Mitglieder der Erwachsenengesellschaft anerkannt, schreibt der berühmte französische Sozialhistoriker Philippe Aries in seiner «Geschichte der Kindheit». Der Übergang von der Kindheit zum Erwachsenenalter begann für die Menschen im Mittelalter viel früher als heute – eben weil Kindheit nicht einfach eine biologische Phase beschreibt, sondern immer auch ein soziales Konstrukt, eine Konvention ist. Die Kindheit, wie wir sie meinen, der erste Lebensabschnitt als möglichst beschützte Entwicklungsphase, gibt es erst seit dem Zeitalter der Aufklärung; das ist bekannt.
Michael Marti im Mamablog

Mittwoch, 6. Juli 2011

Sexsomnia - was für eine Krankheit...

Ein Brite ist einer Verurteilung wegen Vergewaltigung entkommen, weil er an der Schlafkrankheit Sexsomnia leidet, bei der die Betroffenen im Tiefschlaf unbewusst sexuelle Handlungen vornehmen. Vor der entsprechenden Entscheidung eines Gerichts in Swansea in Schottland hatten die Richter unter anderem die Ehefrau und die Ex- Lebensgefährtin des 43-Jährigen befragt. Beide gaben an, dass er Sex mit ihnen hatte, ohne jedoch zu Bewusstsein zu kommen. Am nächsten Morgen habe er sich nie an die nächtlichen Aktivitäten erinnern können. Dem Mann war vorgeworfen worden, eine 16-Jährige vergewaltigt zu haben, die für eine Nacht bei der Familie zu Besuch war. Am Morgen danach war der 43-Jährige überrascht gewesen, dass das Mädchen nicht mehr da war.

NZZ