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Freitag, 18. November 2011

Der Papa-Survival-Kompendium

Sie sind gerade Vater geworden oder werden es bald? Verzagen Sie nicht. Der Papablog hilft gerne. Da sie keine Zeit haben oder die verbleibende nützen müssen, nachfolgend direkt die Punkte 1-10 des Papa-Survival-Kompendiums:

1. Vorbereitung

Nutzen Sie die verbleibende Zeit und erledigen Sie alles, das Sie getan haben müssen, um als Vater den nötigen persönlichen Fonds zu haben (In dieser Reihenfolge: Eine Nacht in einer Ausnüchterungszelle verbringen, betrunken eine hoffnungslose Schlägerei anzetteln, eine Verfolgungsjagd mit der Polizei absolvieren, Sex mit zwei Partnerinnen haben und nach einer Party mit einem peinlichen Tattoo aufwachen, an dessen Entstehung Sie sich nicht erinnern).

2. Geburt

Nichts ist männerfeindlicher als eine Geburtsstation. Dennoch sollten Sie dabei sein, denn nur Sie können den Wünschen und Bedenken Ihrer Partnerin während der Geburt Nachdruck verleihen. Verlassen Sie jedoch in der kritischen Phase auf keinen Fall das Kopfende des Bettes. Falls Sie – was üblich ist – gebeten werden, die Nabelschnur durchzuschneiden, lehnen Sie höflich aber bestimmt ab, denn Sie müssten dazu das Kopfende des Bettes verlassen. Und das wollen Sie auf keinen Fall.

3. Mobilität

Kaufen Sie ein Auto. Wenn Sie abends nach dem Besuch bei den Schwiegereltern mit den ÖV nach Hause müssen, dann fangen die müden Kinder nach zehn Minuten an zu schreien, die Frau kurz danach und dann die übrigen Fahrgäste. Sie werden in Gedanken noch mal die Liste der Burnout-Kliniken durchgehen, die Sie bereits recherchiert haben. Das alles passiert nach etwa zehn Minuten Fahrt.

Ins Auto laden Sie die Kinder und Partnerin einfach ein und fahren los. Nach den gleichen zehn Minuten Fahrt sind Kinder und Partnerin eingeschlafen und sonst ist da keiner. Sie geniessen kostbare Minuten absoluter Ruhe.

4. Zivilstand

Bleiben Sie ledig. Wenn sie heiraten, werden Ihr Einkommen und das Ihrer Frau gemeinsam besteuert und ausgewiesen. Die Krippensubventionen gehen dabei genauso Flöten, wie die Krankenkassensubventionen, die Ihre Frau und die Kinder kriegen, weil sie offiziell armengenössig sind. Die Beträge sind nicht zu unterschätzen (Stadt Zürich, zwei Kinder = plus/minus 10 000 Franken). Heiraten nützt grundsätzlich nur dem, der den anderen Elternteil überlebt (Stichwort Witwenrente). Aber: Sie sind jung und sterben nicht. Plus: Das Konkubinat beraubt ihre Partnerin der wirksamsten Methode, Druck auszuüben („Der Schwamm stinkt wieder! Wenn du noch einmal den nassen Schwamm im Spülbecken liegen lässt, lasse ich mich SCHEIDEN!").

5. Geld

Versuchen Sie, wenig davon zu haben. Gleichen Sie ihr Arbeitspensum demjenigen Ihrer Partnerin an. Es dient der Harmonieförderung in der Beziehung. Nur wenn beide Elternteile die gleiche Belastung im Büro und in der Kinderunterhaltung tragen, kann man abends die Leistung des jeweils anderen wertschätzen („So, deine acht Stunden Facebook-Surfen abgesessen?" –„Ja, wars gemütlich beim Käffele?"). Versuchen Sie, gemeinsam nicht mehr als 50 000 Franken zu verdienen. Dann haben Sie Anrecht auf alle Subventionen, die es gibt. Inklusive subventionierte 4-Zimmer-Stadtwohnung für 700 Franken im Monat. Sie leben dann exakt gleich, wie mit 120 000 Franken Einkommen, arbeiten aber weniger. Verlangen Sie wenn nötig vom Chef eine Lohnreduktion.

6. Zwischengeschlechtliches Sozialleben

Sobald Sie Vater sind, werden Sie auch für die wenigen Frauen Luft, die Sie bis anhin noch als sexuelle Option in Betracht gezogen haben. Sie müssen also fortan dort flirten, wo man sich nicht wehren kann. Dazu eignet sich die Kinderkrippe ideal. Stellen Sie den vor Abschiedsschmerz brüllenden Sohn ab und sagen Sie was Nettes („DU darfst bei all den hübschen, jungen Damen bleiben und ICH muss zu den alten Männern ins Büro! Und DU heulst!?"). Aber Achtung: Krippen-Erzieherinnen bergen Konfliktpotential. Ihre Frau weiss auch, dass die keine Neutren sind. Versuchen Sie rauszufinden, welche der Erzieherinnen ihrer Frau am sympathischsten ist und äussern Sie sich ausschliesslich über die Betreffende lobend. Alle anderen müssen Sie konsequent entweder hässlich oder dumm finden.

7. Gleichgeschlechtliches Sozialleben

Als Mann haben Sie alleine mit ihren Kindern stets Programmnot. Sie basteln nicht, Sie backen nicht und beim Fussball sind Sie (noch) zu überlegen. Suchen Sie sich also befreundete Väter mit Kindern im gleichen Alter wie Ihre und besuchen Sie an Ihren Kindertagen gemeinsam Institutionen, die über ein Restaurant mit Blick auf einen Spielplatz verfügen (z.B. Gemeinschaftszentren, Zoos etc.). Die Kinder spielen dann miteinander auf dem Spielplatz und brauchen Sie nicht. Trinken Sie im Restaurant ohne schlechtes Gewissen Bier aus grossen Gläsern und reihen Sie diese aneinander, wenn sie leer sind. Vorwurfsvolle Blicke kontern Sie mit einem entschuldigenden: „An den Abenden und Wochenenden kommen wir ja nicht mehr dazu."

8. Schwiegereltern

Wenn Sie Punkt 4 beachten, dann werden sich Ihre Schwiegereltern, die ja streng genommen keine sind, über exakt diesen Umstand beschweren („Wir wären so gerne ECHTE Schwiegereltern."). Natürlich geht es ihnen nicht darum, sondern darum, dass man als Mutter/Vater einer Tochter nur dann ganze Arbeit geleistet hat, wenn diese „anständig" verheiratet ist. Das ist nicht Ihr Problem. Es gibt nur zwei Wege, den Diskussionen die mit dem je länger je penetranter vorgebrachten Heiratswunsch der Schwiegereltern verbunden sind, ein Ende zu setzen: 1. Heiraten 2. Diskussion beenden. Das geht nicht auf zivilisierte Art. Warten Sie an irgendeinem Nachtessen ab, bis das Thema beim Kaffee wieder zur Sprache kommt und brechen Sie ohne Zögern in Raserei aus („WIE OFT MUSS ICH DENN NOCH NEIN SAGEN! IHR SEID JA SCHLIMMER ALS ZWEIJÄHRIGE!"). Werfen Sie dann die volle Espressotasse an die Wand und zünden Sie sich zufrieden eine Zigarre an.

9. Alkohol und Drogen

Verzichten Sie auf abendlichen Alkohol- und Drogenkonsum (auch Bier). So wird Ihnen die Erfahrung erspart bleiben, dass sich Kinder nicht für Ihren Kater interessieren, wenn jemand morgens um sechs Uhr dreissig die Schlumpf-DVD einlegen und starten muss. Der Holztraktor landet früher oder später doch zwecks Wecken in ihrem Gesicht. Bloss werden Sie es mit Kater nicht schaffen, den zweiten und dritten Schlag abzuwehren.

10. Pornographie

Bilder von Sexualakten verschiedener Prägung haben schon immer zu Ihrem Leben dazu gehört? Dann geben Sie diese Gewohnheit nicht auf, bloss weil Zeit und Raum knapper werden. Aber: Beachten Sie die Regeln des Safer Surfing (Stichwort: "Pornomodus"). Sollten Sie dennoch erwischt werden, streiten Sie alles kategorisch ab („Noch nie in meinem ganzen Leben habe ich auch nur einen Tropfen Samen verschwendet! Wozu also bitte brauch ICH solchen Schweinkram?!"). Beschuldigen Sie den Nachbarn, der den Notfallschlüssel für Ihre Wohnung aufbewahrt und räumen Sie ihm Gegenrecht ein.

Ein Papablog von Maurice Thiriet, publiziert, bzw. eben nicht publiziert am 15.11.11 auf dem Mamablog des Tagi.

Mittwoch, 14. September 2011

Scheidung mit Kindern managen

Galten noch in den Sechzigerjahren Scheidungskinder als potenzielle Straftäter, Ehebrecher und Selbstmörder, ist heute bekannt: Entscheidend ist nicht das elterliche Verhalten während, sondern jenes vor und nach der Trennung. Sprich: Mit sozialen Variablen lernt ein Kind umzugehen, mit emotionaler Vernachlässigung nicht.

[Dass beide Elternteile mit dem Kind eng verbunden bleiben, gelingt nur,] wenn es die Eltern schaffen, die partnerschaftlichen Zerwürfnisse von ihrer Verantwortung gegenüber dem Kind zu trennen. Bei uns hiess das konkret: Kompromissbereitschaft statt Kampfgeist, Mediation statt Gericht, lange Verhandlungen statt pauschale Lösungen, die oft keine sind. Voraussetzungen sind: Das Kindswohl muss über individuellen Glücks- und Gewinnversprechen stehen. Und der Vater muss schon vor dem Bruch eine tragfähige Beziehung zum Nachwuchs aufgebaut haben.

Ein Kind braucht beide Elternteile, egal was die sich noch zu sagen haben. Der Weg kann steinig sein, doch in meinen Augen ist er unumgänglich. Verantwortung für das Kind zu übernehmen, bedeutet zuerst, nicht in eigener Sache zu kämpfen. Und auch Nachsicht zu üben. Wer statt des Ausgleichs einen Anwalt sucht, betritt dünnes Eis – es gibt Sieger und Verlierer, und fast immer ist der Verlierer männlich.

Dass für eine tragfähige Vater-Kind-Beziehung das juristische Machtwort mehr Schaden als Nutzen bringt, zeigt auch die traurige Tatsache, dass die Hälfte der Väter zwei Jahre nach der Trennung den Kontakt zu ihren Kindern verloren hat – viele davon nicht trotz, sondern wegen einer gerichtlichen Verfügung.
Alexander Marzahn auf dem Mamablog

Montag, 15. August 2011

London: Randalierer sind oft Söhne von alleinerziehenden Müttern

Tatsache ist, dass die 18 Stadtteile, die am meisten von der Randale betroffen waren weisen alle auf eine extrem hohe Zahl alleinstehender Mütter und «zerbrochener Familien» aufweisen. Es handelt sich dabei um junge Männer ohne Ausbildung und Perspektive, aufgewachsen mit den Anreizen des modernen Sozialstaates, aber ohne väterliche Autorität. Auf der Suche nach männlichen Rollenvorbildern, schlössen sich die vaterlosen Buben oft Banden an, welche die Hauptakteure bei den Krawallen gewesen seien.
Michèle Binswanger im Mamablog

Mittwoch, 20. Juli 2011

Der neue Vater

1. Es gibt in Parks oder auf Spielplätzen keine coolen Väter. Du oder deine Quellen waren entweder nie an einem solchen Ort oder haben dort den Ausdruck von Langeweile mit Coolness verwechselt. Aufenthalte auf Spielplätzen sind, wie für alle Erwachsenen, auch für den neuen Vater langweilig.

2. Dass der neue Vater nicht weniger als 90 Prozent arbeitet, hat profane pekuniäre Gründe. Es ist sinnvoller, dass er den Hauptteil der Erwerbsarbeit übernimmt. Denn seine Frau möchte gar nicht so viel arbeiten. Dies, weil es sich entweder nicht lohnt, da sie es versäumt hat, ihr Gehalt anständig zu verhandeln, weshalb der Mann pro gearbeiteter Stunde viel mehr verdient. Oder weil sie eine Zweitausbildung als Theaterpädagogin (o.ä.) macht.

3. Männer mit Tragetüchern sind ein No-Go und schinden ganz sicher keinen Eindruck. Tragetücher sind die Birkenstocksandalen der Babyindustrie. Der neue Vater macht allenfalls mit Ergo-Carrier eine Falle, aber es kommt sehr auf die Figur an.

4. Der neue Vater massregelt sehr wohl – und zwar nach dem Motto: «So wenig wie
möglich, dann dafür laut und so, dass der Effekt stimmt». Ständiges Zurechtweisen und Konditionieren ist ineffizient und führt beim Kind zu unerwünschtem Trotz und Abstumpfung.

5. «Im-Notfall-Ausrücken» tut der neue Vater ebenfalls, so wie er auch Fahrten ins Kinderspital unternimmt. Allerdings nur dann, wenn es nötig ist (Stürze mit anschliessender Bewusstlosigkeit, Vergiftungen etc.). Bauchweh, Kopfschmerzen, Platzwunden, Verstauchungen, Eiterausfluss und ähnliche leichte Gebrechen mögen unangenehm sein und unerfreulich aussehen, sind aber nie ein Notfall.

6. Wenn der «neue Vater» kocht, wenn Besuch kommt, dann hat das nichts mit «Kochen vor Publikum» zu tun, sondern ist dem profanen Umstand geschuldet, dass die Gäste meistens auch Kinder mitbringen, die von den Müttern sofort und ausgiebig gemeinsam begutachtet und im Kinderzimmer anhand des vorhandenen Spielequipments auf den Entwicklungsstand verglichen werden müssen. Derweil besprechen die Väter in der Küche beim Aperitif (Bier) Autokäufe, die nach Intervention der Mütter nicht nach den Vorstellungen der Väter getätigt werden konnten (o.ä.). Das Kochen geht nebenher.

Maurice Thiriet im Mamablog

Freitag, 6. Mai 2011

kein normales Leben für Regierungschefs

Seit längerer Zeit ist offensichtlich, dass unter Britanniens führenden Politikern ein Wettstreit um den best dad-Preis im Gang ist. Die frischgebackenen Väter Clegg, Premier Cameron und Labour-Führer Miliband haben alle Vaterschaftsurlaub eingezogen. Der Premier und sein Vize sind beide stolz, Kabinettstreffen zu verschieben, damit sie ihre Kleinen in die Krippe bringen können. Sie lesen ihnen Gutenachtgeschichten vor, baden sie ab und zu, und wahrscheinlich legen sie auch öfters Hand an beim Windelnwechseln.

Moderne Väter eben . . .

Das ist wohl, was ihre Imageberater ihnen eingeflüstert haben. Das komme gut an im Volk, meinen sie. Dabei scheinen sie zu vergessen, welches Amt ihnen anvertraut ­wurde. Sie lenken die Geschicke von sechzig Millionen Menschen, während das Land den schwersten Herausforderungen seit dreissig Jahren gegenübersteht. Der Anspruch, ein «normales» Leben zu führen, ist absurd. Es ist unmöglich, hohe Verantwortung wahrzunehmen, sei es in einer Firma, einer Institution oder erst recht in einer Regierung, ­ohne das Privatleben drastisch einzuschränken. Als Wähler will ich nicht eine Regierung aus Paradeeltern, sondern Politiker, die sich Tag und Nacht in den Dienst des Landes stellen.

Sir Max Hastings im Interview von Urs Gehriger in der WeWo18.11, Seite 46ff.

Montag, 2. Mai 2011

4 Wochen unbezahlte Ferien für Väter

Die Begeisterung der Männerorganisationen ist jedoch mässig. «Die vier Wochen sind sicher besser als nichts», sagt Markus Theunert, Präsident des Dachverbands männer.ch. Führe man sich aber vor Augen, welche Möglichkeiten andere Länder den Vätern zugestehen würden, sei dies eine absolute Minimallösung und «Ausdruck einer unglaublichen Geringschätzung gegenüber väterlichem Engagement».
Katharina Bracher in der NZZaS vom 01.05.2011, Seite 12.

Samstag, 22. Mai 2010

Vater über 50

Schweizer Männer welche über 50 Väter werden:
  • 2008: 1046
  • vor 10 Jahren: 945
  • vor 30 Jahren: 394
Bspe: Roger Schwainski, Marcel Ospel, Franz Beckenbauer

Ich bin gelassener, finanziell besser gebettet als mit 25 und habe auch nicht mehr das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn ich nicht an jede Party gehe. Davon profitiert mein Sohn. Ich habe eine statistische Lebenserwartung von rund dreissig Jahren. Genug Zeit also, meine Kinder - ich habe auch eine Tochter von acht Jahren - zu begleiten, bis sie erwachsen sind.
Philippe Welti, 51, in der WeWo19.10, Seite 3.