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Mittwoch, 16. November 2011

Simulantensport Fussball

Als sich vor 150 Jahren Fussball und Rugby trennten, wurde Rugby, das Spiel mit dem Ei und den freieren Regeln, die auch den harten Kampf Mann gegen Mann zuliessen, eine Sportart der Eliteschulen. Gewaltsame Massierungen sind eine taktische Variante des Rugby wie ein Flügellauf oder eine blitzschnelle Passkombination. Brutalität wird auf dem Platz ohne Wehleidigkeit akzeptiert, auch vom Publikum. Im Soccer, dem Spiel des neuen Industrieproletariats, hielten Fouls und Schauspielerei als taktische List Einzug und heizten das Publikum auf. Auch die überfällige Einführung des Videobeweises würde das Gewaltpotenzial entschärfen.
Peter Hartmann in der WeWo45.11, Seite 16f.

Mittwoch, 20. Juli 2011

Die Treue ist das Laster der Armen

Für die Pariser Eliten gilt seit Jahrhunderten: Affären gehören zum Leben, Frauen aus der Unterschicht sind Freiwild.
Die Frivolitäten ereignen sich innerhalb fester Normen und Regeln.
  1. Die erste Grundregel lautet: Je höher gestellt der Prinz oder Politiker, desto mehr ist ihm erlaubt. Während der einfache Bürger zu Hause vom Teigholz der Ehefrau erwartet wird, wenn ihn einmal die Sünde streift, darf der König alles tun, was Gott verboten hat.

  2. Zweite Grundregel: Sex folgt in Frankreich dem sozialen Status. Je geringer die Herkunft der Frau, desto mehr darf sich der Monarch oder Minister herausnehmen.

Hierarchie

  1. Gattin: sozial – nicht unbedingt sexuell – am besten gestellt. Dient oft der eigenen Karriere.
  2. Konkubine: Zweitfrau, ev. mit unehelichem Kind, weinte am Grab Mitterrands zusammen mit dessen Frau
  3. Kokotten, Mätressen, Heträren, Journalistinnen
  4. Zufallsbekanntschaften: Zimmermädchen, Kellnerinnen, Wahlhelferinnen --> Freiwild

Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir

Die beiden sicherten sich in einer Art Pakt wechselseitig eheliche Untreue zu, frei nach dem Motto des Schriftstellers Baudelaire: «Die Treue ist das Laster der Armen.» Sartre und Beauvoir, aber auch die Mitterrands und die Strauss-Kahns lebten Varianten des aristokratischen contrat de mariage vor, den schon Joséphine ihrem Heisssporn Napoléon Bonaparte in weiser (auch finanzieller) Voraussicht abgerungen hatte. Noch heute umfassen ähnliche Arrangements in den besseren Pariser Kreisen gerne hundert Seiten und mehr.

Stefan Brändle in der WeWo22.11, Seite 43ff.

Freitag, 8. Juli 2011

Brüssel: nichtgewählte, gesichtslose Bürokraten

Das Allerwichtigste war die Rettung des Euro.

Niemand will zugeben, dass es ein Fehler war, Länder mit völlig unterschiedlichen ökonomischen Strukturen und Bedürfnissen in eine Einheitswährung zu zwingen.

Die Brüsseler Bande ist Teil der globalen technokratischen Elite - die Dominique Strauss-Kahns, wie ich sie nenne -, arrogante Besserwisser, die das eine sagen und etwas anderes tun, die hohe Stuern und viel Staat fordern und einen Kontinent beherrschen wollen, was weder Napoleon noch Hitler gelungen ist. Ihr Ziel ist ein grenzenloser Superstaat, ersonnen von Technokraten und regiert von nichtgewählten gesichtslosen Bürokraten.

Panayiotis Taki Theodoracopulos in der WeWo26.11, Seite 33.

Sonntag, 19. Juni 2011

selbstverliebte Akademika

Die Unkultur der selbstverliebten, in den Medien allgegenwärtigen Prominenten hat die heiligen Hallen der britischen Universitätsausbildung erobert.
Martin Alioth in der NZZaS vom 12.06.2011, Seite 6.
In London soll per Ende 2012 eine neue Eliteuniversität entstehen mit Dozenten von Weltrang und doppelt so hohen Studiengebühren wie die staatliche Obergrenze ist.

Donnerstag, 14. April 2011

We’re in a Bubble called Higher Education (Peter Thiel)

A college degree has long been considered a golden ticket to success in this country. But with the current economic recession, some question whether obtaining a college degree is worth going into debt.

a college education does not guarantee a high paying job. So is it really worth it to go to college during an economic downturn?

It's pretty clear nowadays a college education doesn't always get you a job, but it almost always gets you in debt.

http://www.npr.org/templates/story/story.php?storyId=112432364

Instead, for Thiel, the bubble that has taken the place of housing is the higher education bubble. “A true bubble is when something is overvalued and intensely believed,” he says. “Education may be the only thing people still believe in in the United States. To question education is really dangerous. It is the absolute taboo. It’s like telling the world there’s no Santa Claus.”

Like the housing bubble, the education bubble is about security and insurance against the future. Both whisper a seductive promise into the ears of worried Americans: Do this and you will be safe. The excesses of both were always excused by a core national belief that no matter what happens in the world, these were the best investments you could make. Housing prices would always go up, and you will always make more money if you are college educated.

Like any good bubble, this belief– while rooted in truth– gets pushed to unhealthy levels. Thiel talks about consumption masquerading as investment during the housing bubble, as people would take out speculative interest-only loans to get a bigger house with a pool and tell themselves they were being frugal and saving for retirement. Similarly, the idea that attending Harvard is all about learning? Yeah. No one pays a quarter of a million dollars just to read Chaucer. The implicit promise is that you work hard to get there, and then you are set for life. It can lead to an unhealthy sense of entitlement. “It’s what you’ve been told all your life, and it’s how schools rationalize a quarter of a million dollars in debt,” Thiel says.

He thinks it’s fundamentally wrong for a society to pin people’s best hope for a better life on something that is by definition exclusionary. “If Harvard were really the best education, if it makes that much of a difference, why not franchise it so more people can attend? Why not create 100 Harvard affiliates?” he says. “It’s something about the scarcity and the status. In education your value depends on other people failing. Whenever Darwinism is invoked it’s usually a justification for doing something mean. It’s a way to ignore that people are falling through the cracks, because you pretend that if they could just go to Harvard, they’d be fine. Maybe that’s not true.”

Poke a small but solid hole in this Ivy League bubble by convincing some of the most talented kids to stop out of school and try another path. The idea of the successful drop out has been well documented in technology entrepreneurship circles.

“20 Under 20″ program The idea was simple: Pick the best twenty kids he could find under 20 years of age and pay them $100,000 over two years to leave school and start a company instead.

That hints at another interesting distinction between the housing bubble and the education bubble: Class. The housing bubble was mostly a middle-class phenomenon. Even as much of the nation was wrapped up in it, there was a counter narrative on programs like CNBC and in papers like the Wall Street Journal pooh-poohing the dumb people buying all those condos in Florida. But with education, there’s barely any counter-narrative at all, because it is rooted in the most elite echelons of the upper class.
Sarah Lacy

Dienstag, 7. September 2010

ZHAW-Elite-Schule

Zur Bedeutungslosigkeit von "profilierten, ehrgeizigen Schulen"...

Samstag, 27. März 2010

Elite: Eine Frage der Haltung, nicht der Ausbildung

Nicht berufliches Können befähigt zur Elite. Es ist eine bestimmte Haltung. Ein Wille, sich für den Gang der Dinge überhaupt zuständig zu fühlen. Ein Stil, von sich ab- und aufs Allgemeine hinzusehen. Ein Format, nicht bloss auf der Welt zu sein, um «splendid» über die Runden zu kommen, das eigene mickrige Glück zu hätscheln, sondern die gemeinsamen Angelegenheiten in Schwung zu bringen — gegen die Tendenzen des Einfältigen, Engstirnigen, Geschmacklosen. (..) Ich handle, als handle ich stellvertretend für die Menschheit. «Kants Kategorischer Imperativ». So sieht die seelische Verfassung der Elite aus.

Kann man die lernen? Teilweise. Bedingung ist, dass wir aufhören, so ein Theater um Fachkompetenzen zu machen. An Hochschulen holt man sich heute ein Kompetenzen-Portfolio. Können können. Als käme es darauf an, Kompetenzen zu haben (die jeder Depp hat). Entscheidend ist, was wir mit ihnen anzufangen wissen.

Kann man die Person bilden? Hoffentlich. Manches ist Vorgabe, Erziehung: Charakter, Selbstvertrauen, Charme. Leute mit geglückter Herkunft, die wissen, woher sie kommen, wer sie sind, wissen auch schneller, wohin sie steuern wollen. Üben müssen alle, die zur Elite zählen wollen. Fachkompetenzen ersetzen nicht Exerzitien in personalen Stärken. Gruss an Peter Sloterdijk. Üben macht Meister. (...) Alles, was Eliten auszeichnet lässt sich kaum schulen. Üben durchaus.

Wer nichts als Kompetenzen mit sich herumträgt, schwimmt nur mit im Strom des Branchenwissens, wie weit vorn auch immer, ein Fisch, kein Steuermann. Eine Elite, die dem Namen gerecht wird, schwimmt nicht mit noch gegen den Strom. Sie bestimmt die Strömung. Dazu braucht sie den Blick vom Ufer, Augenmass für die Tunlichkeit der Stromrichtung, den Willen, die Richtung zu ändern.

Ludwig Hasler, Publizist und Philosoph, lebt in Zollikon. Sein jüngstes Buch: «Die Erotik der Tapete. Verführung zum Denken», Huber-Verlag, 4. Auflage 2009

Merkmale, die Eliten aller Zeiten auszeichneten

  • Charme
  • Charakter
  • Bildung
  • Geschmack
  • Kultur
  • Benehmen
  • Selbstbewusstsein
  • Urteilskraft
  • Demut
  • Entschlossenheit

  • Gesunder Menschenverstand, Commen Sense
  • souveräner Weitsicht
  • brillanter Intelligenz
  • weltläufiger Eleganz
  • kultureller Lebhaftigkeit
  • Pflichtgefühl
  • Sinn fürs Wesentliche
  • inspirierte Leitfiguren
  • begnadete Leadertypen
  • emotional anziehende Verkörperungen einer möglichen Schweiz von morgen
  • «Taschendiebe der Herzen» (Balthasar Gracian)

  • Über den Radius der eigenen Interessen hinaus
  • Einsicht, wie sehr die eigene Prosperität vom Prosperieren der andern lebt. Ich muss alles tun, damit möglichst alle um mich zu ihrer Glanzform finden, dann laufe auch ich in Hochform auf.

  • Woher sollen denn überzeugende Zukunftsideen kommen? Vom Stammtisch?

Ludwig Hasler, Publizist und Philosoph, lebt in Zollikon. Sein jüngstes Buch: «Die Erotik der Tapete. Verführung zum Denken», Huber-Verlag, 4. Auflage 2009


Gouverner, c'est prévoir.
Emile de Girardin

Sonntag, 28. Februar 2010

Schweizer Begeisterung für Deutschland (1912)


Harvard kopierte die deutschen Vorbilder: Berlin, Heidelberg, Göttingen, Breslau. Es waren Namen, die klangen wie heute Yale, Stanford oder Princeton.

Niemand wurde in der Schweiz daher mehr bewundert als der deutsche Professor, der deutsche Ingenieur, der deutsche Unternehmer, aber auch der deutsche Offizier. (…) Im deutschschweizerischen Bürgertum, das sich zwar nach wie vor für liberal hielt, gehörte es bald zum guten Ton, alles Deutsche zu imitieren. (…) deutsche Architekten (…) Dienstmädchen aus Deutschland
Markus Somm in der WeWo7.10.

Ein bezeichnendes Zeichen für das Erlahmen des schweizerischen Nationalgefühls ist das Verhältnis der sogenannten besseren Kreise zur ihrer Mundart – dem Schwyzer-Dütsch. Dieses ist eine schöne, altertümliche, männliche Sprache mit viel dichterischer Ausdruckskraft. [] In der jetzigen Zeit beginnen einige fortschrittliche Schweizer sich des Schwyzer-Dütsch zu schämen.
Am 27. November 1909 schrieb der britische Militärattaché in Bern, Oberst Delmé-Radcliffe, nach London

Oh, sie dürfen nicht glauben, wir seien so ungebildete Bauern, dass wir in der Schriftsprache nicht ebenso zuhause wären.
Ein schweizerischer Artillerie-Oberst entschuldigt sich bei einem anwesenden englischen Offizier

Dienstag, 26. Januar 2010

Chancengleichheit an den Grandes Ecoles

ENA-Aufnahmeprüfung
  • Angemeldet: 1623
  • Prüfung abgelegt: 934
  • Aufnahme bestanden: 80
Ziel wäre eine soziale Durchmischung an den Grandes Ecoles in Frankreich.
...wer vom Elternhaus keine Sprachferien im Ausland bezahlt bekommt, wenig intellektuelle Anregung erhält, darf nicht automatisch an der Aufnahmeprüfung scheitern.

Zur Diskussion stand eine 30-Prozent-Quote (...) eine nicht mehr an Leistung, sondern an Armut geknüpfte Zulassung.

Die Zulassung zur Elitehochschule soll an eine Aufnahmeprüfung geknüpft werden, welche dem sozialen Umfeld Rechnung trägt.

Axel Veiel in der NZZaS vom 24.01.10, Seite 6.

Mittwoch, 6. Januar 2010

General Stanley McChrystal

  • Oberbefehlshaber der Internationalen Schutztruppe in Afghanistan
  • 2003: Brigadegeneral des Joint Spezial Operations Command, einem Verbund der US-Elitetruppen, Leiter der geheimnisumwitterten Task Forse 6-26, welche verantwortlich für die Verhaftung von Saddam Hussein war.
  • Nach dem Studium an der Militärakademie ging der Havard-Alumnus zu den Spezialtruppen "Hunter Killers"

  • überdurchschnittlich gescheit, fit, entschlossen, unermüdlich, ein Draufgänger und Diplomat, ein Haudegen und Intellektueller in einer Person.
  • Sein kühles Auftreten, seine an Übermenschlichkeit grenzende Energie
  • Nachts sei er immer wach, gönne sich kaum drei Stunden Schlaf
  • Fitnessprogamm: täglich durch den Hantel-Park, Hörbücher während dem Zehn-Meilen-Lauf
  • gönnt sich nur eine Mahlzeit pro Tag um seinem Körper die Trägheit auszutreiben
  • strenge Erziehung, Kraft aus der Askese, Enthaltsamkeit, Selbstkontrolle, Disziplin als Quelle physischer und mentaler Stärke
Urs Gehriger in der WeWo44.09, Seite 52f.

Samstag, 26. Dezember 2009

Political Correctness verhindert Problemlösung

Verbreitete Ängste lassen sich nicht durch eine sogenannte Political Correctness, eine mit der Meinungsäusserungsfreiheit unvereinbare gesellschaftliche Zensur, die von einer volksfremden politischen Elite und einer von wem auch immer gesteuerten Medienindustrie bestimmt wird, unterdrücken.
Martin Schubarth, SP, ehemaliger Bundesrichter, in der WW49.09, Seite 11.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Reaktionen zum Minarettverbot und deren Richtigstellung

Auch wenn es regnet, für mich scheint heute die Sonne.
Sascha am Montag

In der Welt geht offensichtlich ein Gespenst um: Es heisst Demokratie.
Roger Köppel im Interview mit dem Tagesanzeiger
Viele europäische Bürger würden gleich stimmen wie die Schweizer, lediglich die politisch korrekte Elite verwehrt sich diesem drängenden Thema.


Ich habe keine Bedenken, alarmierende ausländerfeindliche politische Kampagnen zu verurteilen.
Navi Pillay, Hochkommissarin der Uno für Menschenrechte
Ja, es war eine politische Kampagne der SVP, welche ein immer drängenderes Problem aufgriff. Deshalb ist diese Thematik auch alarmierend. Doch sie war nicht ausländerfeindlich (so einige der Muslimen in der Schweiz haben den Schweizer Pass). Die Kampagne richtete sich gegen den politisch extremen Islam.



Es gibt Themen, die sind nicht für eine Volksabstimmung geeignet.
Tobias Billsträm, schwedischer Justizminister
Limitiertes Demokratieverständnis in Schweden. Die Einbildung der politischen Elite staatstragender als das Volk zu sein.

Es ist schade, dass eine solche Frage überhaupt zur Abstimmung gekommen ist. Das Schweizer Wahlsystem kann so missbraucht werden.
Nyamko Sabuni, schwedische Integrationsministerin
Das Schweizer Wahlsystem, also die Demokratie, wird weniger durch eine Volksabstimmung missbraucht als durch Entscheide einer abgehobenen politischen Elite.

Das Resultat zeigt, dass es in Grossbritanien keine Demokratie geben darf.
Kolumnist im Telegraph
Klar, ich bin auch kein Demokrat. Doch für einmal hat das Volk mutiger entschieden als die politische Elite – und das war dringend notwendig (auch in anderen Bereichen).

Über ein Grundrecht sollte man nicht abstimmen dürfen.
Kenan Kolat, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland
Klar soll man das dürfen, doch aufgrund seiner Funktion erwarte ich von ihm kein Demokratieverständnis. Einen Turm zu bauen ist kein Grundrecht.

Die Wahl der Schweizer Bevölkerung ist ein Verstoss gegen die Religionsfreiheit und das Diskriminierungsverbot.
Süddeutsche Zeitung
Falsch, die Religionsfreiheit wird nicht tangiert. Ein Minarett ist zur Praktizierung des Islams nicht notwendig (sage ich, der Koran, viele gemässigte Muslime und einige anerkannte „Experten“). Des weitern stehen den Muslimen 150 Moscheen in der Schweiz zur Verfügung.
Diskriminierend könnte das Verbot allerdings sein – und das ist auch gut so. Die Religionsfreiheit ist nicht schützenswert und alle Gläubigen sind folglich zu diskriminieren (Bsp Kirchensteuer, kein Schweinefleisch). Und wenn nicht alle, dann sicher die fanatischen Extremisten unter ihnen (Bsp keine Minarette – die gemässigten Muslime brauchen ja keine Minarette zum Beten).

Die sollen das selbst im Gebet mit Gott ausmachen, ob sie richtig gehandelt haben oder nicht.
Sängerin Emel über die Schweizer, die für das Minarettverbot gestimmt haben
Ja genau, im Gebet hat mir Allah gesagt, man soll die Minarette verbieten (Emel, beweis das Gegenteil!) Beten, so was von geistig zurück geblieben.

Die Schweiz fällt hinter die Aufklärung zurück.
Welt
Ach was, verkehrte Welt! Die Schweiz wurde schon vor Jahrhunderten erleuchtet und hat den Schritt in eine aufgeklärte Gesellschaft gemacht. Diese Gläubigen (auch Islamisten) hingegen stecken noch ein paar hundert Jahre im düsteren Mittelalter fest. Dort herrscht Handlungsbedarf.
Ei oder Huhn - was war zuerst? Zuerst waren die unaufgeklärten Gläubigen, danach die sekularisierte Moderne.

Ich bin schockiert. Es handelt sich um einen Ausdruck der Intoleranz. Wenn man keine Minarette bauen kann, heisst das, dass man eine Religion unterdrückt.
Bernard Kouchner, fränzösicher Aussenminister
Minarette tangieren die Religionsfreiheit nicht – leider. Was würde Cédric Wermuth eigentlich zum Schutz religiöser Beschränktheit sagen?
Und ja, hoffentlich ist man intolerant gegenüber einer zurückgeblieben, nicht aufgeklärten Glaubensgemeinschaft, welche nach Weltherrschaft strebt. Wären wir das nicht, könnten wir gleich in eine Theokratie wechseln.

Das Minarett-Verbot kann bei Muslimen das Gefühl des Ausgeschlossenseins verstärken und damit die existierenden Gräben in der Gesellschaft noch vertiefen.
Der Europarat in seiner Rüge an die Schweiz
Auch das ist zu begrüssen. Oder was verstehen die linken Socken genau unter Integration? Muslime, Minarette, schächten, Frauenbeschneidungen, Kinderheirat, Burka, etc. in der Schweiz?! Das sind keine Zeichen der Integration. Wer sich so benimmt, soll sich auch ausgeschlossen vorkommen, sonst entgeht ihm vielleicht noch der eigene Handlungsbedarf.

Es ist ein Zeichen des Hasses der Schweizer auf die Muslime. Sie wollen keine Präsenz des Islams in ihrem Land. Diese Ablehnung macht sie intolerant.
Nahdlatul Ulama, Chef der wichtigsten muslimischen Organisation Indonesiens
Nönö, kein Hass, aber aufdrängende Skepsis. Und ja, ich will keine Präsenz des Islams in der Schweiz (gleich wie alle anderen Religionen). Wenn ich gläubigen Fanatismus möchte, würde ich in arabische Länder auswandern (oder Italien oder die Staaten). Und um den rechtskonservativen noch eins auszuwischen: Gläubig zu sein ist der modernen Schweiz nicht würdig.

Freitag, 14. August 2009

begründete EU-Skepsis

Im Kern ist es eine isolierte, selbstgefällige und vor allem verkrustete Elite, die zum grössten Problem des Systems geworden ist.

Dabei haben in der EU-Hauptstadt Brüssel bereits 84 Prozent aller in Österreich oder Deutschland geltenden Gesetze ihren Ursprung. Mitten in der grossen Wirtschaftskrise wäre politische Handlungskraft, die sich auf Bürgervertrauen und Legitimation stützen kann, unverzichtbar. Stattdessen schlägt nur die Stunde der Räte, also der Treffen der nationalen Fachminister und Regierungschefs. Keine anderen politischen Gremien auf dem Kontinent verfügen über so viel Einfluss. Doch niemand sonst agiert so geheimnisvoll und bürgerfern.

Dreh- und Angelpunkt sind die beiden Arbeitsgruppen «Antici» und «Mertens». Ihre Teilnehmer und Sitzungstermine bleiben im Verborgenen. Protokoll wird keines geführt. Unterstützt werden die so verschwiegen tätigen Mitarbeiter dabei von Vorbereitungsgruppen, deren Anzahl intern auf 260 geschätzt wird. Sie arbeiten nach den gleichen Prinzipien wie die «Antici»- und «Mertens»-Gruppen, die nach ihren ersten Vorsitzenden in den siebziger Jahren benannt sind. Bei den allesamt vertraulichen Treffen kommt es bereits zu essenziellen Absprachen, die dann vom «Ausschuss der Ständigen Vertreter», den nationalen Botschaftern bei der EU, oft schon als Rechtsakte faktisch entschieden werden. Bis zu diesem Zeitpunkt hat noch kein Minister eines Mitgliedsstaats, geschweige denn ein gewählter Volksvertreter über den Text mitbestimmt. Alles wird in Beamtenkreisen verhandelt, die keinem Wähler gegenüber verantwortlich sind. Und die nationalen Parlamente winken nur noch als Gesetze durch, was ihnen von Brüssel aus vorgegeben wird.

Damit freilich ist die Demokratie in ihrem Herzen getroffen. Da bleibt keine Spur mehr von der «Regierung des Volkes, durch das Volk, für das Volk», wie US-Präsident Abraham Lincoln einst in seiner Gettysburger Rede die Volksherrschaft definierte. In der Europäischen Union herrscht die gelebte, oftmals anonyme Beamtenmacht, unverantwortlich und unkontrollierten Einflüsterern ausgesetzt, in enger Verflechtung mit der EU-Kommission und den Büros der nationalen Minister. In der Folge werden auch die regelmässigen Sitzungen der insgesamt neun Ministerräte zur Farce. Wenn die Ressortchefs überhaupt persönlich teilnehmen, sind sie vielfach schlecht informiert und segnen oft nur noch formal und in ganzen Blöcken ab, was ihnen die Beamten vorlegen. Das gilt für mehr als zwei Drittel der Tagesordnungspunkte.

Als inzwischen realistischer Träumer werde ich heute nicht mehr versuchen, die Schweizer zum EU-Beitritt zu überreden. Die EU muss zumindest demokratiepolitisch viel schweizerischer werden, ehe sich die Schweizer ihr weiter annähern sollten.

Hans-Peter Martin in der WW30.09, Seite 10f.

Dienstag, 10. März 2009

"grobe gepurslüte"

Die Demokratie ist überbewertet. Die Absicht, auch die (geistig) unterste Schicht in die politische Entscheidungsfindung einzubinden ist Wahnsinn. Schon bevor "eine der ältesten Demokratien der Welt" entstand, hätte man es sehen können.

Die Landsgemeinde war keine Frühform der Demokratie, sondern vielmehr ein Zugeständnis der Elite an die nach oben drängenden Schichten. Vom "Volk" durfte freilich ohnehin nur eine beschränkte Zahl Mitglieder an den Treffen teilnehmen, in Schwyz etwa waren bloss 130 Familien landsgemeindetauglich. Die Macht indes lag auch auf dem Lande jeweils beim Kleinen Rat, dem Gremium der Herrschaft. In der Innerschweiz hatte man zwar einige Adlige, die zu mächtig geworden waren, umgebracht oder vertrieben, wie die Attinghausen in Uri oder die Hunwil und Waltensberg in Obwalden. Doch kaum waren diese weg, übernahm die neue Elite die Führungspositionen.
Andreas Z'Graggen in der WW10.09
Es gab "kein freiheitsliebendes Volk", welches sich "gegen fremde Vögte wehren" wollte. Es handelte sich lediglich um einige Adlige, "lokale Potentaten", welche ihren Stand verteidigten wollten und dadurch einen "Widerstand gegen die habsburgische Landesherrschaft oder gar gegen das hochrespektierte Deutsche Reich" zu wecken vermochten. Der grosse Rest war dummer, beschränkter Pöbel.

Der habsburgische Kaiser Maximilian bezeichnete die Eidgenossen als "böse, grobe und schnöde gepurslüte". Darunter waren wohl auch einige unserer Vorfahren, wobei sich diese Bevölkerungsgruppen transformierten. Doch es gibt diese "geistige Unterschicht" immer noch: Die Nettobezüger, Randständigen, Ungebildeten, Jamba-Abonnenten, minderjährige Mütter, prügelnde Migranten, "white trash", etc. Doch obwohl diese in einer Demokratie grundsätzlich auch in die politische Entscheidungsfindung eingebunden sind, machen sie oft nicht vom Wahl- und Stimmrecht Gebrauch. Dies belegt, dass nicht alle Bürger eingebunden werden wollen und auch nicht sollen.

Montag, 1. Dezember 2008

Enarchie

Einige wenige "sehr grosse Schulen" formen die Elite der französischen Nation. Wer sie besucht und in den vorderen Rängen abschliesst -, hat Spitzenposten in Politik, Verwaltung oder Wirtschaft auf sicher. Die exklusivste von allen ist die Ecole nationale d'administration, die ENA.
Zur Vorbereitung für die Aufnahmeprüfung gibts die "classes préparatoires", welche letztes Schuljahr von 77'600 Abiturienten besucht wurde (5 Prozent der betreffenden Altersklasse).
  • Es gibt 440 "grandes écoles": Ecole polytechnique, Hautes Etudes commerciales, Ecole normale supérieure...
  • 80 Auserwählte bestehen jährlich die Aufnahmeprüfung zur ENA.
  • Nach Eintritt, beginnt der typische Student, sein Leben zu leben.
Während der Jahre in der Tretmühle der "classes préparatoires" ist "Privatleben" ein Fremdwort. Die verspätete, aber umso heftigere Jugendwildheit der Absolventen von Eliteschulen istnotorisch. Viele fangen erst mit 20 an, Schule zu schwänzen, zu flirten oder zu trinken - dann aber umso intensiver.
  • Kritiker meinen: Die ENA bestehe lediglich aus einer Aufnahmeprüfung und einer Abschlussprüfung.
Marc Zitzmann in der NZZaS vom 30.11.08 Seite 29.

Samstag, 22. November 2008

durchschnittliche Vergütungen

Einige ausgewählte "Personalkosten pro Mitarbeiter 2007 in CHF":
  • UBS: 296'768
  • Credit Suisse: 337'193
  • Julius Bär: 348'621
  • Sarasin: 269'487
  • Vontobel: 341'148
  • Nestlé: 60'981
  • Roche: 136'977
  • Novartis: 114'847
  • Holcim: 51'004
  • Swatch: 70'873
  • Lindt&Sprüngli: 76'530
  • Sulzer: 81'774
  • Ciba: 114'648
Werden die durchschnittlichen Personalkosten dermassen nach oben gezogen, weil es eine Spitze gibt, die kräftig absahnt?

Unter der Prämisse, dass bei den Grossbanken UBS mit 83 500 Mitarbeitern und Credit Suisse mit 48 000 Mitarbeitern jeweils 100 Manager durchschnittlich 10 Mio. Fr. pro Jahr und 1900 (UBS) beziehungsweise 1500 (CS) Manager durchschnittlich eine Million Fr. verdienen, betragen die Lohnkosten der übrigen Mitarbeiter noch immer durchschnittlich 268 500 (UBS) und 295 000 Fr. (CS).
Carmen Gasser in der WW47.08, Seite 33.

Montag, 28. Juli 2008

die guten alten FDP-Zeiten

1894: Im Bahnhofbuffet Olten vereinigen sich die liberalen Bewegungen der Schweiz und gründen die heutige FDP. Nicht nur auf der Politbühne ist die FDP die unangefochtene erste und dominante Kraft - sie stellt ebenfalls die Wirtschafts- und Militärelite der Schweiz.
Christine Brand in der NZZaS vom 20.7.08, Seite 20f.

Bis gut 30 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges beherrschte die FDP das Land im Dreiklang: Staat, Wirtschaft und Armee waren fest in freisinniger Hand.
Vier Fünftel der Chefbeamten im Bundeshaus besassen das Parteibuch der FDP. In der Amree das gleiche Bild. Divisionäre und Korpskommandenten verdankten den Grad demselben Kennwort: FDP. Ausnahmsweise rutschte mal einer von der CVP in die Phalanx hinein. Seltener noch einer von der SVP. Aber schon gar keiner von der SP. Wer in der Wirtschaft Rang und Namen hatte, gehörte zum helvetischen Establishment, das identisch war mit dem Freisinn.
Helbmut Hubacher in der NZZaS vom 20.7.08, Seite 21.

Gier der Gratiszeitungen nach News ... politische Fastfood-Produktionen im Fernshen ... politischen Marktschreiereien zwecks Einschaltquoten und Auflagen... In den Filialen der Medienwelt gilt vor allem das Neue und das, was zum Skandal gemacht werden kann.

Blocher und seine "Zürcher Angestellten" sind politisch brutal genug, um alles zu politisieren, was sich im Land in negative Stimmungen und Stimmen ummünzen lässt. Dieser "politischen Pornografie" gegenüber war und ist die FDP hilflos.
Leonhard Neidhart in der NZZaS vom 20.7.08, Seite 20f.

Montag, 30. Juni 2008

3. Pol in der Türkei

Der dritte Pol in der Türkei hat jedoch keine Stimme. Es dominieren:
  • AKP: islamische Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung, Regierungspartei, Ministerpräsident Tayyip Erdogan, in Carsamba: Zuwanderer aus Kleinstädten und Dörfern aus dem anatolischen Osten des Landes, Kopftuch, schwarzer Tschador, Theologiestudenten; die Islamisten sind Demokraten, würden aber private Freiheiten "nicht wirklich akzeptieren, Druck der Mitbürger, nach islamischen Grundsätzen zu leben, Zwang, konservative Sitten einzuhalten
  • CHP: Republikanische Volkspartei, Kemalisten,die den autoritären Säkularismus des Staatsgründers Kemal Atatürk hochhalten, "laufen immer mit der türkischen Fahne herum", möchte die AKP verbeiten (Urteil noch im Juli08), Kemalisten liessen den Bürgern ihre Freiheiten in der Privatsphäre, hätten aber nichts dagegen, wenn das Militär in die Politik eingreife
Beobachter schätzen, dass bis ein Drittel der Wähler sich weder für die eine noch die andere Partei entscheiden können: Vertreter der aufgeklärten Eliten der Grossstädte im Westen, Freiberufler, Kurden, die schiitische Religionsgemeinschaft der Aleviten sowie exportorientierte Unternehmer.
Jan Keetman in der NZZaS vom 29.6.08, Seite 7.

Dienstag, 20. Mai 2008

staatliche Anspruchsgruppen

Die aktuelle Titelgeschichte der Weltwoche zieht über die "Eliten" hier zu Lande her. Sie denuziert sie als "Besserwisser". Hier habe ich aber einige Vorbehalte gegenüber der Weltwoche.

Gleich wie der Verein der Staatsrechtsprofessoren das Recht zum absoluten Primat erhebt und ihm alles unterordnet, tut dies die Weltwoche mit der direkten Demokratie. Das ist ein klares Merkmal der SVP-Politik. Sie vergisst dabei aber, dass das Volk dumm und manipulierbar ist. Es muss nicht immer Recht haben. Schon gar nicht "Recht" im Sinne der Staatsrechtsprofessoren.

Vernünftig kann eine Meinung aber nur sein, wenn sie verschiedenste Blickwinkel und Ansprüche angemessen gewichtet, was bei einem Unterordnen unter einen einzigen Wert sicher nicht der Fall ist. Was gibt es denn so für Blickwinkel?

- juristisch: Hier muss man aufpassen, dass das Recht nicht zum Selbstzweck wird. Ein Recht ist nicht von Gesetztes wegen aufrecht zu erhalten. Es hat immer noch dem Wohle der Gesellschaft zu dienen.
- international: Unbestritten ist der zunehmende internationale Einfluss. Die Macht der Schweiz scheint zu verblassen. Insofern ist es auf längere Frist unrealistisch, davon auszugehen, dass die Schweiz überhaupt einen eigenen Standpunkt aufrecht erhalten kann.
- demokratisch: Wie gesagt, das Volk ist für mich kein geeigneter Massstab mehr. Wer das nicht glaubt, der soll mal am Nachmittag TV schauen, v.a. deutsche Talkshows...
- Staatseffizienz: Oft neigen "Expertenausschüsse" zur Ausdehnung staatlicher Kompetenzen. Dies ist sehr restriktiv zu handhaben. Wir brauchen einen schlanken Staat, damit dieser nicht zum Selbstzweck wird oder sogar eine Eigendynamik entwickelt.
- historisch: Die SVP zieht aktuell gerne die bisherige, 150-jährige Einbürgerungspraxis bei. Das ist sehr irrelevant, bei geänderten Rahmenbedingungen, welche sich selbst stets schneller ändern.
- wirtschaftlich: Oberstes Gut ist das Wohlergehen der Bürger. Um dies zu erreichen braucht der Staat Mittel. Diese hat er aus wirtschaftlichen Tätigkeiten. Die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts ist von fundamentaler Bedeutung für die gemeinsame Wohlfahrt.
- Umwelt: könnte auch noch ein Faktor sein - hier aber unbedeutend.

Was gibt es sonst noch für Blickwinkel und Anspruchsgruppen an das staatliche Funktionieren?



Und noch einen Nachtrag zur Einbürgerungsinitiative:
Eine Expertenkommission wäre durchaus geeignet, wäre die Einbürgerung ein Verwaltungsakt, der rechtlich begründet werden muss. Was mir aber grundsätzlich bei Einbürgerungsentscheiden fehlt, ist die Meinung, dass man jemanden nicht einbürgert, weil es schon zu viele Fremde in der Schweiz hat. Ein Urteil, das überhaupt nichts mit dem Einzelfall zu tun hat, sondern die Gesamtsituation in der Schweiz betrachtet. Dies wäre bei Annahme der Einbürgerungsinitiative möglich.