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Samstag, 26. Juni 2010

Nord- und Süd-Kulturen

Zum Traum vom Süden gehört – ebenfalls seit mehr als zweihundert Jahren – auch der Albtraum. "Da überall ist das Paradies der Erde", schrieb der Bildhauer Ernst Rietschel 1930 aus der Gegend von Neapel, "oder es würde es sein, wenn keine Menschen dort wären, die die niedrigste Brut ist, die mir je vorgekommen." Seit den Anfängen des Tourismus gab es diese Ambivalenz: Mal wurden die Südländer bewundert, weil sie so ganz im Hier und Jetzt aufzugehen schienen, ohne sich allzu sehr ums Morgen zu kümmern, mal wurden sie gerade für diese Verantwortungslosigkeit und "Faulheit" verachtet. Das galt seit Goethe für die Italiener, erst recht dann aber für die Afrikaner und andere "Eingeborene". Von den ersten Entdeckern über die Kolonialisten bis zu den heutigen Reisenden prägt dieses Gemisch aus Faszination, Neid, Mitleid, Verachtung und Abneigung die Wahrnehmung der Fremde. Und bis heute gibt es eine Art Klimatheorie, mit der wir uns intuitiv die Mentalitätsunterschiede erklären: Die Kälte macht die Menschen kühl, rational, planend, kontrolliert, die Wärme macht sie warm, emotional, sorglos und ausschweifend. "Jedermann lebt in den Tag hinein, weil ein Tag dem andern gleicht und man sich auf keine Zeit des Mangels, keinen Winter vorzubereiten hat", schrieb schon Goethe 1797 aus Neapel.

Zu diesem Widerspruch gehört auch, dass wir einerseits unseren Lebensstil mehr oder weniger aggressiv auf der ganzen Welt durchsetzen, andererseits den Glauben hegen, dass gerade diejenigen den Schlüssel zum Glück besitzen, die sich der Zivilisation widersetzen oder (noch) entziehen können.

David Signer im Credit Suisse bulletin 2/10

Samstag, 16. Januar 2010

Altruismus nach innen und Xenophobie nach aussen

Unter Menschen in einem Zugabteil macht sich sofort Unwillen breit, tritt ein neuer Fahrgast ein. Die sich als alteingesessen Empfindenden vergessen dabei, dass sie selbst erst als Eindringlinge ins Abteil kamen.
Hans Magnus Enzensberger in seinem Buch „Die grosse Wanderung“.

Wesen, die sich mit jeder anderen Kreatur freundschaftlich einlassen, laufen Gefahr, im besten Fall ausgebeutet, im schlimmsten verschlungen zu werden.
Evolutionär betrachtet, ist es sinnvoller, das eine oder andere Mal zu sensibel zu reagieren als einmal zu wenig. Das nämlich könnte tödlich enden. Deshalb stellen wir Fremde unter Generalverdacht.
Kai Michel in der WeWo1.10, Seite 24ff.

Das Akzeptieren des Familiären und das Ablehnen des Fremden spielt eine zentrale Rolle. Wo immer in der Natur kooperierende Gruppen oder Sozietäten im Laufe der Evolution entstanden sind, findet man auch Konflikte, das heisst, man findet das Diskriminieren, Abstossen oder gar Attackieren der nicht dazugehörenden gruppenfremden Artgenossen.
Bert Hölldobler, Zoologe und Ameisenforscher

Einanderhelfen und Fremde-Ablehen gehören eng zusammen: Altruismus nach innen und Xenophobie nach aussen sind demnach zwei Seiten einer Medaille.
Kai Michel in der WeWo1.10, Seite 28.
Einige gutgläubige Linke kehren erst von ihrem Gutmenschentum ab, wenn Sie dies einmal am eigenen Leib erfahren haben.

Samstag, 26. Dezember 2009

Political Correctness verhindert Problemlösung

Verbreitete Ängste lassen sich nicht durch eine sogenannte Political Correctness, eine mit der Meinungsäusserungsfreiheit unvereinbare gesellschaftliche Zensur, die von einer volksfremden politischen Elite und einer von wem auch immer gesteuerten Medienindustrie bestimmt wird, unterdrücken.
Martin Schubarth, SP, ehemaliger Bundesrichter, in der WW49.09, Seite 11.

Dienstag, 27. Mai 2008

oppositionelle Nein-Sager-Parteien

So funktionieren eben oppositionelle Nein-Sager-Parteien, könnte man sagen, die in andern Ländern Europas durchaus auch nationalkonservativ gefärbt sein können. Sie setzten auf Abwehr des Fremden, auf den Schutz des Althergebrachten, sie operieren - kurz gesagt - mit der Sehnsucht nach Heimat.
tis. in der NZZaS vom 25.5.08, Seite 25.

Donnerstag, 10. April 2008

Schwarzenbach

1970 kam es zu einer Volksabstimmung gegen die Überfremdung. Sie wurde mit 54% abgelehnt.
1976 löste sich das Problem durch die Wirtschaft, als infolge der Rezession 250'000 ausländische arbeitslose Arbeitnehmer das Land verliessen.

Die Initiative kam von Schwarzenbach, einem bürgerlichen Rechten. Wieder einmal sieht man, wie vorausschauend und richtig die Rechten lagen und wie illusionär und realitätsfremd sich die Linke definiert. Von einer gewerkschaftlichen SP-Initiative, alle Ausländer in der Schweiz zu behalten und dafür Schweizer Arbeitslose zu produzieren wurde deshalb gänzlich abgesehen.

Mittwoch, 13. Februar 2008

Germanisierung der Schweiz

In den letzten 10 Jahren hat sich die Zahl der Einwanderer aus Deutschland verdreifacht. (10vor10 vom 12.2.08)