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Mittwoch, 25. Mai 2011

unkonventionelle Wertebetrachtung

In Ihrem Buch «Saint Tropez» porträtieren Sie Eichinger als einen Menschen mit «nuklearer Energie» und «rohen, jedes Anstandsgefühl ausser Kraft setzenden Rücksichtslosigkeiten», der gegen Mittag zwischen Pornokassetten aufwacht und die Vorhänge aufreisst, «als erwarte er Applaus».

«Meine Arroganz», sagten Sie 1984, «ist das Resultat einer zunehmenden Abscheu vor den Menschen ganz allgemein. Ich bin tatsächlich unfähig, sie zu lieben.» Radikalisieren sich diese Empfindungen im Alter?

Der Blick wird nachsichtig bis gleichgültig. Das hat aber nichts mit Altersweisheit zu tun, eher mit Ökonomie: Abscheu - und mehr noch Hass - vergeudet zu viel gute Energie, während Verzeihen und Nachsicht Energie spart. Abscheu ist zu anstrengend, und zu hassen hat etwas Unreifes.

Wolf Wondratschek im Interview von Sven Michaelsen in der WeWo11/11, Seite 48ff.

Donnerstag, 20. August 2009

Mangelndes volkswirtschaftliches Denkvermögen der Deutschen

Hat es marktwirtschaftliches Denken in Deutschland schwerer als anderswo?

Ja, wir haben in Deutschland eine intellektuelle Elite, die von Goethe bis Heisenberg reicht und die Natur- und die Geisteswissenschaften umfasst. Marktwirtschaft kommt als Disziplin gar nicht vor. Journalisten, Politologen, Soziologen: Über Ökonomie wissen sie meist wenig Bescheid. Auch in der Öffentlichkeit ist wenig Verständnis da, bestenfalls für betriebswirtschaftliche Zusammenhänge, da man ja selbst in einer Firma arbeitet. Was die Grundregeln der Wirtschaft jedoch sind, dafür fehlt vielfach das Gespür.
Hans-Werner Sinn im Interview von Markus Somm in der WW26.09, SEite 34f.