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Sonntag, 26. Juni 2011

Schweizer Lehre wertvoller als internationaler Bachelor

Wenn etwa die Lehrabsolventen von Novartis zum Auslandjahr in der Firmenniederlassung in Boston eintreffen, können die dortigen Kader jeweils kaum glauben, was sie sehen. Die Schweizer Bio- und Chemielaboranten haben, so heisst es, dasselbe Niveau wie ein amerikanischer Hochschulabsolvent mit Bachelor-Abschluss.
Michael Furger in der NZZaS vom 26.6.11, Seite 23.

Montag, 20. Juni 2011

Benachteiligung führt zu wütenden Männer

Diese Männer erleben sich als benachteiligt. Ihre Wahrnehmung ist insofern korrekt, als ihre Lebensgestaltungs-Chancen tatsächlich bescheiden geworden sind. (...) Die Wut dieser Männer ist echt.

Es gibt in der Schweiz eine grosse und offenbar rasch wachsende Zahl von Männern, die sich als Emanzipations-Verlierer erleben. Da sind die Scheidungs-Verlierer, welche mit einem nicht einklagbaren Besuchsrecht abgespeist werden und sich als Zahlväter am Rand des Existenzminimums wiederfinden. Da sind die Bildungs-Verlierer, die laut Statistik immer weniger mit ihren Klassenkameradinnen und Kommilitoninnen mithalten können - und immer öfter mit Ritalin ruhiggestellt werden. Da sind die Globalisierungs-Verlierer, welche sich auf dem flexibilisierten Arbeitsmarkt nicht mehr zurechtfinden. Nicht zu vergessen sind auch die Sex-Verlierer, die den gestiegenen Anforderungen an den sensitiven Lover, der gut zuhören, aber im richtigen Moment auch zupacken kann, nicht mehr genügen können oder wollen.

Markus Theunert in der NZZaS vom 19.06.2011, Seite 17.

Donnerstag, 26. Mai 2011

Erfolgsfaktoren für die Schweizer Wirtschaft

  1. Offenheit für arbeitende Einwanderer
  2. unternehmerfreundliches politisches Klima
  3. Verständnis anderer Kulturen erleichtert Exportbemühungen
  4. hohes Arbeitsethos, hoher Anspruch an Professionalität
  5. duales Bildungssystem mit praktischer Ausbildung
  6. Handels- und Gewerbefreiheit, liberale staatliche Rahmenbedingungen
  7. direkte Demokratie kontrolliert staatliches Überborden
  8. Neutralität - keine Kriegszerstörungen

    In Anlehnung an René Lüchinger in der WeWo11.11, Seite 44.

Freitag, 6. Mai 2011

Strahms Vorschläge zum Migrantenproblem

Zuwanderung ausländischer Personen in die Schweiz:
  • 2010: 134'000
  • 2009: 132'000
Gesucht ist ein Inlandkonzept für eine Einwanderungspolitik, die sich einerseits mit dem EU-Freizügigkeitsrecht verträgt und gleichzeitig die Einwanderung und deren Folgewirkungen steuert. Und ich würde beifügen: Es braucht ein Konzept mit konsequenten, aber humanitär verträglichen Regeln im Inland - pragmatisch, unideologisch, wirkungsorientiert.

1. Anstieg der Sockelarbeitslosigkeit und Verdängung in Sozialsysteme
Besser Qualifizierte verdrängen die schlechter Qualifizierten in die Sozialsysteme. Dadurch steigt zwar die Servicequalität doch ebenso steigt deswegen die Sockelarbeitslosigkeit mit jeder Konjunkturflaute kontinuierlich an.
Rund 60% der Sozialhilfeempfänger sind Ausländer oder Eingebürgerte mit Migrationshintergrund

2. Zuwanderung in den Arbeitsmarkt, nicht in die Sozialsysteme
  • Immigranten mit befristetem Arbeitsvertrag: Entzug der Aufenthaltsbewilligung nach sechs Monaten Aufenthalt in der Schweiz ohne Arbeit
  • Immigranten mit unbefristetem Arbeitsvertrag: Entzug der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie in den letzten zwölf Monaten des fünfjährigen Aufenthalts keine Arbeit hatten.
Diese strenge Bindung an den Arbeitsaufenthalt ist längst unterlaufen worden dadurch, dass sich viele Erwerbslose mit Aufenthalter-Ausweis beim Sozialamt melden, weil das übertrieben hohe Niveau der Schweizer Sozialleistungen wie ein Honigtopf wirkt.

3. automatischer Datenaustausch unter den zuständigen Ämtern
Die Migrationsämter wissen nicht, welche Personen längere Zeit arbeitslos waren und das Aufenthaltsrecht verwirkt hätten.
Das Seco sperrt diesen notwendigen Austausch unter Migrationsämtern, ALV, IV, RAV, Berufsberatung und Sozialhilfe

4. (...)

5. Willkommensgespräch und Vereinbarungen
Wer in die Schweiz einreist, soll offiziell begrüsst werden. Und soll gleichzeitig mit dem Aufenthalter-Ausweis offiziell Kenntnis über Rechte, Pflichten, Spracherwerb und Beratungsstellen, etwa über die Berufsberatung für Jugendliche, erhalten.
Abschluss einer Integrationsvereinbarung zwischen der Zuwandererfamilie und dem Migrationsamt über Anstrengungen zur Integration.
Seit 2008 sind nur etwa hundert Integrationsvereinbarungen abgeschlossen worden; in der Romandie keine einzige. Das Prinzip «Fördern und Fordern» muss in der Integrations-Gesetzgebung verankert werden.

6. Spracherwerb ist Pflicht
Durch die Parallel-Immigration von bildungsfernen Schichten gibt es Italienerinnen, Portugiesinnen, Bosnierinnen, die sich seit zwei, drei Jahrzehnten in der Schweiz aufhalten und die hiesige Sprache dennoch nicht beherrschen.
Sprache --> Berufsbildung --> Arbeitsmarkt --> Integration
Weitere Kurse zur Vermittlung von Grundkompetenzen sind ebenfalls vorgeschrieben, zum Beispiel von Alltags-Mathematik, Alltags-Informatik und zivilrechtlichem Grundwissen. Das muss lückenlos auch für den Familiennachzug gelten. (2010: 43'600 Personen)

7. Gleichwertigkeit und Anerkennung von Diplomen
gymnasiale Maturitätsquote CH: 18%, D: 41%, F: 52%, I: 77%
Gut qualifizierte Schweizer mit höherem Fachausweis oder höheren eidgenössischen Berufsprüfungen werden in Grossfirmen mit ausländischen Managern, die das schweizerische Berufsbildungssystem nicht kennen, durch junge ausländische Universitätsabgänger konkurrenziert oder bei der Beförderung verdrängt.
--> Das schweizerische Diplom der höheren Fachschulen muss neben der deutschsprachigen Bezeichnung auch den Titel des «Professional Bachelor» erhalten.

8. Anrufung der Ventilklausel
Wenn die Zuwanderung aus der EU mehr als 10 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der drei Vorjahre ansteigt, besteht EU-rechtlich die Möglichkeit, mit einer Ventilklausel eine Zuwanderungsbegrenzung einzuführen.
Die vollständige Freizügigkeit gegenüber Rumänien und Bulgarien ist überdies - ebenfalls EU-kompatibel - bis 2016 verschiebbar.

9. (...)

10. Sachplan Wohnen und Raumplanungsmassnahmen
Gefragt ist die Erstellung eines Sachplans Wohnen. Der Bund muss die gesetzliche Grundlage schaffen. Die Kantone sind dann gefordert und frei, entsprechende Wohnbauzonen auszuscheiden und zu reservieren, verbunden vielleicht mit Erschliessungspflichten, mit Massnahmen gegen die Baulandhortung und zugunsten des gemeinnützigen Wohnungsbaus.

In Anlehnung an Rudolf Strahm in der NZZaS vom 01.05.2011, Seite 24f.

Samstag, 25. Dezember 2010

Lehrplan 21 (LCH) vs. SVP-Lehrplan

Die aktuelle Bildungsdebatte ist mehr als ein Geplänkel. Es geht um einen Kulturkampf. Hier die konservative Volkspartei, dort die "Achtundsechziger". Die Chiffre steht stellvertretend für das, was die SVP in der Schule als Fehlentwicklung ausmacht: Disziplinlosigkeit als Folge der antiautoritären Erziehung; Leistungsfeindlichkeit als Konsequenz einer Gleichheitsideologie, die alles, was messbar ist, aus der Schule verbannen will.

Orientiert sich das Schulbild der SVP an einer längst überholten Anker-Idylle, untauglich für die moderne Wissensgesellschaft und die multikulturelle Realität in den Klassenzimmern? Oder führt gerade die Besinnung auf Disziplin und Leistungsbereitschaft die Volksschule wieder auf Erfolgskurs?

Philipp Gut und Peter Keller in der WeWo45.10, Seite 36ff.

Sonntag, 24. Mai 2009

Die Schweiz, ein gezankter Streber

Die Schweiz verhält sich gegenüber den USA musterhaft und vorbildlich. Sie erfüllt pflichtbewusst ihr Mandat als Schutzmacht:

  • Guantanamo-Häftlinge
  • Türkei-Armenien-Annäherung
  • Iran-Diplomatie
Trotzdem bleibt sie unter Druck der Weltmacht. Ihre Hoffnungen auf eine nette Geste Washington bleiben unerfüllt.
In Anlehnung an Urs Gehriger in der WW20.09, Seite 18.


Zwar sind 75 % des Hochschulangebots auf Bachelor und Master umgestellt, aber nur 30 % aller Nachwuchs-Akademiker sind darin eingeschrieben. In der Schweiz sind es 85 %, aber wer ist darüber glücklich ausser den Statistikern? Die Schweiz ist damit EU-konformer als die meisten EU-Staaten, was uns niemand dankt. (Stoehlker)

Montag, 12. Mai 2008

3 Bildungsdimensionen

  1. individuelle Leistungsvoraussetzungen: Begabung und Einsatz
  2. bildungssystemendogene Rahmenbedingungen: Lehrpläne, Finanzierungsmodi und Übertrittsbedingungen, sowie schulische Faktoren (Qualität des didaktischen und methodischen Konzepts, der unterrichtlichen Umstezung, der Lehrkräfte sowie der infratrukturellen Ausstattungen)
  3. bildungssystemexogene Rahmenbedingungen: soziale Einflussgrössen (soziale Schichten, das häusliche Milieu) sowie Gegebenheiten wie Geschlecht, Nationalität und Wohnort.
Deshalb ist für die Schule nicht "Chancengleichheit" das realistische und sinnvolle Ziel, sondern die Gewährleistung von "guten Chancen".

Roland Waibel in der NZZaS vom 11.5.08, Seite 23.