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Samstag, 7. Januar 2012

Russlands düstere Zukunft

Russland steht vor gewaltigen Problemen, die gelöst werden müssen. Dazu gehören die ungleiche regionale Entwicklung, die Fehler der Bolschewisten, das Land nach ethnischen Merkmalen in mehrere Republiken aufgeteilt zu haben, die Korruption auf allen Ebenen der Regierung, des Verwaltungsapparats sowie der Strafverfolgungsbehörden, die Rechtsunsicherheit, der wiederaufkeimende Nationalismus, die organisierte Kriminalität, die anhaltende Migration ehemaliger Bürger der UdSSR wie der Ta­dschi­ken, Usbeken und Kirgisen und das enorme soziale Gefälle zwischen Arm und Reich mitsamt der sozialen Ungerechtigkeit und unzulänglichen Gesundheitsversorgung. Russland belegt bei den Gold- und ­Devisenreserven weltweit den dritten Platz, und die sogenannten Stabilisierungsfonds verfügen über Hunderte von Millionen Dollar. Aber anstatt mit dem Geld die dringend notwendige Entwicklung der russischen Infrastruktur voranzutreiben, wird das Staatsgeld von unseren Fantasten in amerika­nische Verpflichtungen investiert. Und in Moskau, das im Geld schwimmt und wo der Quadratmeter für Immobilien inzwischen bis zu 70 000 Dollar kostet, wird privates Geld weiterhin in Immobilien statt in die industrielle Entwicklung investiert. All diese Faktoren sind tickende Zeitbomben, und man kann nur hoffen, dass es der Regierung gelingen wird, sie in den kommenden Jahren zu entschärfen.
Andrei Kondraschow, Chefreporter des staatlichen russischen Fernsehens RTR im Interview mit Peter Holenstein in der WeWo1.12, Seite 46ff.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Euro-Problem: Ursache und Lösung


Was auch immer mit den Griechen passiert: Sie müssen, tot oder lebendig, in der Euro-Zone bleiben, damit der Euro überlebt als vitales Symbol einer politischen Einheit, die es in Wahrheit nie gegeben hat. 
Richtig wäre eine Entflechtung:
  1. Griechenland muss entschuldet werden, auch auf Kosten der Banken.
  2. Deutschland und Frankreich sollten selber für ihre wankenden Banken geradestehen
  3. Die Euro-Zone hat Fluchtwege und Ausstiegsklauseln zu entwickeln.
Der Euro wurde durchgesetzt als Klammer der Einheit. Heute ist er eine Zwangsjacke, die Länder vereint, die ökonomisch nicht zusammenpassen. Die erzwungene Nähe schafft Zwietracht. Der Euro ist zum Brandbeschleuniger des Nationalismus geworden. Er schürt die Ressentiments, für deren  Beseitigung er geschaffen wurde.Roger Köppel in der WeWo25.11, Seite 5.

Montag, 25. Juli 2011

Norwegens Nationalismus als Folge der Globalisierung


Was gehört zu dieser Weltsicht?

Erstens die Ansicht, dass unsere westliche Zivilisation und die norwegische Kultur durch Immigranten generell und durch Muslime speziell bedroht sind. Zweitens, dass es eine Verschwörung von Muslimen gibt mit dem Ziel, das Land in ihre Gewalt zu bringen. Und drittens, dass die norwegische Elite aus lauter Verrätern besteht. Und wer ist die Elite? Natürlich die machthabende Partei. Darum galt der Angriff wohl den Ministerien und dem Jugendlager der Arbeiterpartei. Wohlgemerkt: Über die Tat an sich ist jeder Norweger schockiert, doch seine Weltsicht teilen trotzdem viele.

Woher kommt diese Weltsicht?

In Norwegen hat sich die Zahl der Einwohner mit Migrationshintergrund in den letzten 15 Jahren gut verdoppelt auf heute rund 10 Prozent. Der Grund ist, dass Norwegen reich ist, sehr reich. Früher war die Schweiz das reichste und teuerste Land der Welt, dank dem Öl ist es heute Norwegen.

Das macht Norwegen für Migranten sehr attraktiv.

Ja, viele Polen, Rumänen, Pakistaner und sogar etwa 100 000 Schweden leben und arbeiten inzwischen in Norwegen. Das provoziert Ressentiments bei Teilen der alteingesessenen Bevölkerung, vor allem bei solchen, die sozial benachteiligt sind. Es sind Leute, die selber vielleicht keinen Job haben, während ihr ausländischer Nachbar erfolgreich ist. Diese Immigration hat auch einen neuen Nationalismus hervorgerufen.

Inwiefern ist er neu?

Weil sich die neuen Nationalisten nicht mehr als rechtsgerichtet sehen wie frühere Nationalisten. Die neuen Nationalisten verstehen sich als Verteidiger liberaler und demokratischer Werte. Und sie glauben, dass der Islam mit diesen Werten nicht kompatibel ist. Diese Leute sehen sich als kulturell Konservative, doch das sind sie nicht.

Was sind sie dann?

Sie sind kulturelle Reaktionäre. Sie wollen eine Gesellschaft, die nicht mehr existiert und in einer globalisierten Welt auch nicht mehr existieren kann. Wenn Norwegen seine Grenzen schliessen würde, wie diese Leute das wünschen, würden wir zu einem Nordkorea. Die globalisierte Welt ist eine Tatsache. Wer das nicht akzeptiert, muss sich ein anderes Jahrhundert suchen, um darin zu leben.



Thomas Hylland Eriksen, Sozialanthropologe an der Universität Oslo, publiziert zu Themen wie Ethnizität, Kultur und Identität, Nationalismus und Globalisierung im Interview von Markus Häfliger in der NZZaS vom 25.07.2011, Seite 4.



  • Von linken Beobachtern (wie dem oben zitierten Grünen) wird wie selbstverständlich eine "soziale Beachteiligung" vorausgesetzt um zu einer solchen Weltsicht zu kommen. Könnte dies nicht unpassend arrogant sein?

  • Kennt die Schweiz mit ihren feudablen Sozialleistung das "Honigtopf"-Phänomen nicht auch?

  • Muss "Globalisierung" denn grenzenlose Ungeregeltheit bedeuten z.B. auch betreffend Personenfreizügigkeit?

Sonntag, 8. Juni 2008

Nazikeule

Woher kommt eigentlich dieses Bild der rassistischen, totalitären, menschenverachtenden SVP?
Wenn die Argumente ausgehen, brauchen die Gegner Schlagworte und Verleumdungen. In den neunziger Jahren war jemand, der für die nationale Souveränität eintrat, ein Nationalist. Damit will man einen mundtot machen. Dann haben wir es gewagt, Probleme mit Ausländern zu thematisieren, und wurden dafür als Fremdenfeinde und Rassisten verschrien.
Christoph Blocher im Interview mit Philipp Gut, Roger Köppel und Andreas Kunz in der Weltwoche 23.08, Seite 30ff.

Dienstag, 29. April 2008

chinesischer Nationalismus

Der Patriotismus hat den Kommunismus als Staatsideologie abgelöst. (...) Nationalstolz ist das neue soziale Bindemittel, mit dem die Partei ihr Land zusammenhält.
Bernhard Bartsch in der NZZaS vom 27.4.08, Seite 33.
Quellen:
  1. Besinnung auf Chinas glorreiche Geschichte
  2. Erinnerung an die Demütigung, die das Land seit dem Opiumkrieg durch die Kolonialmächte erleiden musste.
nationalisitsche Ressentiments...Gefühl der Bedrohung durch den Westen..."Ausbrüche nationaler Leidenschaft"...
Aufgrund der wirtschaftlichen Stärke hat China sowas wie ein Veto erreicht. Gefällt China etwas nicht (z.B. die westlichen Proteste für Tibet), werden westliche Produkte geächtet. In der Folge werden westliche Unternehmen erheblich beeinträchtigt in ihrer chinesischen Geschäftstätigkeit (Carrefour).
Patriotisch ist, was in den Augen der Partei politisch korrekt ist.
Bernhard Bartsch in der NZZaS vom 27.4.08, Seite 33.
Die Kommunistische Partei Chinas hat mit dem Vorwurf, nationale Interessen oder die Würde des chinesischen Volkes zu verletzen ein mächtiges Instrument, um Deliquenten zu beseitigen, den Einfluss der politischen Garde zu stärken und Marktanomalien zu rechtfertigen - ja, sogar herbei zu führen. Nicht sonderlich beruhigend ist, dass der Patriotismus auch in den USA instrumentalisiert ist.

Mittwoch, 5. März 2008

(nationaler) Sozialismus in Deutschland

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet jene Kräfte, die schon einmal einen Teil Deutschlands in den Ruin trieben, heute mit brachialsozialistischen Programmen in der Wählergunst zulegen. (...) durch den Staat gestiftete Zwangssolidarität (....) Der nationale Sozialismus ist seit der Reichsgründung Bismarcks ein Leitmotiv deutscher Innenpolitik. (...) Soziale Wohlfahrt produziert Zusammenhalt und Obrigkeitshörigkeit. Aus diesen Stoffen besteht bis heute der deutsche Patriotismus.
Roger Köppel in der WW10.08