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Donnerstag, 13. Oktober 2011

Euro-Problem: Ursache und Lösung


Was auch immer mit den Griechen passiert: Sie müssen, tot oder lebendig, in der Euro-Zone bleiben, damit der Euro überlebt als vitales Symbol einer politischen Einheit, die es in Wahrheit nie gegeben hat. 
Richtig wäre eine Entflechtung:
  1. Griechenland muss entschuldet werden, auch auf Kosten der Banken.
  2. Deutschland und Frankreich sollten selber für ihre wankenden Banken geradestehen
  3. Die Euro-Zone hat Fluchtwege und Ausstiegsklauseln zu entwickeln.
Der Euro wurde durchgesetzt als Klammer der Einheit. Heute ist er eine Zwangsjacke, die Länder vereint, die ökonomisch nicht zusammenpassen. Die erzwungene Nähe schafft Zwietracht. Der Euro ist zum Brandbeschleuniger des Nationalismus geworden. Er schürt die Ressentiments, für deren  Beseitigung er geschaffen wurde.Roger Köppel in der WeWo25.11, Seite 5.

Donnerstag, 7. Juli 2011

Frauenquoten sollen "Diskriminierung nach Leistung" verhindern

Frauen werden beim Lohn diskriminiert, während Männer überbezahlt sind - so die These. Doch:
Wäre es so, dass die Männer zu hohe Löhne kassieren, müssten alle Manager entlassen werden, die den Männern ungerecht hohe Löhne genehmigt haben. Umgekehrt wären alle Unter­nehmer dumm, die statt Männern nicht zu ­tieferen Löhnen Frauen beschäftigen, denn in der Wirtschaft geht es darum, Kosten und Erträge in ein möglichst gutes Verhältnis zu bringen. Was die Kapita­lismusabschaffer nicht begriffen haben: Der Markt diskriminiert nicht nach Geschlecht, Haarfarbe, Herkunft oder Konfession. Er diskriminiert nach Leistung. Wer es gut macht, verdient mehr, wer es schlecht macht, verdient weniger. Wer das ­Gefühl hat, er werde schlecht bezahlt, soll sich einen neuen Arbeitgeber suchen. Keine Frau, die in der Schweiz arbeitet, ist gezwungen worden, ihren Arbeitsvertrag zu unterschreiben. Wenn sie einen tieferen Lohn akzeptiert hat als der Mann, der für die gleiche Arbeit mehr kassiert, braucht sie keine Lohnpolizei, sondern eine bessere Verhandlungstechnik.

Roger Köppel in der WeWo24.11, Seite 5.

Donnerstag, 26. Mai 2011

Frischs Selbstbestimmtheit entgegen gesellschaftlicher Korrektheit

...Biografie von Männern, die davonlaufen, die ihre Familien im Stich lassen, neue Frauen kennenlernen und ihr schlechtes Gewissen zum Gegenstand intensivster Selbst­erforschung machen. Seine Helden sind von einem «pathologischen Aufbruchstrieb» beseelt, sagt der Germanist Peter von Matt. Die Flucht vor Verbindlichkeiten und Verantwortungen, die Weigerung, sich festzulegen und festlegen zu lassen, Wurzeln zu schlagen, erwachsen zu werden, das ständige Sich-davonschleichen-Müssen ist das Anliegen seiner Hauptfiguren. Frisch war ein Chronist des seriellen Seitensprungs, «bevor dies allerdings zur neuen Spiesser-Masche wurde» (von Matt).

Man kann ihn als Erforscher der totalen Selbstverwirklichung belächeln und damit als Vorboten der zügellosen sechziger und siebziger Jahre. Das Ich als Weltmassstab, der Anspruch auf Erfüllung aller Wünsche: Das war die Begleitmusik des Wirtschaftswunders in der Nachkriegszeit, das grosse Ego-Projekt der Studentenbewegung und ihrer Mitläufer. Es endete in Rausch und Absturz, in politischen Wahnideen und Dekadenz aus dem Überfluss.

Frischs Erfolg hatte sicher auch damit zu tun, dass er dem männlichen Fluchttrieb schmeichelte, der Ur-Sehnsucht, sich aus allen Pflichten und Zwängen herauszuwinden. Frisch lieferte Aussteigerliteratur auf höchstem Niveau, die mit enormer Sprachkraft das Verhältnis des Einzelnen zu seiner Umwelt reflektierte. Peter von Matt aber spricht von der «Ich-Form als Verfahren», nicht als Kerker. Interessanterweise war Frisch kein Romantiker, der distanzlos in seinem Ego schwelgte. Seine Selbsterkundungen waren selbstkritisch, oft humorvoll, im Fall seines Schlüsselromans «Stiller» von umwerfender, absurder Komik.

Aber selbst wenn man die Bücher nicht mag und den Zeitgeist, den sie mit beflügelten: Man muss Frisch bewundern für die Präzision, mit der er – lange vor 1968 – den Konformismus und die Kleinkariertheit in der bürgerlichen Schweiz beschrieb. Seine Diagnosen sind unter veränderten politischen Vorzeichen heute so aktuell wie damals: Frisch litt an der Arroganz des Establishments, der heuchlerischen Harmonie, den unausgesprochenen Konventionen, der politischen Korrektheit, lange bevor man sie so nennen sollte. Frisch war ein vehementer Verfechter leidenschaftlicher Debatten über alles, ihn nervte die «fast krankhafte Empfindlichkeit der Schweiz». In seinem Bühnenstück «Graf Öderland» greift ein ehemaliger Staatsanwalt zur Axt und zieht sinnlos mordend durch die Welt. Frischs Kollege Dürrenmatt belächelte zwar «diese Menagerie um einen ausgestopften Tiger», aber die Figur des Grafen macht die Platzangst fühlbar, die nachvollziehbar wird, wenn man sich den Konformismus ansieht, der heute noch Debatten in der Schweiz beherrscht. Frischs Kritik zielte schon damals auf eine «Demokratie, in der die unerlässlichen Kompromisse nicht ­erkämpft, sondern voreilig vorausgesetzt ­werden» (Peter Rüedi).

geschäftstüchtiger Sänger der Selbstverwirklichung. Seine Bücher huldigen dem verantwortungslosen, auf sich selbst beschränkten Einzelnen, der sein schlechtes Gewissen durch ausgeklügelte Literatur betäubt. Als praktizierender Womanizer nahm Frisch das Programm der 68er Generation vorweg und schrieb sein aussereheliches Stakkato der Frauengeschichten zum tiefen Emanzipationserlebnis hoch.

Roger Köppel in der WeWo19.11, Seite 44ff.


Was liess Ihre Ehe scheitern?
Meine Erfahrung von Enge. Ich musste mit Anfang vierzig einen Schnitt machen und mein eigener Herr und Knecht sein. Frauen neigen dazu, unglücklich zu werden. Sobald sie sich langweilen, kommen die Vorwürfe, man habe keine Gefühle. Dann, offen gestanden, langweile ich mich noch lieber allein.

Sie wird gebraucht, unsere Schuld, sie rechtfertigt viel im Leben anderer.

Manchmal meine ich die Frauen zu verstehen, und im Anfang gefällt ihnen meine Erfindung, mein Entwurf zu ihrem Wesen. Damit gewinne ich sie überhaupt. «Nie habe ich mit einem Mann so sprechen können wie mit dir» – das habe ich mehr als ein Mal gehört bei Abschieden. Es schmeichelt ihnen, wenn sie mich unter dem Zwang sehen, sie zu erraten. Mein Entwurf hat etwas Zwingendes. Wie jedes Orakel. Ich staune dann selber, wie ihr Verhalten bestätigt, was ich geahnt habe.

Fragen und Antworten aus diversen Interviews und Romanen zusammengestellt von Sven Michaelsen in der WeWo19.11, Seite 45.

Mittwoch, 17. November 2010

staatlich verordnete Zwangssolidarität

In einem Staat, der die Steuerprogression kennt, gibt es bloss einen "moralischen Grundsatz", der zur Beschränkung der Anwendung der Steuerprogression dienen kann: Jene, die einen Steuersatz festsetzen, müssen auch diesen Steuersatz bezahlen.
Friedrich August von Hayek in der Zeitschrift "Schweizer Monatshefte", 1952.

Sloterdijk hat einen Weg skizziert, wie die Gesellschaft zum Weg der Gerechtigkeit zurückfinden könnte: durch die «Abschaffung der Zwangssteuern» - der Zwangssolidarität - und «deren Umwandlung in Geschenke an die Allgemeinheit». So utopisch dieser Vorschlag klingen mag, er trifft dennoch einen wesentlichen Punkt: Wer einen Viertel seines Einkommens oder mehr an den Staat abliefert, überlegt sich zweimal, ob er seine genuinen philanthropischen Neigungen ausleben will. Er fühlt sich anders als in den USA der moralischen Pflicht enthoben, der Gesellschaft freiwillig etwas von dem zurückzugeben, was er durch eigene Leistung, aber auch dank anderen Menschen und Glück erreicht hat. Seine gesellschaftliche Verantwortung hat er an den Staat delegiert.
René Scheu in der NZZaS vom 14.11.2010, Seite 21.

Samstag, 6. November 2010

aufgezwungenes Multikulti

Am Wochenende sagte Kanzlerin Merkel vor Delegierten der Jungen Union in Potsdam, «Multikulti» sei «absolut gescheitert». Immigranten müsse man nicht nur fördern, sondern auch fordern.
Ulrich Schmid in der NZZ vom 18.10.2010

Seit wenigstens fünfzehn Jahren insistiert der Westen darauf, dass im Balkan nur der multiethnische Staat eine Zukunft habe. Nach den Zerfallskriegen Jugoslawiens, die auch im Namen von ethnischen Leitkulturen geführt worden waren, trat der Westen auf den Plan. Mit den Abkommen von Dayton (1995), Ohrid (2001) und dem Ahtisaari-Plan (2007) wurden Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Kosovo Verfassungen vorgeben, welche die Multiethnizität zum bestimmenden Element des Staatsaufbaus machten.

Wenn westliche Politiker Sarajevo, Skopje oder Pristina besuchen, fehlt nie der Hinweis, die Einheimischen sollten die religiöse und ethnische Vielfalt ihres Landes nicht als Hypothek, sondern als wertvolles Gut betrachten.

Andreas Ernst in der NZZ vom 2X.10.2010, Seite 2.

Mittwoch, 26. Mai 2010

mehr Regulierung: keine Lösung

Angela Merkel, in einer Planwirtschaft aufgewachsen, plädiert für mehr Regulierung der Märkte um weitere Krisen zu verhindern. Dies auch mit der immer noch nicht überwundenen Überzeugung, dass Menschen den Markt besser gestalten und planen können als die Marktkräfte. Wen reguliert sie damit genau? Der Markt besteht aus dem Menschen dahinter, das sind die Leute, die jeden Tag persönliche Entscheidungen treffen.
Wer die Märkte beherrschen möchte, will die Leute kontrollieren, staatlichem Zwang aussezten, ihre Souveränität und Freiheit einschränken, ihnen am Ende die Entscheidungsgewalt über ihre finanziellen Mittel wegnehmen, um sie stattdessen selber auszuüben. Die Planwirtschaft führt zwangsläufig in die politische Unfreiheit.
Roger Köppel in der WeWo20.10, Seite 5.

Montag, 21. Dezember 2009

überteuerte Billag

Weltrekordniveau erreicht [beim Schweizer Fernsehen] leider nur gerade die Höhe der Zwangsgebühr.
Silvio Borner in der WW51.09, Seite 25.

Donnerstag, 13. August 2009

Reichsfluchtsteuer

1931, zu Zeiten der demokratischen Weimarer Republik, beschloss der Reichstag die Reichsfluchtsteuer: «Eine Reihe von wohlhabenden Deutschen», hiess es in der amtlichen Verlautbarung zur Notverordnung, «hat im Jahr 1931 die deutsche Heimat verlassen, um sich im benachbarten Ausland anzusiedeln. Meist war für diesen Entschluss die hohe steuerliche Belastung in Deutschland massgebend. Es ist beobachtet worden, dass diese Personen nach ihrer Wohnsitzverlegung keineswegs die Beziehung zu Deutschland aufgegeben haben oder aufgeben wollen; sie halten sich auch nach Aufgabe ihres Wohnsitzes vielfach im Inland auf. Ein derartiges Verhalten bedeutet Verrat an der deutschen Volksgemeinschaft.» Nach der Machtergreifung Hitlers diente das Gesetz den Nazis zur Ausplünderung der jüdischen Auswanderer. Es wurde 1953 aufgehoben.
Markus Somm in der WW26.09, Seite 10f.

Donnerstag, 2. April 2009

Ärtzestreik

Mit den Demonstrationen wollen die Hausärtze die Rechtsgrundlage aufrecht erhalten, welche ihnen ihre teuren Praxislaboratorien erhalten. Es geht also um eine mögliche Lohneinbusse:
Ein Hausarzt verdient heute gegen 200'000 Franken. Ein Spezialist verdient das Doppelte. Man müsste also diese Lohnunterschiede verflachen, ein Ansatz, bei dem auch die Krankenkassen sofort mitspielen würden. Doch das hat die Ärtzelobby bisher erfolgreich verhindert. Sie will mehr Geld für alle, Kostenexplosion hin oder her.
Kurt W. Zimmermann in .ch vom 2.4.09, Seite 13.
Nachdem über die Gehälter der Banker hergezogen wurde, muss sich die Öffentlichkeit über die Entlöhung der "Götter in Weiss" bewusst werden. Diese werden nicht durch freiwillig zahlende Kunden finanziert, sondern durch staatliche Regulatorien und obligatorischen Abgaben: Verbot von Parallelimporten, immer teurer werdende obligatorische Krankenversicherung, Ärtzezwang für Krankenkassen, etc. DAS geht gar nicht.

Montag, 30. Juni 2008

Zwangsprostitution?

Das Fraueninformationszenturm FIZ möchte polizeilichen Schutz, Sozialhilfe und ein Aufenthaltsrecht für sämtliche ausländische Frauen, welche mit dem Finger auf einen möglichen Menschenhändler zeigen. Schon mal was von Anreizstrukturen gehört?!

Besteht wirklich Handlungsbedarf?

Die Zahl von "1500 bis 3000" Zwangsprostituierten, die seit einem Jahrzehnt unverändert in der Schweiz herumgeboten wird, wurde von der Uno in die Welt gesetzt und basiert auf einer hochrechnugn des US-State-Departements, die kurzerhand auf die Bevölkerungszahlen in Europa heruntergebrochen wurde. (siehe WW15/03).
falsche Versprechungen, Gefangenschaft, Zwang, Nötigung, Vergewaltigung, etc.?
Für die Fremdenpolizei haben sie sich eine halbwegs plausible Geschichte zusammengezimmert, so wie das auch Asylsuchende tun. Im Falle der Prostitution hat die "Opfer"-Version den Vorteil, auch psychisch entlastend zu wirken: Und warum sollten die Frauen den Vertreterinnen von NGOs oder Journalistinnen eine andere, weniger spektakuläre Geschichte erzählen, wenn diese doch so gut ankommt? Immerhin sind Prostituierte auch professionelle Schauspielerinnen.
David Signer in der WW26.08, Seite 30.

Warum sollten Bordellbetreiber Frauen unter Zwang "importieren", wo es in den Entwicklungsländern doch ein Überangebot an Prostituierten gibt, die noch so gerne freiwillig kommen?
Alex Baur in der WW26.08, Seite 28.