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Donnerstag, 13. Oktober 2011

Euro könnte gesundschrumpfen


Die überschuldeten Länder der Euro-Zone müssen aus eigenem Interesse aus dem Währungsraum aussteigen. Dann können sie abwerten und wieder wettbewerbsfähig werden. Natürlich ist das mit hohen Aufwendungen verbunden, aber eine weitere hoheitliche Konkursverschleppung verschlimmert die Lage. 
Nur wenn sich der Euro gesundschrumpft auf die sechs Triple-A-Staaten hat er eine Überlebenschance.Joachim Strabatty im Interview von Pierre Heumann und Florian Schwab in der WeWo38.11, Seite 30.

Euro-Problem: Ursache und Lösung


Was auch immer mit den Griechen passiert: Sie müssen, tot oder lebendig, in der Euro-Zone bleiben, damit der Euro überlebt als vitales Symbol einer politischen Einheit, die es in Wahrheit nie gegeben hat. 
Richtig wäre eine Entflechtung:
  1. Griechenland muss entschuldet werden, auch auf Kosten der Banken.
  2. Deutschland und Frankreich sollten selber für ihre wankenden Banken geradestehen
  3. Die Euro-Zone hat Fluchtwege und Ausstiegsklauseln zu entwickeln.
Der Euro wurde durchgesetzt als Klammer der Einheit. Heute ist er eine Zwangsjacke, die Länder vereint, die ökonomisch nicht zusammenpassen. Die erzwungene Nähe schafft Zwietracht. Der Euro ist zum Brandbeschleuniger des Nationalismus geworden. Er schürt die Ressentiments, für deren  Beseitigung er geschaffen wurde.Roger Köppel in der WeWo25.11, Seite 5.

Samstag, 13. August 2011

EU-Funktionäre missbrauchen die Krise

Obwohl der unausgeglichene Staatshaushalt ein rein griechisches Problem ist, wurde er zu einem europäischen erklärt. Die Regeln hätten bestanden und wären einfach gewesen: Wer die Maastricht-Kriterien nicht erfüllt, verlässt die Währungsunion.

Obwohl Rating-Agenturen privatwirtschaftliche Unternehmen sind - und schon genügend Interessen Dritten ausgesetzt sind - wollen EU-Beamte ihnen ihr Handwerk vorschreiben: "Bitte beschönigt die Ruinen, welche wir hinterlassen haben."

Obwohl die EU offiziell (noch) keine Transferunion ist, sorgen die Bürokraten für möglichst viel Instransparenz um die reichen und zahlenden Länder möglichst lange bei der Stange zu halten.

In Anlehnung an Pierre Heumann in der WeWo30/31, Seite 18f.

Sonntag, 19. Juni 2011

falsche Anlagestrategie der Zentralbanken bedroht Finanzsystem

  • Die Schulden der Staaten
  • Die schlechten Papiere der illiquiden Banken
Das alles liegt nun in den Kellern der zwei Notenbanken Amerikas und Europas.
Die Schweizerische Nationalbank hat für etwa 200 Mrd. Fr. Papiere aufgekauft, die auf Dollars und Euro lauten - und deren grösster Posten offenbar deutsche Staatsanleihen sind. Aber die Transparenz darüber ist weit entfernt von dem, was man von Grossbanken fordert.
Das Eigenkapital der US-Notenbank beträgt 1.96% der Bilanzsumme - weniger als jede Grossbank in der Finanzkrise. Ein kleiner Wertverlust, und sie hat kein Kapital mehr.
Studie der Euro Pacific Capital
Man stellt in Fachkreisen entsetzt fest, dass nicht die privaten Grossbanken, sondern die Zentralbanken «too big to fail» geworden sind. Auch die Schweizerische Nationalbank hat mit heute 16% Eigenkapital an der aufgeblasenen Bilanzsumme weniger, als sie mit warnendem Zeigfinger für private Grossbanken fordert.

Imperien verlieren zuerst die Selbstdisziplin, dann die Finanzen, später den Rest.

Beat Kappeler in der NZZaS vom 12.05.2011, Seite 33.

Mittwoch, 16. März 2011

Euro-Versagen mit Geldhaufen verdecken

Die [EU-]Staatschefs haben sich geeinigt, den 440 Mrd. € schweren Krisenfonds EFSF zur Stützung verschuldeter Staaten umzubauen. (...) Der dauerhafte Stützungsfonds ESM, der ab 2013 bestehen soll, wird einen Umfang von 500 Mrd. € haben. Darüber hinaus segneten die Regierungschefs den von Merkel geforderten «Pakt für den Euro» ab, der die Wirtschaftspolitik in der EU vereinheitlichen soll.

«Kein überstrapazierter Schuldner lässt sich kreditwürdiger oder solventer machen, indem man ihm mehr Geld leiht», bekräftigte die New Yorker Analysefirma High Frequency Economics diese Woche.

Sebastian Bräuer in der NZZaS vom 13.03.2011, Seite 29.

Donnerstag, 10. Februar 2011

europäischer Währungsfonds aka europäische Schuldenagentur

Irland hatte bis 2008 einen der grössten Haushaltsüberschüsse in der EU. Die Iren hatten alles richtig gemacht, mit Steuererleichterungen das Wachstum gefördert, so dass niedrigere Abgaben zu insgesamt höheren Steuereinnahmen führten.

Das Problem war nur, dass Irland die Kontrolle über seine Geldpolitik abgetreten hatte. In Zeiten des Booms konnte praktisch jeder irische Wirtschaftsexperte sehen, dass der Leitzins angehoben werden musste. Aber natürlich gab es keine irischen Zinsen mehr, sondern nur die Zinsen der Euro-Zone, diktiert von den Bedürfnissen der Kernländer. Irland musste eine katastrophale prozyklische Geldpolitik verfolgen.
Daniel Hannan in der WeWo5.11, Seite 43.

Samstag, 16. Oktober 2010

Währungskrieg in einer interdepenten Welt

Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem.
John Connolly, amerikanischer Finanzminister vor besorgten europäischen Finanzministern, in den 70ern.

China und USA: In Anspielung auf die Zeit des Kalten Krieges: "mutual assured destruction" (MAD), die gegenseitig gesicherte Vernichtungsfähigkeit der beiden grossen Akteure im Weltfinanzsystem.
Lawrence Summers

Nein, ein Währungskrieg ist dies nicht, keni epischer Kampf um den tiefsten Wechselkurs. Dazu fehlt das Motiv. Man will der Gegenseite ja nicht schaden oder diese gar niederringen, das wäre selbstzerstörerisch. Denn in der hochgradig interdependenten Weltwirtschaft sind alle Partner, nicht Gegner.
Dieter Ruloff in der NZZaS vom 10.10.2010, Seite 19.

Sonntag, 11. Juli 2010

10 Regeln zur Unterstützung des Euro

  1. Staatshilfen (Bail-outs) nur bei Einstimmigkeit der Unterstützerländer und des IWF
  2. Staatshilfen in Form von Krediten zu einem Zinssatz von 3.5% über dem europäischen Durchschnitt
  3. Verzicht der Gläubiger auf Staatsanleihen von 5% pro Jahr seit Emission
  4. Unterstütztes Land untersteht fortan einer EU-Kommission welche Sanierungsmassnahmen beschliesst
  5. keine andere Hilfssysteme, welche diese Regelungen unterlaufen, sobald diese greifen müssten.
  6. Defizitgrenze in Abhängigkeit der Schulden, diese in Abhängigkeit des BIP definieren
  7. finanzielle Strafen bei Übertreten dieser Grenze, sowie Stimmrechtsentzug
  8. Eurostat ist befugt, den Datenerhebungsprozess der nationalen Behörden zu kontrollieren.
  9. Austritt aus dem Euro-Verbund durch Mehrheitsentscheid der Mitglieder.
  10. freiwilliger Austritt jederzeit möglich.
Wolfgang Franz, Clemens Fuest, Martin Hellwig und Hans-Werner Sinn in der FAZ vom 18. Juni 2010.

Samstag, 27. März 2010

Krise des Euro


Quelle: Yahoo Finance
Bei der Konstruktion wurde zu viel gehofft und zu wenig gedacht.
Die Währungsunion hat den Deutschen einen südeuropäischen Wechselkurs gegeben, die Südeuropäer haben dafür deutsche Zinssätze bekommen. Es war ein guter Kompromiss.

Doch die Euro-Zone ist eine Schönwetter-Konstruktion.
Der Stabilitätspakt mit den Kriterien für die Aufnahme in den Euro-Raum ist eine Farce. Kein Land hat die Auflagen je wirklich erfüllt.

Niall Ferguson im Interview von Chanchal Biswas und Charlotte Jacquemart im der NZZaS vom 21.03.10, Seite 24f.

Das Problem
Die Währungsunion hat keine gemeinsame Finanzpolitik. Das Verhältnis zwischen Ausgaben und Einnahmen ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Kein Land dürfte sich übermässig verschulden. Die Demographie entwickelt sich unterschiedlich, südliche Länder garantieren grosszügige Altersrenten, welche mit Steuereinnahmen finanziert werden. Es bräuchte – analog den Staaten in den USA – einen Ausgleichmechanismus.

Doch wäre Deutschland wirklich fähig und willens – auf immer und ewig die unproduktiveren Südeuropäer zu finanzieren?

Mittwoch, 10. März 2010

economiesuisse zum EU-Beitritt

Economiesuisse erörtert in einem neuen Bericht sechs Szenarien zur schweizerischen Europapolitik. Eines davon ist der EU-Beitritt:

+ Recht auf Mitbestimmung in der EU
+ vollständiger Marktzugang
+ höherer Konkurrenzdruck im Inland
- Regulierungsdichte
- Verlust an Eigenständigkeit in der Wirtschaftspolitik
- Aufgabe der Geld- und Währungspolitik
- Anpassungen bei der Steuerpolitik
Stefan Bühler in der NZZaS vom 21.02.10, Seite 11.

Es ist offensichtlich, dass die Nachteile überwiegen:
  • Einengung und Bürokratie
  • Wohlstand sinkt auf europäisches Niveau
  • Währungschaos, siehe am Beispiel Griechenland. Der Unfähigkeit von entsprechenden Versagerstaaten ausgeliefert.
  • Verdrehtes Staatsverständnis: Der Bürger dient dem Staat, anstatt umgekehrt.
btw: "In der Schweiz hat man eine Identitätskarte. Ein amtliches Dokument, dass einem die eigene Identität bestätigt. In Deutschland hat man einen Personalausweis. Ein Papier, das bestätigt, dass man zum Personal der BRD gehört."
In Anlehnung an Volker Pispers.

Sonntag, 28. Februar 2010

Massnahmen zur Stabilisierung des Euro

Ohne eine eigenständige Geldpolitik, ohne Variation der Zinssätze und des Wechselkurses könnten die Länder nur mit Lohnanpassungen, Migration und fiskalpolitischen Mitteln auf ihre spezifischen Wirtschaftsprobleme reagieren. Da im europäischen Währungsraum im Gegensatz zu den USA ein automatischer Finanzausgleich zwischen den Staaten fehle, könnten wirtschaftlich angeschlagene Länder nur das Lohnniveau senken oder ihren Arbeitskräften empfehlen, in einem wirtschaftlich besser gestellten Land Arbeit zu suchen.
  • Lohnniveau senken
  • Gewaltige Ausgabenkürzungen
  • Sozialleistungen abbauen
Die Wirtschaft und die Wirtschaftspolitik in weiten Teilen der EU befinden sich in einem desolaten Zustand. Statt die Wirtschaftsprobleme grundsätzlich anzugehen, wird das Heil in höheren Steuern für Gutverdienende, in Spezialsteuern auf Boni und Bankgeschäften oder in der illegalen Beschaffung von Steuerdaten in der Schweiz gesucht. Solche Massnahmen zerstören das ohnehin schon angeschlagene Vertrauen der Wirtschaft in den Staat.

Es erstaunt daher nicht, dass immer mehr Unternehmungen aus dem EU-Raum abwandern und auf Standorte ausweichen, in denen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen den Erfolg begünstigen und mit einer vernünftigen Steuerbelastung honorieren. Die Kosten übersetzter Steuern, Staatsausgaben, Sozialabgaben und einer ausufernden Bürokratie gehen stets zu Lasten der Wirtschaft und schwächen das Wachstum.
Kurt Schiltknecht in der WeWo6.10, Seite 12ff.

Maastricht-Vertrag

PIIGS: Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien diese Länder missachten die Bestimmungen des Maastricht-Vertrags am meisten und sorgen damit nebst einem schwachen Euro für Instabilität und Unsicherheit in Europa.

Ein Land kann nur dem europäischen Währungssystem beitreten, wenn
  • Inflationsrate und Zinssätze bewegen sich in der Nähe des EU-Durchschnittes
  • Defizit der öffentlichen Hand ist unter drei Prozent
  • maximale Verschuldung des Staates ist unter sechzig Prozent des Volkseinkommens
Immer weniger Euro-Länder kümmern sich inzwischen um diese Vorgaben.
Kurt Schiltknecht in der WeWo6.10, Seite 12ff.
Siehe EU-Konvergenzkriterien

Montag, 8. Juni 2009

Rechtsruck bei den EU-Wahlen

Erfreuliches weiss die NZZ zu berichten:

  • Grossbritannien: Schwere Wahlschlappe für Labour
  • Frankreich: Sarkozy-Partei deutlicher Sieger
  • Deutschland: Debakel der SPD
  • Österreich: Wahldebakel für Sozialdemokraten
  • Italien: Berlusconi deutlich vorn
  • Spanien: Sieg der Konservativen
  • Ungarn: Sozialisten stürzen ab
  • Polen: Bürgerplattform siegt
  • Bulgarien: Konservative im Aufwind

Die Zukunft gehört grossen Staatengemeinschaften. Nur gemeinsam im Verbund mit gefallenen Grenzen kann die Produktivität weiter erhöht werden. Der unüberlegten, linken Euphorie für Europa wurde nun aber Einhalt geboten. Die EU weist erhebliche Defizite auf. Die Währungs- und Wirtschaftspolitik begeht den Weg der fulminanten Verschuldung und dem nachhaltigen Defizit, anstatt dass sich die Wirtschaft durch die Strukturbereinigung stärkt. Bevor die EU ein ernsthaftes, verlässliches Gefäss für die europäischen Staaten bildet, müssen diese Probleme gelöst werden. Dank dem Gewinn der kritischen Bürgerlichen könnte man nun diese Probleme endlich angehen.