Die Union war der Ganzkörpergips, den man sich nach dem Totalschaden zweier Weltkriege bewusst anlegte, um die darniederliegenden Staaten wieder aufzurichten und künftige Kriege durch freiwillige Selbsteinschränkung zu verunmöglichen. Das war verständlich und aus der Zeit heraus erklärbar. Aber anstatt den Gips, wie nach Unfällen üblich, zu lockern und abzustreifen, passierte das Gegenteil: Die Stütz- und Hilfsstruktur EU entwickelte ein Eigenleben, wurde grösser und starrer, produzierte den Euro und verselbständigte sich auf Kosten des Patienten (Europa), der heute, nehmen wir nur Griechenland, röchelnd am Boden liegt, während alles unternommen wird, um die Struktur, die ihm die Luft abschnürt, am Leben zu erhalten.
Roger Köppel in der WeWo26.12, Seite 5.
Donnerstag, 28. Juni 2012
Krankes Europa muss Gips ablegen
Donnerstag, 26. November 2009
super Single-Mütter
- Erziehung: Das Hef in der Hand, sein Ding durchziehen
- Integration: Kinder werden nicht mehr stigmatisiert
- Gesellschaft: Gefragt auf dem Beziehungmarkt
- Schule: Locker im Gespräch
- Arbeit: Antrieb zu Höchstleistungen, finanziell auf eigenen Beinen
- Anerkennung: Des Lobes voll, immenser Respekt und Anerkennung
- Wohnen: Angebote noch und noch, Sympathie- oder Mitleidsbonus, zuoberst auf der Warteliste
- Sex: Ab in die Kiste...
- Wochenende: Zur freien Verfügung
- Der Alte: Gute Beziehung zum Ex
- Der Neue: Ein Freund fürs Leben, irgendwann will jede Single-Mutter wieder in Feste Hände
- Kinder: Unkompliziert und selbstständig, flexibler, reifer und hilfsbereiter
- Krippe/Hort: ein Krippenplatz garantiert, zu günstigeren Konditionen
- Alltag: Action statt Langeweile, abwechslungsreich
- Verwantschaft: Bleibende Bande
Dienstag, 14. Juli 2009
Postfeminismus
Es ist geradezu paradox: Die weiblichen Singles in den Dreissigern gehören zur ersten Generation von Frauen, die alles dürfen, wofür ihre Mütter und Grossmütter gekämpft haben: wählen, studieren, verhüten, alleine am Tresen einer Bar ein Bier trinken, abtreiben, Karriere machen. Doch gerade das, worauf sie heute nicht mehr angewiesen sind, fehlt offenbar zu ihrem Glück: ein Mann, eine Familie. Die Frauen sind selbständiger, unabhängiger geworden und dadurch offenbar auch einsamer. Die Emanzipation frisst ihre Kinder.
Auch Natascha T. kann sich sehr genau an die Losung erinnern, welche die frauenbewegten Mütter den Mädchen einimpften: «Kind, lern was Anständiges, damit du nie von einem Mann abhängig wirst.» Brav haben die Töchter sich an das gutgemeinte Rezept gehalten, um heute zu erkennen, dass die Einsamkeit der Preis der Freiheit ist.
Nicole Althaus und Bettina Weber in der WW22.09, Seite 30.
Dienstag, 11. November 2008
Wieso hohe Boni bezahlt werden
Auch Vermögends- und Investmentbanken weisen partnerschaftlichen Charakter auf. Durch den PC hat jeder Spezialist dort mit Bösrenzugang, Informationen und Kundendossiers so viel Macht, wie früher nur ganze Banken hatten. Daher werden, trotz allen Regelungen, die Kader der dritten oder vierten Ebenen weiterhin mit hohen Boni gebunden, sonst machen sie eine eigene Firma auf. Und deshalb sind Grossbanken heute eigentlich Partnerschaften der Kader, die zusammen mehr Gewinn abräumen, als sie den Aktionären zugestehen.Ich bin trotzdem für eine Stärkung der Aktionärsrechte, u.a. für einen Einfluss der GV auf die Entlöhnung des VR und GL.
Beat Kappeler in der NZZaS vom 9.11.08, Seite 39.
Dienstag, 3. Juni 2008
selbstverantwortliche Sozialhilfebezüger
[In den Studien des Bundesamts für Statistik] ist die Rede vom "Sozialhilferisiko" solcher Gruppen, die damit immer als Opfer, aber nie als "Täter" und Selbstverantwortliche gekennzeichnet werden.
Beat Kappeler in der NZZaS vom 25.5.08, Seite 47.
Freitag, 4. Januar 2008
rechts-bürgerliche Staatsparasiten
Doch auch auf der vermeintlich rechten Seite sind solche Gestalten anzutreffen:
Im Nationalrat sitzen 15 SVP-Bauern (...) Sie alle leben zu mehr als 80 Prozent vom Staat und verdienen sich in parastaatlichen Organisationen die Butter auf ihr Brot. Vorsicht ist die Mutter ihrer Subventionen und Tantiemen.Das können - per definitionem - keine rechten Politiker sein. Es bestätigt meinen Zwiespalt mit der SVP. Die SVP ist hier nicht bürgerlich, sondern staatlich am Umverteilen. Das sind halt die Kosten, welche der rechte Freisinn damals in Kauf nehmen musste, damit seine Stimme in einer Demokratie erhört wird.
Peter Bodenmann in der Weltwoche 1.08, Seite 17
Sonntag, 19. August 2007
Auftrag des Sozialstaates
Der Auftrag des Sozialstaates ist es, den Schwächeren die Chance zu eröffnen, eine selbstständige Existenz aufzubauen. Stattdessen ist er zum Instrument einer umfassenden Sozialpolitik geworden mit zwei Zielen. Erstens: Korrektur marktwirtschaftlicher Prozesse, Enteignung. Zweitens: Gleichschaltung der Gesellschaft, Einebnung von Unterschieden, Gleichheit.
Roger Köppel in der Weltwoche 32.07 auf Seite 66 zitiert Walter Schmitt Glaeser in der Frankfurter Allgemeinen.