Freitag, 5. August 2011

IV-Simulanten aus dem Balkan und der Türkei

40 bis 45% der arbeitenden Immigranten aus dem Balkan oder der Türkei verabschieden sich via IV in die Altersrente, bevor sie 65 Jahre alt sind.

Bei den erwähnten Bevölkerungsgruppen leiden 75-80% der Renter an Gebrechen wie diffusen Schmerzen, Schleudertraumata oder psychischen Problemen, welche objektiv nicht nachweisbar sind.

Alex Baur in der WeWo28.11, Seite 24.

Unabhängigkeit in einer Beziehung

Meiner letzten Freundin habe ich immer alles erzählt. Paare müssen miteinander reden. Ich glaube, selbst sogenannt stabile Liebesbeziehungen laufen heute anders als früher. Das Konzept der Ehe ist überholt.

Ich sehe Paare, die auf der Plage den ganzen Tag miteinander kein Wort reden. Menschen, die eine rein strategische Beziehung führen, vielleicht weil sie Kindern haben oder aus finanziellen Gründen. Ich will nicht wie diese Paare enden, unglücklich aneinandergekettet.

Man darf sich nicht einschränken lassen. Man muss seine Passionen ausleben, die Ehe ist nicht die Krönung des Lebens. Anderseits soll man sich auch nicht gleich scheiden lassen, wenn die Frau einen Seitensprung macht. Erotische Abenteuer gehören nun mal zum Leben.

Und die Eifersucht? Der Mensch seht sich doch nach einer verlässlichen Partnerschaft, nach etwas Ruhe in den Sturmfluten der Liebe.
Es gibt keine Ruhe. Ich sehe die Ehe als etwas Aktives. Man erobert gemeinsam die Welt, man reist, erlebt Abenteuer. Man ist zusammen und gleichzeitig bleibt man unabhängig. Ich kann nicht leben ohne das Gefühl der Unabhängigkeit. Sonst hätte ich einen anderen Beruf gewählt, die Hälfte des Jahres möchte ich machen, was ich will. Diesen Winter reise ich mit einem Kumpel zum Surfen nach Australien. Nein, meine Unabhängigkeit lasse ich mir nicht nehmen.

Möchten Sie Kinder?
Klar möchte ich eines Tages Kinder. Aber ich kann auch Kinder haben, ohne dass sie mich daran hindern, die Welt zu entdecken oder in anderen Städten zu leben.

Damien, 30, ist Bademeister in Nizza, im Interview von Miklos Gimes im Magazin 27/2011, Seite 10.

Donnerstag, 4. August 2011

Zensuswahlrecht könnte die Schweiz retten

Ist die Schweiz wirklich weniger vom Umverteilungsdenken infiziert?
Die Schweizer nehmen immer mehr Eingriffe des Staates in die privaten Vertragsverhältnisse und in das private Eigentum hin. ­Sicherheit wird wichtiger als Freiheit, öffent­liche Fürsorge wichtiger als Eigenverant­wortung, Umverteilung wichtiger als Eigenleistung. Die Sozialindustrie mit den gut bezahlten Beamten überbordet dermassen, dass sogar deren Abschaffung samt Ersatz durch ein bedingungsloses, lebenslängliches Grundeinkommen für alle Einwohner der Schweiz allen Ernstes als ökonomisch sinnvoll diskutiert wird.

Genau besehen ist Demokratie ein ausser­ordentlich labiles Modell. Volksherrschaft kann auch Herrschaft des Pöbels bedeuten, die Enteignung der Minderheit der Leistungs­wil­ligen und Besitzenden durch eine Mehrheit von Habe- und Taugenichtsen. Wenn die Staatsquote und mit ihr die Zahl der Transfer­empfänger unaufhaltsam wächst, wenn schweizerische Maturanden erst einmal Sozialhilfe beziehen, um sich vom Stress der gymnasialen Ausbildung zu erholen, so sind das Gefahrensignale.

Dass Mehrheitsherrschaft zu wachsender Ausbeutung der Minderheit führen kann, hatten schon die griechischen «Erfinder» der Demokratie erkannt. So ersann der Athener ­Solon als Gegengift das Zensuswahlrecht, also die Beschränkung des Wahlrechts auf Stimmbürger, welche gewisse Kriterien wie materiellen Besitz oder die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Stand erfüllen. Selbst die Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika ­erkannten die Gefahren einer allgemeinen Demokratie für Freiheit und Privateigentum. Sie nahmen in die Verfassung von 1787 eine Bestimmung auf, wonach nur ­Männer mit Besitz wählen durften. Dahinter stand der Gedanke, dass, wer Eigentum hat, langfristiger denkt als derjenige, der von der öffentlichen Hand lebt. Von diesem Zensuswahlrecht verabschiedeten sich die Vereinigten Staaten erst 1830 im ­Rahmen der Abschaffung der Sklaverei und unter dem Einfluss von Anti­-Alkohol-, Frauen­rechts- und Gewerkschaftsbewegungen.

Das allgemeine Stimm- und Wahlrecht – «One man, one vote» — ist ein derartiges Tabu, dass die Schweizerische Bundesverfassung nur die unter Achtzehnjährigen sowie die Geisteskranken und Geistesschwachen davon ausschliesst. Wo es zum Führen eines Motorfahrzeuges und zum Halten eines Hundes einer Prüfung bedarf, während Kriminelle, Asozi­ale, Analphabeten und Sozialhilfebetrüger stimmen und wählen dürfen, wo jedermann ohne die geringsten staatsbürgerlichen Kenntnisse – das schweizerische Schulsystem hat heute andere Prioritäten – bei existenziellen Fragen dieses Landes mitbestimmen darf, wo ein pädosexueller Lehrer Berufsverbot erhält, ihm aber sein Stimm- und Wahlrecht nicht entzogen werden kann, dort stellt sich die ­Frage nach einer Beschränkung des Stimm- und Wahlrechtes natürlich nicht.

Bleibt die Hoffnung, dass die Vernünftigen, die politisch Reifen, die Verteidiger von Freiheit und Privateigentum in der Mehrheit bleiben. Mehr als diese Hoffnung bleibt uns nicht.

Christian Huber, 66, Dr. iur., war als Regierungsrat von 1999 bis 2005 Finanzdirektor des Kantons Zürich. Er lebt seit sechs Jahren abwechslungsweise in der Schweiz, in den Niederlanden und in Frankreich, in der WeWo29.11, Seite 36f.

Abschaffung der direkten Bundessteuer strafft den Staatshaushalt

Steuern: Die direkte Bundessteuer ist abzuschaffen. Weil verfassungswidrig. «In der Verfassung steht, die direkten Steuern für Kantone und Gemeinden», sagt er, «die indirekten für den Bund.» Mit diesem Geld, argumentiert der Ökonom, ­müsse der Bund wirtschaften können.

«Ich bin Häretiker», meint er nun fast entschuldigend, dieser vom Altgriechischen abgeleitete Begriff bezeichnet einen Menschen, der sich in Widerspruch begibt zu einer herrschenden Mehrheitsmeinung und für sich in Anspruch nimmt, näher an der Wahrheit zu liegen als diese.

René Lüchinger über ein Interview mit Prof. Walter Wittmann in der WeWo29.11, Seite 44.

Die Schweiz hat zu viele Kantone

Und ökonomisch gesehen: alles höchst ineffizient. Kantone machten von allem zu viel: zu viele Kantonalbanken, zu viele Spitäler, zu viele Gerichte, und jedes Zuviel produziert unnötige Kosten.
Das Resultat für den Ökonomen sind ineffiziente Strukturen.

Was also machen wir mit unseren Kantonen? Nun kramt er den lupenreinen Ökonomen hervor. Keine Transferzahlungen mehr unter den Kantonen, lautet sein Rezept, und Subventionen aus Bern gibt es nur noch für gemeinwirtschaftliche Leistungen. Alles andere regelt der Markt. Kantone müssen sich selber finanzieren, und wer das nicht kann, muss sich mit anderen zusammenschliessen. Die Folge wäre, ist Wittmann überzeugt, dass die Schweiz nur noch aus vielleicht sechs ökonomisch überlebensfähigen Grossregionen bestehen würde.

René Lüchinger über ein Interview mit Prof. Walter Wittmann in der WeWo29.11, Seite 44.

Murdoch ist kompromisslos gegenüber Gewerkschaften

1981 erwirbt Murdoch von dem Kanadier Lord Thomson of Fleet die Times und die Sunday Times. Die Times vor allem kränkelt am Rand ihrer Existenz, ­gebeutelt durch Dauerstreiks der Druckergewerkschaften, was zeitweilig zu Monate dauerndem Nichterscheinen des Blattes führt. 1986 reisst Murdoch die Geduld, er zieht sein britisches Imperium, News International, aus der Fleet Street ab und siedelt sich neu in Ostlondon, in Wapping, an, entlässt, unter gewalttätigen Ausschreitungen, 6000 Angestellte seiner Druckbetriebe und beginnt die Wapping-Operationen mit nur noch nicht­gewerkschaftlich gebundenen technischen ­Arbeitern.

Der Sieg Murdochs über seine Nemesis steht neben Margaret Thatchers gleichzeitigem Triumph über die Bergarbeitergewerkschaften – kein Wunder, dass der Medienzar und die ­eiserne Lady ihre Seelenverwandtschaft vertiefen. Beide hängen an der Philosophie des freien Marktes und misstrauen dem publizistischen Konsens, welcher Meinungen links von der Mitte zum Justemilieu der Political Correctness erklärt.
Thomas Kielinger in der WeWo29.11, Seite 40f.

Eckdaten Finanzplatz Schweiz

  • Offshore-Banking, grenzüberschreitendes Bankgeschäft: In der Schweiz werden 2'000 Mrd. USD an offshore-Kundengeldern verwaltet. Das entspricht 27% des globalen Volumens. Die Schweiz ist damit weltweiter Leader.
  • Die Vermögensverwalter und Banken bezahlten in den letzten 10 Jahren rund 14.4 Mrd. CHF an Steuergeldern jährlich, was ca. 14% der gesamten jährlichen Steuereinnahmen bedeutet.
  • Die durchschnittliche Wertschöpfung aller Branchen in der Schweiz liegt bei 73 CHF/h. Jene in der Finanzindustrie beträgt 145 CHF/h, also eine äusserst hohe Arbeitsproduktivität.
  • Der Finanzsektor bezahlt den rund 237'000 Erwerbstätigen in der Branche (ca. 5% aller Erwerbstätigen) rund 33 Mrd. Löhne und Gehälter, was 9.4% der gesamtwirtschaftlichen Lohnsumme entspricht.
In Anlehung an Philipp Heumann in der WeWo30/31.11, Seite 79ff.

inkompatibler Grübel mit neuen Finanzmarktregulierungen

Die Politik schickt sich an, der UBS und anderen Banken strengere Kapitalvorschriften aufzubürden, und trägt damit wesentlich zur neuen Realität in der Bankenwelt bei. Eine Realität, die von mehr Sicherheit, Kontrolle und Bürokratie geprägt sein wird; in der aber auch die Erträge und mit ihnen die Boni spärlicher fliessen.

Grübel muss sich fühlen wie der Börsenhändler, der er im Grunde ist. Ein Trader, der gezwungen wird, eine Position glattzustellen, weil die Märkte gegen ihn laufen. Der einen Verlust realisieren muss, aber im Grunde überzeugt ist, recht zu haben.

Grübel ist eine jener Führungspersonen, die ihre Ziele mit Geradlinigkeit und ohne Rücksicht auf Verluste verfolgen. Darum war er der perfekte Mann, um das Steuer erst bei der CS und danach bei der UBS herumzureissen. Er agierte dabei in einer Finanzwelt, die er liebte und kannte wie wenig andere.

Grübel ist aber der falsche Mann, um die UBS auf eine Zukunft einzustellen, in der kleinere Brötchen gebacken werden. Nicht, weil er nun zu alt wäre. Nein, weil ihn diese neue Finanzwelt ganz offensichtlich anwidert und er, der sonst nie gezaudert hat, erstmals Mühe bekundet, rasch und konsequent zu handeln

Markus Städeli in der NZZaS vom 31.7.11, Seite 13.

Mittwoch, 3. August 2011

Wünschenswerte Entwicklungen in der Schweiz

  • Vielsprachigkeit: nebst den Landessprachen auch Englisch, Chinesisch, Japanisch, Russisch oder Spanisch.
  • Berufslehre: geringe Kosten und geringe Arbeitslosigkeit
  • Einschulung: müsste früher sein, Abschluss müsste ebenfalls früher erreicht werden.
  • Pensionierung: muss ersetzt werden durch eine Flexibilisierung, ein phasenweiser Rücktritt
  • Sozialwerke: düfen nicht mehr Leistungen versprechen, als bezahlt werden können.
  • Finanz- und Steuerwettbewerb: massive Vereinfachung, Steuererklärung auf einer Postkarte, Begrenzen der Staatsquote in der Verfassung
  • Umwelt- und Energiepolitik: Internalisierung der Kosten und Risiken,

    Dr. Gerhard Schwarz, Direktor der Denkfabrik Avenir Suisse in der WeWo30/31.11, Seite 61.

Dienstag, 2. August 2011

Slutwalks: Kampf gegen freiwillige Entscheide?

Von meiner Tochter weiß ich z.B., dass in Ihrer Altersstufe die Mädchen meistens viel besser in naturwissenschaftlichen Fächern abschneiden als Jungs. Solange es um die Pflichtfächer geht. Wenn man aber zu den Wahlfächern kommt, dann werden naturwissenschaftliche Fächer von den meisten Mädels ganz schnell abgewählt... stattdessen wird für etwas „unkompliziert weibliches“ entschieden. Freiwillig! Die sexuell aufreizende Kleidung wird aber spätestens ab dem 12.Lebensjahr getragen. Ebenso freiwillig!

Wo bleibt die wahre Emanzipation? Solange meine Tochter als etwas Exotisches betrachtet wird, weil sie sich für naturwissenschaftliche Fächern entscheidet, solange sie in einigen Kursen als einziges Mädchen mit zwanzig Jungs zusammen sitzt, braucht mir keine SlutWalkerin zu erzählen, dass sie für weibliche Emanzipation kämpft.

Fahrenheit 451 auf der Freitag

Warum sich Sluts aufreizend kleiden

Klar hat jeder das Recht, sich so zu bekleiden, wie er(m/w) es will. Meine Frage war: WARUM will man sich sexuell aufreizend bekleiden, ohne dass man dabei mit aufgereizten Männern Sex haben will? Was ist der Sinn? Was steht hinter dieser Haltung „Ich reize Dich auf, Du darfst mich aber nicht anfassen, und wie Du mit Deiner Aufregung klar kommst, ist eben Dein Problem“?

Nun, in meinen Augen sind es ganz banale Machtspielchen. "Ich habe die Macht (nicht nur körperliche, sondern auch gesetzlich und sittlich anerkannte), Dich zu aufreizen, und ich habe die Macht, Dich zuverweisen. ICH habe DEINE Gefühle im Griff und entscheide darüber, wie die Situation sich entwickelt."

Geht es bei der Emanzipation um die SELBSTBESTIMMUNG der Frau oder um ihre Fähigkeit, den Mann zu manipulieren und die Macht über ihn zu ausüben?
Fahrenheit 451 auf der Freitag

Samstag, 30. Juli 2011

Multikultivorbehalte in der Schweiz

Es gibt einen tiefen kulturellen Widerstand gegen Multikulturalismus, insbesondere gegenüber nicht-europäischen Ausländern.
Doudou Diène, Uno-Sonderberichterstatter gegen Rassimus, Intoleranz und Diskrimnierung.

Was sind keine Eheformen?

Es muss zunehmend bezweifelt werden, ob es ­gerechtfertigt ist, die christlich-bürgerliche Vorstellung der Ehe als monogame, auf Lebenszeit geschlossene und umfassende institutionalisierte Verbindung von Mann und Frau durch die Nichtanerkennung anderer Eheformen auch im internationalen Kontext durchzusetzen.
Andrea Büchler, Professorin für Privatrecht und Rechtsvergleichung sowie Direktorin des Center for Islamic and Middle Eastern Legal Studies (Cimels) an der Univer­sität Zürich im Jahr 2008 in einem wissenschaftlichen Aufsatz "Eheschliessungen im Ausland"
Sind polygame Ehen keine Ehen? Was sind Ehen? Nun, was sind keine?
  • Geschwisterehe - Ehen unter Blutsverwandten
  • Ehen zu Minderjährigen - da diese noch nicht rechtskräftige Entscheide treffen können.
  • Stellvertreterehen: Ehen, welche durch Verwandte, in Abwesenheit der Betroffenen getroffen werden.
Die Hürden bei Kinderehen sind aufgrund religiöser Toleranz schon bedenklich tief:
Die übliche Grenze liegt bei sechzehn Jahren.
Patrick Brozzo

Die Uno empfiehlt ein Mindestalter von fünfzehn.

Philipp Gut in der WeWo29.11, Seite 22ff.

Mittwoch, 27. Juli 2011

staatliche Indoktrination zur Überblendung der Multikulti-Problematik?

Wir brauchen eine massive Erziehungs- und Aufklärungskampagne; schon in den Schulen müssen die Kinder lernen, was es heißt, in einer multikulturellen Gesellschaft zu leben. Und wir müssen unseren Politikern sagen: Hört auf, ständig auf Multikulti zu schimpfen. Ob es einem nun passt oder nicht: Wir leben in einer multikulturellen Gesellschaft, und ihr schadet ihr schwer, wenn ihr sie beschimpft.
Liz Fekete, Leiterin der Europaabteilung des Institute of Race Relations (IRR) in London im Interview von Andrea Dernbach auf Cicero

Jetzt Haircut bei Griechenland

Die Verluste und Abschreibungen infolge einer Schuldenumstrukturierung Griechenlands dürften geringer sein, als das Ausmass der immer grosszügigeren Rettungspakete. Ein Schuldner wird nicht kreditwürdiger, indem man ihm mehr Geld gibt. Das Argument, grössere Staaten an den Rand des Ruins zu treiben, wenn bei Griechenland ein Haircut gemacht wird, zieht nicht, weil:

Schliesslich kann der „Eintritt des Schadensfalls“ langfristig durchaus positive Signalwirkungen haben – nicht zuletzt für ein finanziell nachhaltiges Gebaren anderer Länder. In der Vergangenheit hatten die Finanzmärkte und deren Anleger nämlich fast blindlings Staatschulden aus der EU gekauft und dabei auf die Ratings von Agenturen vertraut.

Das Abschreiben von Guthaben mahnt die Märkte künftig daran, Risiken sorgfältiger abzuschätzen und risikogerechte Zinsen zu verlangen. Dies wiederum zwingt die Staaten zu vermehrter Finanzdisziplin. Wie wir aus vielen Beispielen der Verhaltensökonomie wissen, erfolgt eine Verhaltensänderung meist nur aufgrund eines konkreten, möglichst selbst erlebten Ereignisses. Was wir schon wussten (und auch hoffen): Aus Schaden wird man klug.
Tilman Slembeck

Bankengeschäft zu komplex für Amtsstuben

Die Tätigkeit der Banken ist so schwierig und vielgestaltig, dass man nicht an eine staatliche Kontrolle denken kann. [...] Vor allem aber würde die amtliche Kontrolle den Verantwortungssinnn der Verwaltungsorgane schwächen und die Verantworltichkeit des Staates in gefährlicher Weise in Mitleidenschaft ziehen.
Hans Geiger, emeritierter Prof. für Bankwirtschaft an der UniZH in der WeWo29.11, Seite 19, zitiert aus der Botschaft des Bundesrates zum Erlass des Bankengesetzes von 1934.

Internationale Verträge kosteten 2010 über 1 Mrd. CHF

Wohin gehen die Schweizer Steuergelder?

  • 482 Seiten starker Bericht über über die im Jahr 2010 abgeschlossenen
    internationalen Verträge
  • 384 Abkommen aus den Departementen
  • Deza-Anteil an den Folgekosten: 8.8 mCHF; Seco: 24.9 mCHF; etc.
  • Total Verpflichtungen der Schweiz gegenüber anderen Staaten: 1'022'920'892 CHF.
  • Total versprochene Einnahmen der Schweiz aus internationalen Verträgen: unbekannt, wahrscheinlich weniger als 1 bnCHF.

In Anlehnung an Urs Paul Engeler in der WeWo29.11, Seite 18f.

Nimmt man die einzelnen Positionen genauer unter die Lupe dürfte grosses Einsparungspotenzial vorhanden sein.

Dienstag, 26. Juli 2011

Norwegen-Massaker: Ohnmacht lähmt Aufarbeitung

Sein Gesicht war so emotionslos. Er wirkte wie einer, der einfach ein bisschen den Rasen mäht.

Dieses Kalkül, diese Kaltblütigkeit erschreckt viele. Sogar mehr als das, es stösst auf blankes Unverständnis, auf Schock, bewirkt bei vielen eine Ohnmacht.

Die einzige Kategorie, die auf den Massenmord in Norwegen passt, ist Wahnsinn.
Frankfurter Allgemeine

Gibt es angesichts der Unbegreifflichkeit der Mordtaten von Oslo und Utøya irgendeinen sinnvollen Gedanken, der über die ersten Reflexreaktionen hinausgehen kann? Irgendeine Forderung, nach was auch immer, schärferen Waffengesetzen, Aufklärungsarbeit gegen rechts, irgendetwas? Bitte. Irgendetwas, das wir tun können in Zukunft, damit wir uns diesem Wahnsinn nicht so hilflos ausgesetzt sehen? So hart es klingt: Leider wird das sehr schwierig sein.
"Kein Schutz vor Wahnsinn" in der Financial Times Deutschland

Es gehört zu den Tugenden eines Generalstabsoffiziers, auch in brutalsten und turbulentesten Situationen einen klaren Kopf zu behanlten. Dies sehe ich aktuell nur bei der Süddeutschen Zeitung als gegeben.

Anders Behring Breivik hinterlässt ein riesiges Manifest. Wer wissen will, warum diese Tat geschah, kann die Gründe erfahren. Breivik verfolgte die Jugendlichen auf kaltblütige Art, denn er brauchte möglichst viele Opfer, um seinem Manifest das Gewicht einer Botschaft zu geben, die niemand ignorieren kann. Die Arbeit, diesen Ernst zu verstehen, darf man sich nicht ersparen - denn dies war nicht die Tat eines Verwirrten.
"Mission Massenmord" Süddeutsche Zeitung

Breivik selber giert nach Öffentlichkeit. In seinem wirren, 1500 Seiten
langen Manifest hatte er angekündigt: Die Zeit nach einer möglichen Festnahme
will er als «Propagandaphase» nutzen. Vor dem Haftrichter wolle er die Motive
für den Kampf gegen den Multi-Kulti-Staat und die Marxisten öffentlich darlegen.

Sogar die Justiz ist gelähmt vom Ausmass dieser Tat: Sie verordnet ihm 8 Wochen Untersuchungshaft, vier davon in absoluter Isolation, weil immer noch eine Gefahr vom Täter ausginge.

Zuvor hatte der Richter entschieden, die Anhörung unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchzuführen.

Sitzt der Täter hinter Gitter geht keine physische Gefahr mehr von ihm aus. Doch in der Ohnmacht, in der sich auch die Justiz befindet, stellen sie den Täter still, damit er seine Nachricht nicht öffentlich erläutern kann. Das ist feige: Wäre die Justiz und mit ihr unser ganzer Staatsapparat dermassen auf der richtigen Linie mit der aktuellen Politik, dürfte es ihr ein leichtes sein, die "wirren" Ideen von Breivik zu entkräften. Sie stellt sich diesem Diskurs nicht. Hoffentlich ist es lediglich eine vorübergehende Lähmungserscheinung und die Debatte wird noch stattfinden. Sie ist notwendig.

Mein Mandant verlangt kein Verständnis für die Taten. Er meinte, in 60 Jahren würde die Gesellschaft verstehen, was er getan hat. Er sagte, er befinde sich im Krieg.
Verteidiger Lippestad zur norwegischen Zeitung «Aftenposten»


Zitate zusammengstellt im Blick am Abend vom 25.07.2011, Seite 2-5.

Rückzug aus öffentlichem Raum wegen Rassismus?

Zwei Männer haben am Sonntag gegen Mitternacht am Bahnhof Aarau mit einem Messer auf einen Eritreerer eingestochen.

Das ist zu 100 Prozent ein rassistisch motivierter Angriff.
Ein in Mogadischu - äh, nein, natürlich Zürich - wohnhafter Eritreer

Wir wissen von schwarzen Menschen, die sich von öffentlichen Orten wie Bahnhöfen aus Angst vor Übergriffen fernhalten.
Svenja Witzig, Projektleiterin beim Kompetenzzentrum für interkulturelle Konflikte (TikK)

Jaja, witzig, die Frau Witzig. So idyllisch ich ihre "Befürchtung" auch finde, so unwahr ist sie auch: Ich sehe täglich hunderte, die sich anders verhalten.

Ungesunder Menschenverstand

Der angeblich gesunde Menschenverstand (common sense) läuft häufig grundlegenden ökonomischen Einsichten zuwider, was zu politischen Entscheidungen mit sehr «ungesunden» Konsequenzen führt. Bei Abstimmungen in Parlamenten oder bei Volksentscheiden stehen immer wieder wirtschaftliche Fragen im Mittelpunkt, werden aber auf die Seite geschoben, weil angeblich Wichtigeres wie Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit oder Sicherheit auf dem Spiel stehen. Werden wirtschaftliche Aspekte dennoch thematisiert, dann häufig im Rahmen eines erschreckenden ökonomischen Analphabetismus.

Vorschriften – seien es Gebote oder Verbote – haben immer unbeabsichtigte Konsequenzen. Auch das ist eine leidige ökonomische Wahrheit.

Silvio Borner in der WeWo29.11, Seite 13.