Der haircut müsste so gross wie der am Markt gehandelte Abschlag auf den Nennwert sein, also statt der beschlossenen zwanzig Prozent knapp fünfzig Prozent. Ausserdem sollten die ausgegebenen Ersatzanleihen nicht zu hundert, sondern zu achtzig Prozent besichert sein. Vor allem aber sollte man die Hilfen auf die fälligen Anleihen beschränken, damit Griechenland einen Anreiz behält, an seiner Bonität zu arbeiten, und die Rettungssummen begrenzt bleiben.
Wäre es denkbar, dass Griechenland aus der Euro-Zone austritt?
Das wäre für Griechenland der einfachere Weg.
Weshalb?
Wenn das Land beim Euro bleibt, muss es im Euro-Raum abwerten, um billiger zu werden. Das ist sehr schwierig, weil Athen Millionen von Preisen und Löhnen senken müsste. Es gäbe bei den Tarifpartnern ein Hauen und Stechen. Zudem würden die Firmen der Realwirtschaft in den Konkurs getrieben, weil deren Aktiva an Wert verlieren, während ihre Bankschulden unverändert hoch bleiben. Das liesse sich nur vermeiden, wenn Griechenland aus dem Euro-Land austritt und dann seine neue Währung abwertet.
Hans-Werner Sinn, Ifo-Institut, im Interview von Pierre Heumann in der WeWo30/31.11, Seite 19.
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Samstag, 13. August 2011
Griechenland: Haircut oder Euro-Austritt
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Mittwoch, 27. Juli 2011
Jetzt Haircut bei Griechenland
Die Verluste und Abschreibungen infolge einer Schuldenumstrukturierung Griechenlands dürften geringer sein, als das Ausmass der immer grosszügigeren Rettungspakete. Ein Schuldner wird nicht kreditwürdiger, indem man ihm mehr Geld gibt. Das Argument, grössere Staaten an den Rand des Ruins zu treiben, wenn bei Griechenland ein Haircut gemacht wird, zieht nicht, weil:
Schliesslich kann der „Eintritt des Schadensfalls“ langfristig durchaus positive Signalwirkungen haben – nicht zuletzt für ein finanziell nachhaltiges Gebaren anderer Länder. In der Vergangenheit hatten die Finanzmärkte und deren Anleger nämlich fast blindlings Staatschulden aus der EU gekauft und dabei auf die Ratings von Agenturen vertraut.
Das Abschreiben von Guthaben mahnt die Märkte künftig daran, Risiken sorgfältiger abzuschätzen und risikogerechte Zinsen zu verlangen. Dies wiederum zwingt die Staaten zu vermehrter Finanzdisziplin. Wie wir aus vielen Beispielen der Verhaltensökonomie wissen, erfolgt eine Verhaltensänderung meist nur aufgrund eines konkreten, möglichst selbst erlebten Ereignisses. Was wir schon wussten (und auch hoffen): Aus Schaden wird man klug.
Tilman Slembeck
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