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Freitag, 27. Januar 2012

Grübels Albisgüetli-Rede

Die Grundlage: Fakten statt Vertrauen
...dass die ungeheure Transparenz, die wir in den letzten Jahren mit Hilfe einer ständig verbesserten Technologie geschaffen haben, Vertrauen durch Fakten ersetzt. Das ist für uns Menschen kein einfacher Prozess. Es ist viel bequemer, zu vertrauen, als sich mit Fakten herumzuschlagen. (...) Im Prinzip sollten wir froh sein, dass wir mehr Fakten haben und weniger vertrauen müssen. (...) Fakten sind oft unangenehm, weil sie unseren Glauben zerstören und Lügen aufdecken können. (...) mehr auf Fakten zu konzentrieren, als kopflos in Panik zu verfallen

Zum aktuellen Stand der Schweizer Banken
Ich bin seit fünfzig Jahren im Bankgeschäft tätig und kann Ihnen deshalb versichern, dass die Banken heute besser sind als vor fünfzig Jahren. (...) [Heute haben wir] schon wieder die am besten kapitalisierten Grossbanken in Europa, aber auch die zukünftig strengsten Kapitalvorschriften. Da inzwischen alle Länder mit globalen Banken höhere Kapitalanforderungen stellen, wenn auch nicht in dem Masse wie bei uns, werden wir künftig mit schrumpfenden globalen Banken konfrontiert werden.

Zukunft der Schweizer Grossbanken
[Staatsverschuldungen und schrumpfende Banken ergibt wenig oder kein Wachstum] Das macht es noch schwieriger, die guten Vorhaben umzusetzen. Nach einer Periode der Globalisierung, die über die Jahrzehnte die Armut halbiert und Hunderten von Millionen Menschen Arbeit gegeben hat, scheint es mir, dass wir in der Weltwirtschaft einen Schritt zurückgehen. (...) Das Privatbankengeschäft verändert sich, für viele Kunden ist die Schweiz nicht mehr das einzige Land, das für sie als Bankenplatz in Frage kommt. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle, hauptsächlich aber die sich stetig erhöhende Transparenz, getrieben von Technologie und politischem Druck und den Verwirrungen um das Bankgeheimnis. Die Grossbanken wachsen schon heute stärker ausserhalb der Schweiz als in der Schweiz, und ich glaube, dass dieser Trend anhalten wird. (...) Weiterhin erfordern die neuen Kapital- und Liquiditätsvorschriften eine erhebliche Reduktion des internationalen Bankgeschäfts. (...) Unsere Banken werden durch einen schmerzlichen, aber auch notwendigen Anpassungsprozess im internationalen Geschäft und im Privatbankengeschäft hindurchgehen. Das wird zu grossen Liquiditätsreduktionen in den lokalen und internationalen Wertschriften- und Finanzmärkten führen.

To big to fail gibts nicht - Verantwortung ist unteilbarIch bin überzeugt, dass der Fall UBS, bei dem erschwerend die Steuerproblematik mit den USA hinzukam, sich nicht wiederholen wird. Weiterhin wird auch gesagt, dass die Grossbanken zu gross seien, um erfolgreich geführt zu werden. Grössere Banken ausserhalb der Schweiz zeigen, dass es möglich ist. Wo wir uns verbessern können, ist auf Klarheit in der Führung und Verantwortung zu achten. Der CEO oder Geschäftsführer soll und muss die volle Verantwortung für das Geschäft haben und kann sie nicht mit dem Verwaltungsratspräsidenten teilen, denn Verantwortung ist nicht teilbar. Unternehmen können nicht von Gremien geführt werden.

Mehrwert ausländischer Gelder für die Schweiz
Der Zufluss ausländischen Geldes in unser Land ist von grösster Bedeutung für die Wirtschaft, hat er uns doch in den vergangenen Jahrzehnten einen Zinsvorteil von einem bis zwei Prozent verschafft. Das heisst, dass sich unsere Industrie, und auch wir privat, mit Hypothekarkrediten über Jahrzehnte billiger refinanzieren konnte als die ausländische Konkurrenz. Das hat erheblich zum Wohlstand beigetragen. Allein das Hypothekarkreditvolumen von zirka 650 Milliarden Franken und das Industriekreditvolumen von rund 350 Milliarden Franken machen uns jedes Jahr durch den Zinsvorteil um 10 bis 20 Milliarden reicher.

Bankgeheimnis und Abgeltungssteuer[Ich halte die] bilateralen Verhandlungsweg betreffend Abgeltungssteuern für wenig erfolgreich. Wir sollten lieber gleich mit der EU verhandeln, wenn wir uns schon als Steuereinzieher für andere Staaten bewerben. (...) Das Bankgeheimnis hat für Jahre als Verkaufsargument ausgedient, und wir werden weiter von verschiedenen Staaten unter Druck gesetzt werden, mehr Transparenz zu schaffen. Die langanhaltende Euro-Krise wird sich negativ auf das Ertragspotenzial der Banken auswirken. Die Schweizer Grossbanken werden aber viel besser kapitalisiert sein als ihre europäischen Konkurrenten. Der Euro wird vorerst als Währung überleben und sogar seinen Wert gegenüber dem Dollar halten können. Die Weltwirtschaft wird wenig oder gar nicht wachsen.

Europa- und Euro-MisereFerner glaube ich, dass im Euro-Land die Konsolidierung der Banken noch nicht abgeschlossen ist und noch verschiedene Stresssituationen auf uns warten. Der Euro geht durch seine erste grosse Krise als künstliche Währung, ausgelöst durch die Einsicht, dass die Verschuldung der Euro-Staaten doch zu hoch sein könnte. Eine weitere Erkenntnis ist, dass kein Staat gezwungen werden kann, aus der Euro-Zone auszutreten, weil sonst das ganze Gebilde auseinanderfallen würde. Nur die einzelnen Staaten selbst können über einen Austritt entscheiden. Das stellt die Politik vor eine fast unlösbare Aufgabe, denn alle müssten sich unbeschränkt haftbar für den Euro erklären. Deshalb wird der Prozess der Erkenntnis noch eine Weile dauern.

Für eine starke WährungWir in der Schweiz haben uns entschlossen, den Schweizer Franken durch einen fixen Wechselkurs an die künstliche Euro-Währung zu binden. Die Erklärung dafür war der Erhalt der Arbeitsplätze in der Exportindustrie und im Tourismus. Wenn das auf Dauer funktionieren würde, müssten eigentlich alle Länder mit einer schwachen Währung Exportmeister sein, die USA beispielsweise. Auch dort, im Weissen Haus, hat man versucht, mich von der Theorie zu überzeugen, dass ein schwacher US-Dollar die Arbeitslosenzahlen senkt und die Wirtschaft ankurbelt. Leider bleiben die Beweise aus, und man kann sogar argumentieren, dass der umgekehrte Fall richtig ist. Eine starke Währung ist besser für die Industrie, siehe Japan oder Deutschland. Starke Währungen haben Vorteile, sie senken die Preise, fördern Innovation und Automation und verbessern den Lebensstandard, speziell in einem reichen Land wie der Schweiz. Eine zehnprozentige Abwertung des Frankens reduziert unser Vermögen um 300 Milliarden. Wir müssen also sehr überzeugt sein von dem, was wir erreichen wollen, und davon, dass es den gewünschten Effekt haben wird, denn sonst wird es zur grössten politischen Subvention aller Zeiten.

Die wichtigsten Auszüge aus der Rede von Oswald Grübel anlässlich der 24. Albisgüetli-Tagung vom 20.01.2012, abgedruckt in der WeWo4.12, Seite 32ff.

Samstag, 14. Januar 2012

Ron Paul for President


  • Trotz seinem fortgeschrittenen Alter fliegen ihm vor allem die Sympathien ­gemässigt konservativer Jungwähler zu.
  • Trotz seiner teils brachialen Slogans ist er im Internet ungebrochen ein Idol einer überdurchschnittlich gebildeten Klientel.

Fünf Ministerien würde er sofort ­abschaffen. Die Bürokratie um zehn Prozent abspecken. Er würde roden im Gesetzeswald, Sozialprogramme aufheben, die Einkommenssteuer würde er abschaffen, und die Steuer­behörde IRS gleich damit. 
Paul will US-Truppen aus den Stützpunkten der Welt abziehen, keine Kriege mehr führen, nicht einmal viel Aussenpolitik möchte er betreiben. (...) Nicht die Armee an sich, sondern deren Einmischung an allen Ecken der Erde sei Amerika zum Verhängnis erwachsen. Paul ist überzeugter Isolationist. 9/11 sei die «Antwort der islamischen Welt auf die militärischen ­Interventionen» der USA gewesen.
Deshalb hat er doppelt so viele Spenden von aktiven Soldaten erhalten wie alle anderen Republikanter-Kandiaten zusammen
Paul ist ein Prototyp des libertären Politikers. Der Markt? Lasst ihn schrankenlos walten! Marihuana? Legalize it! Die Regierung? In ihr wähnt Paul den Feind der Freiheit. Überhaupt der Staat – seinen Einfluss gelte es radikal zurückzubinden.

Auch vermeintlich karitative Auslandhilfe ist Paul ein Dorn im Auge: «Sie nimmt Geld von armen Leuten in reichen Ländern und gibt es reichen Leuten in armen Ländern.» Selbst als Mutter Teresa die Goldmedaille des Kongresses verliehen wurde, war er dagegen.

keine grosse Liebe für den Judenstaat 
Er ist der Überzeugung, dass Regierungen daran gehindert werden sollten, die Währung abzuwerten. Die Notenbank (Fed) hält er für eine gefährliche und verfassungswidrige Institution. Das Geld, das sie drucke, führe zu Inflation, Finanzblasen und Wirtschaftskrisen, schreibt er in ­einem Buch mit dem programmatischen ­Titel «End the Fed», das er nach dem Finanzkollaps 2008 verfasst hatte und das sofort zum Bestseller ­wurde.

Einige Jahre später dinierte Paul mit dem Nobelpreisträger Friedrich Hayek (1899–1992). Dessen Forderung der Denationalisierung des Geldes hat Paul wegweisend geprägt. Seither kämpft er für die Aufhebung der Monopolmacht der Notenbank und die Wiedereinführung des Goldstandards. Mit anderen Worten: Paul will die Vorschrift aus dem Weg räumen, laut der der Dollar «gesetzliches Zahlungsmittel» ist, und es jedem erlauben, mit Gold oder Silber zu bezahlen.

Urs Gehriger in der WeWo2.12, Seite 44f.

Sonntag, 8. Januar 2012

EU: Einsicht statt unendlicher Diskussionen


Statt sich in Diskussionen über die technische Lösung des Schuldenproblems zu verlieren, sollten die Politiker sich eingestehen, dass das auf dem Giesskannenprinzip beruhende europäische Modell des Wohlfahrtsstaates und der gemeinsamen Währung gescheitert ist.
Kurt Schiltknecht in der WeWo49.11, Seite 23.

Sonntag, 13. November 2011

Auch Demokratie ist Günstlingswirtschaft

Solange es darum ging, die Wähler mit Subventionen, Privilegien, Renten und Staatsstellen bei Laune zu halten, haben [Papandreou und Berlusconi] gut funktioniert. Dem Sturm von ausufernden Defiziten, Schulden und rasant steigenden Zinsen standen sie aber hilfslos gegenüber. Berlusconis Hinterlassenschaft von 2000 Milliarden Euro Schulden passt unter keinen Rettungsschirm und hat das Potenzial, die europäische Einheitswährung zu sprengen.

dah in der NZZaS vom 13.11.11, Seite 19.

Donnerstag, 10. November 2011

Transferunion wird EU sprengen


Ich war (...) von Anfang an Euro-Skeptiker. Ich fand die Euro-Einführung falsch. (...) Ich fand es falsch, so unterschiedliche Staaten mit einer Einheitswährung zusammenzubinden. Die Erfolgschancen einer gemeinsamen Geldpolitik für einen so heterogenen Verbund erschienen mir gering. Noch grösser aber war meine Sorge, dass die Euro-Einführung eine Vergemeinschaftung von Schulden und eine Verwischung der finanzpolitischen Verantwortungen bewirken würde. Mit anderen Worten: Die soliden Staaten kommen für die Schulden der Schlendrianstaaten auf. Genau das beobachten wir heute. Ich fürchte, dass aus dieser Entwicklung hin zur Transferunion politische Spannungen erwachsen, an denen die EU zerbrechen könnte.
Die grösste Gefahr sehe ich darin, dass die EU jetzt die Weichen falsch stellt und zur Transferunion wird, die Schulden vergemeinschaftet und weiter zentralisiert. Das wird die Situation kurzfristig beruhigen, aber langfristig zu politischer Instabilität führen.

Ernst Baltensperger im Interview von Roger Köppel in der WeWo 44.11, Seite 48ff.

Montag, 24. Oktober 2011

Griechischer Schuldenschnitt längst überfällig

Herr Minsch, wird es am Mittwoch am EU-Schuldengipfel zum grossen Wurf kommen? Leider nicht, wie ich befürchte. Die Regierungschefs werden ihre bisherige Politik beibehalten – nämlich diejenige der kleinen Schritte und Notwendigkeiten.

Wäre ein Schuldenschnitt eine gute Lösung des griechischen Schuldendebakels? Er ist die einzige Lösung. An einem Schuldenschnitt von 50 bis 60 Prozent für Griechenland führt kein Weg vorbei.

Warum zögern denn die EU-Politiker immer noch, ihn durchzusetzen – obwohl die Schuldenbombe tickt? Weil niemand die Folgewirkungen eines Schuldenschnitts genau abschätzen kann. Die Politiker haben Angst vor einem Flächenbrand und davor, dass die europäischen Banken zusammenbrechen.

Gibt es überhaupt noch Hoffnung für die Eurozone? Ja, wenn die Politik endlich die Weichen stellt und nicht mehr lange zuwartet. Dann können die Euroländer knapp am Abgrund vorbeischrammen und mit einem blauen Auge davonkommen.

Gibt es überhaupt noch Hoffnung für die Eurozone? Ja, wenn die Politik endlich die Weichen stellt und nicht mehr lange zuwartet. Dann können die Euroländer knapp am Abgrund vorbeischrammen und mit einem blauen Auge davonkommen.
Rudolf Minsch ist Chefökonom des Schweizer Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse im Interview von von Valeska Blank in 20min vom 24.10.2011, Seite 17.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Soviel kostet uns die EU


Regulierungskosten für KMU (mehr als 10% von 50bnCHF)
Betragen gemäss einer Untersuchung des Schweizerischen Gewerbeverbands (SGV) in Zusammenarbeit mit der Beratungsunternehmung KPMG und der Universität St. Gallen jährlich 50 Milliarden CHF. Untersuchungen an der Universität Bern kommen zum Schluss, dass jede zweite Gesetzesvorlage in irgendeiner Form EU-Recht adaptiert.

Schwacher Euro (48bnCHF)
Ohne dass die Stärke des Frankens wirklich gebrochen werden konnte, kaufte die SNB im Zeitraum 2009/10 ca. 240 bnEUR. Die Wechselkursverluste aufgrund des Versager-Euros betragen 48 bnCHF.

NEAT (36% von 24bnCHF)
Kostete 24 bnCHF. Gemäss Bundesamt für Statistik (BfS) besteht der Schienengüterverkehr in der Schweiz zu 36% aus reinem Transit, gemessen an transportierten Tonnen.

Einwanderung in den Sozialstaat
„Die Kosten der Migration“ oder so ähnlich, wurden 1993 das letzte Mal erhoben und am 28.Mai 2003 und 23. September 2005 nicht aktualisiert, da diese zu komplex und nicht ausweisbar seien.
Durchschnittliche Höhe der Sozialhilfe beträgt 25‘000 CHF. Bei 2.8% der 247‘000 Einwanderer seit 2002 ergibt dies 1,7 bnCHF. Dazu kommt die IV mit jährlich gut 2,3 bnCHF für Ausländer (1,3 bnCHF davon für Schengen-Bürger).

Kohäsionsmilliarde: 1,257 bnCHF
Siehe Eco „Auf der Suche nach der Kohäsionsmilliarde“. Einige EU-Bürokraten sind der Meinung, dass es langsam an der Zeit für eine zweite Kohäsionsmilliarde wäre.

EU-Programme (ca. 0.5bnCHF)
Für Forschungsagenturen wie Galileo,

IWF-Kredit ( gut 100 mCHF)
Bei Zahlungsausfall von Griechenland.
Florian Schwab in der WeWo38.11, Seite 28f.

Starker Franken und Negativzinsen am Bsp EMS


In den 70er-Jahren erlebte ich den Übergang von festen zu flexiblen Wechselkursen. Am Sonntag wurden die Kurse freigegeben, und der Dollar fiel am Montag gleich von 4.30 CHF auf 3.80 CHF. Ich musste damals ein Verwaltungsratsprotokoll schreiben, mit den schlimmsten Voraussagen. Der Verwaltungsrat glaubte tatsächlich, dass die Ems-Chemie als Exportunternehmen in der Schweiz keine Zukunft mehr habe. Zu dieser Zeit war der Umsatz rund 200 Millionen, davon 30 Prozent im Export. Heute liegt der Dollar bei etwas über 80 Rappen, und die Ems macht 1,2 Milliarden Franken Umsatz, davon 96% im Export. Ems hat trotz starkem Franken überlebt. Der starke Franken machte die Firma stärker, weil er die Firma forderte – auf der Innovations- und der Kostenseite; der Kurs dämpft auch deutlich die Inflationsrate. 
Auf längere Sicht stärkt der starke Franken die Unternehmen, und wenn die Konjunktur sich verschlechtert, wird der Kurs wieder sinken. Die Teuerung wird gebremst, weil Rohstoffe wie Öl, Benzin, Eisen billiger werden. Ohne Frankenaufwertung hätten wir eine Überhitzung, und in guten Zeiten werden die Firmen übermütig. Man macht keine Kostensenkungen, der Innovationsdruck nimmt ab. Heute läuft es vielen Exportfirmen enorm, und hier hat der starke Franken eine disziplinierende Wirkung. Er zwingt die Unternehmen, produktiv und innovativ zu bleiben. Zudem: Wegen des starken Frankens hört die Schweiz auf, Dinge zu produzieren, die sie nicht produzieren sollte, zum Beispiel Billigsprodukte. 
Negativzinsen wurden bereits einmal eingeführt und sie haben sich nicht bewährt. Es hatte genau den gegenteiligen Effekt. Ein Staat, der Negativzinsen verlangt, sendet ein falsches Signal aus; nämlich: Unsere Währung ist extrem stark und solide, und das Vertrauen und die Nachfrage werden erst recht nach oben getrieben. Der Kurs des Schweizer Frankens steigt.Christoph Blocher im Interview von Roger Köppel in der WeWo25.11, Seite 27.

Euro-Problem: Ursache und Lösung


Was auch immer mit den Griechen passiert: Sie müssen, tot oder lebendig, in der Euro-Zone bleiben, damit der Euro überlebt als vitales Symbol einer politischen Einheit, die es in Wahrheit nie gegeben hat. 
Richtig wäre eine Entflechtung:
  1. Griechenland muss entschuldet werden, auch auf Kosten der Banken.
  2. Deutschland und Frankreich sollten selber für ihre wankenden Banken geradestehen
  3. Die Euro-Zone hat Fluchtwege und Ausstiegsklauseln zu entwickeln.
Der Euro wurde durchgesetzt als Klammer der Einheit. Heute ist er eine Zwangsjacke, die Länder vereint, die ökonomisch nicht zusammenpassen. Die erzwungene Nähe schafft Zwietracht. Der Euro ist zum Brandbeschleuniger des Nationalismus geworden. Er schürt die Ressentiments, für deren  Beseitigung er geschaffen wurde.Roger Köppel in der WeWo25.11, Seite 5.

Dienstag, 13. September 2011

Behebung des Fehlers Euro

Seien wir doch ehrlich: Der Euro ist in seiner jetzigen Form am Ende.

Das Auftreten der Verantwortlichen in der Öffentlichkeit ist nicht wahrhaftig, da wird gelogen, weil man zu feige ist, uns reinen Wein einzuschenken.

Daher ist meine Prognose: In der jetzigen Form wird es den Euro spätestens in zwei Jahren nicht mehr geben.

Es wird eine Art Nord-Euro geben von Ländern, die bei etwa gleicher Produktivität bereit sind, ihre Steuersätze, sprich ihre Fiskalpolitik anzugleichen. Man müsste die Südländer - also Griechenland, Spanien, Portugal und womöglich auch Italien - überzeugen, dass es ihnen helfen würde, zunächst aus der Währungsunion auszutreten: und dies zu ihrem eigenen Vorteil. Man könnte ihnen dann direkt helfen. Das Problem ist doch, dass man bei der Unterzeichnung der Verträge noch nicht einmal eine Ausschlussklausel aus der Eurozone vereinbart hat.

Natürlich wird es Europa auch weiterhin geben. Und es wäre schön, wenn wir irgendwann so etwas wie die Vereinten Staaten von Europa bekämen. Erst einmal muss man heute aber erkennen, welche Fehler in der Vergangenheit begangen wurden, und sie korrigieren. Das fing schon mit der Erweiterung an: Da wurden Länder aufgenommen, ohne dass man konkrete Regeln festgelegt hätte, unter welchen Bedingungen man sich zusammenschließt. Ein Kardinalfehler. Dann hat man weitere Fehler gemacht, indem man die Währungsunion beschloss, ohne entsprechende Vereinheitlichungsmaßnahmen zu vereinbaren.

Wenn sie in Zukunft die Voraussetzungen auf den Gebieten Fiskalpolitik, Produktivität, Bekämpfung von Korruption und Bürokratie erfüllen, können [die Südländer] gerne wieder eintreten. Unter den heutigen Umständen aber darf kein Geld mehr fließen. Die Euro-Bonds halte ich ohnehin für Unsinn. Und der geplante Rettungsschirm ist nichts als „wasting money“.

Peter Krämer im Interview von Marion Kraske auf Cicero.

Sonntag, 11. September 2011

Es braucht einen Nord- und einen Süd-Euro

Die Griechen leisten sich einen luxuriösen Sozialstaat (frühe Renten) und ein überdimensionierten Beamtenappart. Es kommt nicht in Frage, dass EU-Staaten welche erfolgreicher, sparsamer und effizienter wirtschaften, diesen Schlendrian finanzieren müssen. Deshalb braucht es eine Aufspaltung des Euros in eine Nord- und einen Südeuro. Dies könnte durch die EZB koordiniert werden. Der Südeuro würde massiv abgewertet und böte den Dolce-Vita-Staaten die Möglichkeit, sich langsam zu entschulden. Nur dieses Szenario wird der unterschiedlichen Wettbewerbsfähigkeit gerecht, ohne ganz Europa in den finanziellen Ruin zu reissen.

In Anlehnung an Thomas Matter in der WeWo34.11, Seite 44.

Samstag, 3. September 2011

Euro-Korsett berstet bei Wetterumschwung

Die Zinssätze von 10jährigen Staatsanleihen verdeutlichen, worum es sich beim Euro handelt: Um ein politisches Korsett, resultierend aus dem Willen einen gemeinsamen europäischen Nenner herbei zu zwingen, unter Ausblendung wirtschaftlicher Realitäten, der folglich nur bei schönem Wetter vor sich hin derben kann, jedoch spätestens bei einer echten Konfrontation mit der Realität zu Grabe getragen werden muss.


NZZaS vom 28.8.11, Seite 33.

Samstag, 13. August 2011

Griechenland: Haircut oder Euro-Austritt

Der haircut müsste so gross wie der am Markt gehandelte Abschlag auf den Nennwert sein, also statt der beschlossenen zwanzig Prozent knapp fünfzig Prozent. Ausserdem sollten die ausgegebenen Ersatzanleihen nicht zu hundert, sondern zu achtzig Prozent besichert sein. Vor allem aber sollte man die Hilfen auf die fälligen Anleihen beschränken, damit Griechenland einen Anreiz behält, an seiner Bonität zu arbeiten, und die Rettungssummen begrenzt bleiben.

Wäre es denkbar, dass Griechenland aus der Euro-Zone austritt?
Das wäre für Griechenland der einfachere Weg.

Weshalb?
Wenn das Land beim Euro bleibt, muss es im Euro-Raum abwerten, um billiger zu werden. Das ist sehr schwierig, weil Athen Millionen von Preisen und Löhnen senken müsste. Es gäbe bei den Tarifpartnern ein Hauen und Stechen. Zudem würden die Firmen der Realwirtschaft in den Konkurs getrieben, weil deren Aktiva an Wert verlieren, während ihre Bankschulden unverändert hoch bleiben. Das liesse sich nur vermeiden, wenn Griechenland aus dem Euro-Land austritt und dann seine neue Währung abwertet.

Hans-Werner Sinn, Ifo-Institut, im Interview von Pierre Heumann in der WeWo30/31.11, Seite 19.

Montag, 16. Mai 2011

Irrweg Euro-Rettungspakete


Bei der Euro-Rettung setzt die EU auf falsche Diagnosen und untaugliche Rezepte. Griechenland braucht eine Umschuldung, auch wenn deutsche und französische Banken einen Teil der Lasten tragen müssen. Anderenfalls droht nicht nur ein Zerfall der Eurozone, sondern der gesamten Union.

Die Krise wird sich nur lösen lassen, wenn die EU endlich umdenkt und eine Umschuldung zulässt. Andernfalls droht nicht nur ein Zerfall der Eurozone, sondern der gesamten Union. Griechenland ist zur Schicksalsfrage für Europa geworden.

aus blanker Not geborenes EU-Rettungspaket (...) ein schwerer Fehler (...) hektisch einberufene und dilettantisch umgesetzte Krisensitzung der Euro-Finanzminister

Die 2010 gewährten Notkredite über 110 Mrd. Euro reichen nicht aus, Griechenland kann sich nicht wie geplant schon 2012 wieder über die Märkte finanzieren. Weitere Milliardenhilfen werden fällig, wenn das Land nicht pleitegehen und aus dem Euro aussteigen soll.


Wenn Griechenland seine Schulden bis 2035 auf die erlaubten 60 Prozent des BIP senken will, müsste es einen primären Budgetüberschuss von mehr als sechs Prozent erzielen, haben die Wirtschaftsforscher vom Brüsseler Thinktank Bruegel errechnet. In der neueren Geschichte hat dies noch kein Land der Welt geschafft. Nur eine Umschuldung oder eine Streckung der Rückzahlungen könnte Athen wirklich entlasten.

Wenn Griechenland versucht, eine sogenannte interne Abwertung in dem nötigen Umfang von 20 bis 30 Prozent im Euroraum durch Kürzung von Löhnen und Preisen hinzukriegen, geriete es an den Rand des Bürgerkrieges. (...) Griechenland soll die Eurozone verlassen und die Drachme wieder einführen.
Hans-Werner Sinn Ifo-Chef

Ein überstürzter Austritt, da haben die EU-Politiker schon recht, wäre ein Rezept für ein Desaster. Die griechischen Banken würden zusammenbrechen, Irland, Portugal und womöglich auch Spanien und Italien gerieten in den Abwärtsstrudel. Ein trotziges „Weiter so“ ist jedoch auch keine Lösung. Erst wenn die EU den Tatsachen ins Auge schaut, falsche Diagnosen korrigiert und untaugliche Rezepte verwirft, kann der griechische Patient sich wieder erholen. Und erst wenn die Politiker aufhören, Unsinn über ihre phantastischen „Rettungspläne“ zu erzählen, werden Bürger und Märkte wieder Vertrauen fassen.

Eric Bonse auf Cicero

Donnerstag, 10. Februar 2011

europäische Integration

Die heutigen Probleme gehen darauf zurück, dass die EU zuerst die wirtschaftliche Integration erfolgreich hätte abschliessen müssen und erst dann die politische hätte angehen sollen. Erst am Schluss dieses Weges hätte dann eine gemeinsame Währung gestanden. Qualität und Quantität sind eben nicht das Gleiche. Das gilt auch für die einzelnen EU-Mitglieder.
Hans-Ulrich Doerig im Interview von Carmen Gasser und René Lüchinger in der WeWo5.11, Seite 48ff

Sonntag, 11. Juli 2010

10 Regeln zur Unterstützung des Euro

  1. Staatshilfen (Bail-outs) nur bei Einstimmigkeit der Unterstützerländer und des IWF
  2. Staatshilfen in Form von Krediten zu einem Zinssatz von 3.5% über dem europäischen Durchschnitt
  3. Verzicht der Gläubiger auf Staatsanleihen von 5% pro Jahr seit Emission
  4. Unterstütztes Land untersteht fortan einer EU-Kommission welche Sanierungsmassnahmen beschliesst
  5. keine andere Hilfssysteme, welche diese Regelungen unterlaufen, sobald diese greifen müssten.
  6. Defizitgrenze in Abhängigkeit der Schulden, diese in Abhängigkeit des BIP definieren
  7. finanzielle Strafen bei Übertreten dieser Grenze, sowie Stimmrechtsentzug
  8. Eurostat ist befugt, den Datenerhebungsprozess der nationalen Behörden zu kontrollieren.
  9. Austritt aus dem Euro-Verbund durch Mehrheitsentscheid der Mitglieder.
  10. freiwilliger Austritt jederzeit möglich.
Wolfgang Franz, Clemens Fuest, Martin Hellwig und Hans-Werner Sinn in der FAZ vom 18. Juni 2010.

Montag, 19. Mai 2008

forget about the USA

Gefoppt von den Wallstreet-Brokern stieg die UBS in hochriskante Märkte ein, in der Meinung, dort die grossen Gewinne einfahren zu können. Doch die UBS kann die verlorenen paar Dutzend Milliarden wohl kaum je in den USA wieder einspielen.

Währungspolitik
  • enorme Handelsbilanzdefizite
  • sinkende Zinsen
  • laufender Dollarzerfall
Finanzmarktpraktiken
  • schikanöse Regulierungen
  • allfällige Geschäftsmöglichkeiten unterliegen den Risiken auf dem US-Markt.
  • Die Haushalte und der Staat der USA (...) "entsparen" nach Kräften und hängen von der Kreditzufuhr ab. (...) Die Geldzufur in die USA könnte versiegen.
Rechtsunsicherheit
  • irritierende Sammelklagen: aufgewärmte Klagen wegen der Apartheid Südafrikas, nachdem vor fast vier Jahren die Gerichte einen Schlussstrich gezogen hatten.
  • Sodann sitzt ein Schweizer UBS-Direktor in Untersuchungshaft, eher in Beugehaft, weil die USA an Steuerdaten herankommen wollen.
  • Unterwürfig zahlen Banken und börsenkotierte Firmen oft Hunderte von Millionen Dollar für Vorwürfe von Staatsanwälten ohne jedes Gerichtsurteil.
Sogar die Latinos wandern wieder zurück nach Hause: die Lebenshaltungskosten in den USA sind zu teuer und der gesparte Dollar ist zu billig.
Beat Kappeler in der NZZaS vom 18.5.08, Seite 41.

Mittwoch, 24. Oktober 2007

EUR überholt CHF

Nicht nur, dass der USD immer schwächer wird, der EUR wird auch immer stärker.
Klar, es gehen immer noch einige Schweizer nach Deutschland einkaufen - und die Aldis und Lidls in der Schweiz finden ihre Kundschaft, doch macht sich auch das Gegenteil bemerkbar:
Die Deutschen kommen am Nudelsonntag. So nennt man in der Ostschweiz seit Jahren die katholischen Feiertage, an denen süddeutsche Einkaufstouristen in die reformierten Schweizer Grenzgemeinden fahren, um sich mit Kaffee, Gewürzen, Beutelsuppen und eben Nudeln einzudecken. Laut Coop und Migros sind Schweizer Eierteigwaren vielen deutschen Konsumenten lieber als deutsche Discounter-Pasta.
David Hesse in der NZZaS vom 21. Oktober 2007, Seite 31.
Der starke Euro lähmt aber die Exporte von Europa in den Rest der Welt, weshalb die stabile und sichere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank auch kritisiert wird. Doch:
Die britische Zeitschrift "The Economist" titelt in der jüngsten Ausgabe, an die Adresse Europas gerichtet, "Schätze, was du hast" und schriebt, die schädlichen Auswirkungen einer starken Währung würden stets überbewertet, die nützlichen dagegen fast immer übersehen.
Thomas Isler in der NZZaS vom 21. Oktober 2007, Seite 30.
Der Schweizer Franken geht langsam aber sicher neben dem Euro unter. Die Preisniveaus gleichen sich an. Fertig mit dem "Spezialfall Schweiz", der "Blume im Kuhfladen":
Die Schweizer Konsumenten empfinden Wohlstand als Teil der nationalen Identität und den teuren Euro als Demütigung. Während mehr Touristen denn je sich Ferien in der Schweiz leisten können, klagen die Eidgenossen über zu teure Restaurants am Mittelmeer. Die Gewissheit, in fast jedem Land reicher als der Rest zu sein, kommt abhanden. Egal, wie kaufkräftig und hochbezahlt man hier noch immer ist: Der Vorsprung schrumpft...
David Hesse in der NZZaS vom 21. Oktober 2007, Seite 31.

Donnerstag, 27. September 2007

2. stärkste Währung

Auf den Meilenkonten von Vielfliegern liegen schätzungsweise 8500 Milliarden Meilen. Das britische Wirtschaftsmagazin "Economist" schätzt ihren Wert auf 825 Mrd. Franken - somit wäre das nach dem Dollar die zweitgrösste Währung der Welt.
Aus dem heute vom 26.09.07.