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Dienstag, 27. Dezember 2011

Griechenlands aussichtsloser Handlungsbedarf

Statt politische Korrekturen zur Öffnung und Flexibilisierung der Märkte und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit durch Bildung und Innovation vorzunehmen, wurde das Gesellschaftsmodell in Griechenland beibehalten. Die autoritäre politische Steuerung durch Familienclans wurde weitergeführt, und die sinkende Konkurrenzfähigkeit wurde durch internationale Verschuldung kompensiert.

Eine in unserem Sinne funktionsfähige Steuer- und Marktverfassung existiert nicht. Die hohen Schulden Griechenlands haben sich allein in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Das sanktionslose Maastricht-Modell, das einen Wohlstandskonsum auf Pump ermöglichte, musste einmal zusammenbrechen. Griechenland hat für Milliarden Entwicklungshilfe von der EU erhalten, ohne dass sich die gesellschaftliche Prägung verändert hätte.

Ohne eine erfolgreiche Korruptionsbekämpfung, die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte, eine Verwaltungsreform und -verschlankung, Bildungsreformen und Innovationsförderung sowie rigorose Erfolgskontrollen der EU mit automatischen finanziellen Konsequenzen im Fall des Misserfolgs erreichen die nun eingeführten Schuldenbremsen ihr Ziel nicht.
Ernst Buschor in der NZZaS vom 25.12.2011, Seite 17.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Starker Franken und Negativzinsen am Bsp EMS


In den 70er-Jahren erlebte ich den Übergang von festen zu flexiblen Wechselkursen. Am Sonntag wurden die Kurse freigegeben, und der Dollar fiel am Montag gleich von 4.30 CHF auf 3.80 CHF. Ich musste damals ein Verwaltungsratsprotokoll schreiben, mit den schlimmsten Voraussagen. Der Verwaltungsrat glaubte tatsächlich, dass die Ems-Chemie als Exportunternehmen in der Schweiz keine Zukunft mehr habe. Zu dieser Zeit war der Umsatz rund 200 Millionen, davon 30 Prozent im Export. Heute liegt der Dollar bei etwas über 80 Rappen, und die Ems macht 1,2 Milliarden Franken Umsatz, davon 96% im Export. Ems hat trotz starkem Franken überlebt. Der starke Franken machte die Firma stärker, weil er die Firma forderte – auf der Innovations- und der Kostenseite; der Kurs dämpft auch deutlich die Inflationsrate. 
Auf längere Sicht stärkt der starke Franken die Unternehmen, und wenn die Konjunktur sich verschlechtert, wird der Kurs wieder sinken. Die Teuerung wird gebremst, weil Rohstoffe wie Öl, Benzin, Eisen billiger werden. Ohne Frankenaufwertung hätten wir eine Überhitzung, und in guten Zeiten werden die Firmen übermütig. Man macht keine Kostensenkungen, der Innovationsdruck nimmt ab. Heute läuft es vielen Exportfirmen enorm, und hier hat der starke Franken eine disziplinierende Wirkung. Er zwingt die Unternehmen, produktiv und innovativ zu bleiben. Zudem: Wegen des starken Frankens hört die Schweiz auf, Dinge zu produzieren, die sie nicht produzieren sollte, zum Beispiel Billigsprodukte. 
Negativzinsen wurden bereits einmal eingeführt und sie haben sich nicht bewährt. Es hatte genau den gegenteiligen Effekt. Ein Staat, der Negativzinsen verlangt, sendet ein falsches Signal aus; nämlich: Unsere Währung ist extrem stark und solide, und das Vertrauen und die Nachfrage werden erst recht nach oben getrieben. Der Kurs des Schweizer Frankens steigt.Christoph Blocher im Interview von Roger Köppel in der WeWo25.11, Seite 27.

Mittwoch, 9. Juli 2008

gerechtfertigte hohe Löhne

Es kommt nicht allein darauf an, was eine Arbeitsstunde kostet, sondern was in dieser Stunde geleistet wird. Wenn die Wertschöpfung pro Arbeitsstunde hoch ist, kann man auch mit hohen Löhnen konkurrenzfähig bleiben. Darum ist auch die Berufsbildung so wichtig. Sie garantiert eine hohe Wertschöpfung und einen hohen qualitativen Standard.
Rudolf Strahm im Interview mit Philipp Gut und Andreas Kunz in der WW27.08, Seite 46ff