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Donnerstag, 29. Dezember 2011

Listige Euroeinführung

Der Euro ist eine politische List epochalen Ausmasses.
Alternativlos, Bürger können nicht Stellung dazu nehmen, Es war ein staatsbildender Akt ohne Retourbillett.
Dass die Empörung der Mitgefangenen hier nur die eigene Naivität überspielt, liegt auf der Hand.
Die Mitglieder der Europäischen Währungsunion bilden die vereinigten Schuldner von Europa.
Der Währungsunion ist eine Logik der politischen Zentralisierung zu eigen.
Die Furcht vor einer Wirtschaftskatastrophe seltenen Ausmasses aufgrund eines Zusammenbruchs der Euro-Zone, die Angst vor unermesslichen Ausstiegskosten ist so gross, dass alle Nachteile als geringere Übel erscheinen.
Das Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten, das die EU bisher in ihrem Innern zu integrieren vermochte, wird sich in Zukunft institutionell wohl in zwei unterschiedlichen Organisationen manifestieren müssen.
Francis Cheneval in der NZZaS vom 18.12.11, Seite 24f.

Donnerstag, 24. März 2011

Wahres Lernen findet nicht an der Uni statt

Die Katastrophenforschung zeigt: Der Mensch lernt vor allem durch Scheitern. Er muss gegen die Wand fahren, um zu lernen. Dass wir als Gesellschaft rational lernen, ist ein Mythos, den die Moderne erfunden hat.
Martin Voss, Katastrophensoziologe, im Interview von Gordana Mijuk in der NZZaS vom 20.03.2011, Seite 24f.

Sonntag, 24. Januar 2010

Haiti: Voodoo- und Sklavenmentalität

Voodo heisst: Je m'en fous. --> Ich gebe einen Deut auf die Sklavenhändler, die Plantagenbesitzer, die Kolonisatoren, die Missionare, den Rationalismus, den Kapitalismus, die ganze verdammte weisse, westliche Kultur.
Max Beauvoir, Voodoo-Priester, vor ein paar Jahren in Prt-au-Prince zu David Signer

Zweifellos gibt es bis heute unter den Haitianern einen Reflex, alles, was mit Moderne, Fortschritt, Rationalität und Effizienz zusammenhängt, mit der westlichen Kultur in Verbindung zu bringen und deshalb als fremd zu verdächtigen oder abzulehnen.
Religionswissenschaftler sprechen von einem "dependenten Menschenbild":
Der Gläubige kann nichts bewirken, in Anbetracht der Übermacht der Realität. Planung ist folglich sinnlos, Kontrolle unmöglich --> Keine Selbstverantwortung. (Erinnert an kommunistische Realitäten)
"M'pa kapab" ("ich bin nicht fähig dazu") und "Se pa fôt mwen" ("es ist nicht mein Fehler") sind fast die häufigsten Kreal-Sätze, die man zu hören bekommt - vor allem, wenn jemand etwas nicht auf die Reihe bekommt.
Sklavenmentalität
Verantwortlich ist der andere, besonders der Chef.
Arbeit ist Zwangsarbeit, ein freier Mensch arbeitet nicht.
Voodoo ist eine Religion der [Anm. geistig] Armen und Unterdrückten. Sie predigt gegenseitige Hilfe und Solidarität, ist aber nicht aufstiegsorientiert. Eher geht es um GLEICHheit in der Misere. Allzu Ehrgeizige werden neidisch beäugt, nach dem Muster: Wenn ich schon arm bin, soll's dem anderen nicht besser gehn.
Die erneuerte Abhänigigkeit:
Arbeitslosigkeit: 50-70%
Die meisten leben von Überweisungen von arbeitenden Verwandten im Ausland oder von der Entwicklungshilfe.
Haiti ist gegenwärtig im Begriff, erneut zu einer Art Kolonie der ausländischen Helfer zu werden.

David Signer in der NZZaS vom 24.01.10, Seite 67.

Dienstag, 28. April 2009

New Orleans hätte aufgegeben werden sollen

Nur ein Sadist würde darauf bestehen, diese Konzentration von Armut, Verbrechen und erbärmlichen Schulen wieder aufleben zu lassen.
Jack Shafer, Publizist in einem Essay im Internetmagazin "Slate".

Die Mordrate etwa lag zehnmal höher als der nationale Durchschnitt.

Hyperkonzentration von Armut
Bruce Katz von der Denkfabrik Brookings Institution in Washington

  • Schon vor der Katastrophe war New Orleans eine funktionsgestörte Stadt.
  • Wegen ihrer geografischen Lage wird sie immer anfällig für Verwüstungen durch Wirbelstürme bleiben.
  • 54 Prozent der Amerikaner finden, das heutige New Orleans sollte aufgegeben werden.
  • Man solle es dabei bewenden lassen, die bei den Touristen beliebten Quartiere, die weit gehend intakt sind – das French Quater und der Garden District -, herauszuuputzen.
Reto Pieth in der SonntagsZeitung im August 2005, Seite 11.