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Sonntag, 8. Januar 2012

Ärztepraxen gruppieren


Ärzte sind für die Hälfte dessen, was sie tun, zu gut ausgebildet.
Urs Lütolf, ärztlicher Direktor des Universitätsspitals Zürich
Wenn die Ärzte das täten, wofür sie ausgebildet sind, nämlich Patienten beurteilen und anspruchsvolle Behandlungen durchführen, dann gäbe es keinen Ärztemangel. 
Dass die Nachfrage nach Ärzten steigt, liegt zum einen daran, dass die Schweizer Bevölkerung älter und kränker wird. Dadurch steigt der Pflegebedarf. Zudem sinkt die Arbeitszeit der Ärzte. Dahinter steht einerseits die Feminisierung des Berufs: Schon heute sind über 60 Prozent der Studierenden Frauen. Diese arbeiten mehr Teilzeit, weil sie sich um ihre Kinder kümmern. Aber auch männliche Kollegen wollen nicht mehr fast rund um die Uhr arbeiten.
 Gruppenpraxen könnten dieses Dilemma lösen:
Zentren könnten viel breitere medizinische Dienstleistungen vom Arzt bis zur Fusspflege anbieten. Die Öffnungszeiten werden kundenfreundlicher. Für das Medizinpersonal bietet sich die Möglichkeit von Teilzeitarbeit und die Konzentration auf sein eigentliches Können. Nachteil: Vielleicht gibt es nicht mehr in jedem Dorf eine Arztpraxis, aber in jedem zweiten.
 Benjamin Tommer in der NZZaS vom 27.11.11, Seite 29.


Montag, 25. April 2011

Sieg der "wahren Finnen"

...gegen die schwedischsprachige Oberklasse und auf die Seite des kleinen Mannes. Und dies im wahrsten Sinne des Wortes. In einem Land mit einer Staatspräsidentin, einer Ministerpräsidentin und einer Oppositionsführerin sieht mancher den Erfolg des 48-jährigen Timo Soini auch als stille Revanche des finnischen Mittelklassemanns.
Luise Steinberger in der NZZaS vom 17.4.11, Seite 7.

Samstag, 22. Mai 2010

Feminismus, Sexyness und Fantasie

Das eigentliche Unheil des Feminismus ist die Feminisierung der Männer. Ein Kind, das männliche Orientierung sucht, entdeckt verunsicherte Schwächlinge, die über die richtige Frisur nachdenken. Schalten Sie das Fernsehen ein: In neunzig Prozent aller Hollywood-Filme ist der Mann der Idiot und die Frau on top.

Seither bin ich ein Spezialist für die Wechselbeziehung zwischen Prüderie und erotischer Besessenheit. Erotik, wie ich sie schätze, gibt es nur im Zusammenspiel mit Tabus. Sex ist für mich total uninteressant. Ich mache es mir selber viel besser. Selbstbefriedigung ist ohnehin das Beste, was es gibt. Du wirst nicht krank und hast keine verrückten Frauen am Hals. Mein Gefühl ist, dass die Erotik durch die sexuelle Freizügigkeit mehr und mehr verschwindet. Wenn alles Sex ist, wird Sex unsexy.

Männer haben einen Führer zwischen den Beinen, der uns mit seiner Zwangsherrschaft tyrannisiert. Das ist wie Hunger ohne Essen. Gleichzeitig sehnen wir uns nach diesem Diktator. Ohne Fantasie führt Sex aber nur zu einem Teelöffel Flüssigkeit. Hätten die Menschen mehr Mut, ihre erotischen Fantasien auszuleben, gäbe es keine Pornografie mehr.

Tomi Ungerer im Interview von Sven Michaelsen in der WeWo19.10, Seite 48ff.