Das Autofahren würde Frauen ermöglichen, sich allein in der Öffentlichkeit zu bewegen, und so zu gesellschaftlichem Chaos in Saudiarabien führen, warnte ein prominenter Kleriker. Ausserdem würden Frauen nach falscher Selbstverwirklichung streben, statt ihre gottgegebene Rolle in der Familie zu erfüllen.
Max Borowski in der NZZaS vom 29.5.11, Seite 6.
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Mittwoch, 1. Juni 2011
Chaos durch emanzipierte Frauen
Donnerstag, 26. Mai 2011
Frischs Selbstbestimmtheit entgegen gesellschaftlicher Korrektheit
...Biografie von Männern, die davonlaufen, die ihre Familien im Stich lassen, neue Frauen kennenlernen und ihr schlechtes Gewissen zum Gegenstand intensivster Selbsterforschung machen. Seine Helden sind von einem «pathologischen Aufbruchstrieb» beseelt, sagt der Germanist Peter von Matt. Die Flucht vor Verbindlichkeiten und Verantwortungen, die Weigerung, sich festzulegen und festlegen zu lassen, Wurzeln zu schlagen, erwachsen zu werden, das ständige Sich-davonschleichen-Müssen ist das Anliegen seiner Hauptfiguren. Frisch war ein Chronist des seriellen Seitensprungs, «bevor dies allerdings zur neuen Spiesser-Masche wurde» (von Matt).
Man kann ihn als Erforscher der totalen Selbstverwirklichung belächeln und damit als Vorboten der zügellosen sechziger und siebziger Jahre. Das Ich als Weltmassstab, der Anspruch auf Erfüllung aller Wünsche: Das war die Begleitmusik des Wirtschaftswunders in der Nachkriegszeit, das grosse Ego-Projekt der Studentenbewegung und ihrer Mitläufer. Es endete in Rausch und Absturz, in politischen Wahnideen und Dekadenz aus dem Überfluss.
Frischs Erfolg hatte sicher auch damit zu tun, dass er dem männlichen Fluchttrieb schmeichelte, der Ur-Sehnsucht, sich aus allen Pflichten und Zwängen herauszuwinden. Frisch lieferte Aussteigerliteratur auf höchstem Niveau, die mit enormer Sprachkraft das Verhältnis des Einzelnen zu seiner Umwelt reflektierte. Peter von Matt aber spricht von der «Ich-Form als Verfahren», nicht als Kerker. Interessanterweise war Frisch kein Romantiker, der distanzlos in seinem Ego schwelgte. Seine Selbsterkundungen waren selbstkritisch, oft humorvoll, im Fall seines Schlüsselromans «Stiller» von umwerfender, absurder Komik.
Aber selbst wenn man die Bücher nicht mag und den Zeitgeist, den sie mit beflügelten: Man muss Frisch bewundern für die Präzision, mit der er – lange vor 1968 – den Konformismus und die Kleinkariertheit in der bürgerlichen Schweiz beschrieb. Seine Diagnosen sind unter veränderten politischen Vorzeichen heute so aktuell wie damals: Frisch litt an der Arroganz des Establishments, der heuchlerischen Harmonie, den unausgesprochenen Konventionen, der politischen Korrektheit, lange bevor man sie so nennen sollte. Frisch war ein vehementer Verfechter leidenschaftlicher Debatten über alles, ihn nervte die «fast krankhafte Empfindlichkeit der Schweiz». In seinem Bühnenstück «Graf Öderland» greift ein ehemaliger Staatsanwalt zur Axt und zieht sinnlos mordend durch die Welt. Frischs Kollege Dürrenmatt belächelte zwar «diese Menagerie um einen ausgestopften Tiger», aber die Figur des Grafen macht die Platzangst fühlbar, die nachvollziehbar wird, wenn man sich den Konformismus ansieht, der heute noch Debatten in der Schweiz beherrscht. Frischs Kritik zielte schon damals auf eine «Demokratie, in der die unerlässlichen Kompromisse nicht erkämpft, sondern voreilig vorausgesetzt werden» (Peter Rüedi).
geschäftstüchtiger Sänger der Selbstverwirklichung. Seine Bücher huldigen dem verantwortungslosen, auf sich selbst beschränkten Einzelnen, der sein schlechtes Gewissen durch ausgeklügelte Literatur betäubt. Als praktizierender Womanizer nahm Frisch das Programm der 68er Generation vorweg und schrieb sein aussereheliches Stakkato der Frauengeschichten zum tiefen Emanzipationserlebnis hoch.
Roger Köppel in der WeWo19.11, Seite 44ff.
Was liess Ihre Ehe scheitern?
Meine Erfahrung von Enge. Ich musste mit Anfang vierzig einen Schnitt machen und mein eigener Herr und Knecht sein. Frauen neigen dazu, unglücklich zu werden. Sobald sie sich langweilen, kommen die Vorwürfe, man habe keine Gefühle. Dann, offen gestanden, langweile ich mich noch lieber allein.
Sie wird gebraucht, unsere Schuld, sie rechtfertigt viel im Leben anderer.
Manchmal meine ich die Frauen zu verstehen, und im Anfang gefällt ihnen meine Erfindung, mein Entwurf zu ihrem Wesen. Damit gewinne ich sie überhaupt. «Nie habe ich mit einem Mann so sprechen können wie mit dir» – das habe ich mehr als ein Mal gehört bei Abschieden. Es schmeichelt ihnen, wenn sie mich unter dem Zwang sehen, sie zu erraten. Mein Entwurf hat etwas Zwingendes. Wie jedes Orakel. Ich staune dann selber, wie ihr Verhalten bestätigt, was ich geahnt habe.
Fragen und Antworten aus diversen Interviews und Romanen zusammengestellt von Sven Michaelsen in der WeWo19.11, Seite 45.
Samstag, 14. Mai 2011
Kosten von Kindern + Freizeitverlust
Bis zum 20. Altersjahr kostet ein Kind 340′000 Franken, sagt eine Studie des Bundes aus dem Jahr 1998, die bis heute aktuell sein soll. Das entspricht 17′000 Franken pro Jahr oder 1417 Franken pro Monat. Das zweite Kind kostet dann nicht mehr ganz so viel, aber immer noch zwischen 150′000 und 180′000 Franken. (..) Zum Glück hat mir niemand vorgerechnet (...) weil mir die Verantwortung, so schwarz auf weiss, einfach zu gross gewesen wäre.
Wird man, wenn man Kinder hat, beschränkt? Ja. Nicht nur was die Interessen angeht und die zur Verfügung stehende Zeit, auch und vor allem wegen des Geldes. (...) Freizeit (...) mit der ist es ja ohnehin nicht mehr weit her.
Michèle Binswanger, 12.05.2011 im Mamablog
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Samstag, 19. Februar 2011
Kinder führen zum Verlust der individuellen Freiheit
Heutzutage wollten alle möglichst viele Freiheiten, wobei die Kinder als Vervollständigung des persönlichen Lebensglücks verstanden würden. Sind sie dann mal da, müssen wir erschreckt erkennen, dass diese Kinder uns in unserer Freiheit einschränken.
…vor dem Hintergrund des westlichen Anspruchs, alles planen und kontrollieren und sich selbst optimal verwirklichen und Spass haben zu können, gibt es keine vernünftigen Argumente dafür, Kinder in die Welt zu stellen.
Warum kriegen wir sie dann trotzdem? Weil wir den diffusen Wunsch haben, zu lieben und gebraucht zu werden.
Die Frage ist, wie wir reagieren, wenn die Kinder einmal da sind. Denn persönliche Freiheit ist schön und gut, aber erst mal weg, wenn man Kinder hat. Und dabei geht es nicht in erster Linie um die Zeit, die man für Kinder aufbringen muss, es geht um etwas Tieferes. Um Verantwortungsgefühl, Bindung, Vepflichtung. Man kann versuchen, sich davon zu emanzipieren, um wieder zu seinem alten leben zurückzukehren.
Der Westen regelt gesellschaftliche Dinge immer über Rechte anstatt über Pflichten. Genau darum ist wahrscheinlich auch die Familie im Westen ein Auslaufmodell: Weil jeder nur zu seinem eigenen Recht kommen will und ganz vergisst, dass es vielleicht auch Pflichten gibt.
Kurt Haerri im «Club»
Ist es denn unser aller Pflicht, Kinder in die Welt zu setzen?
Die Persönliche Freiheit kann warten.Muss sie sogar?
Michèle Binswanger im Mamablog
Donnerstag, 3. Februar 2011
Führt Freiheit und Selbstverwirklichung zu Dekadenz und Niedergang?
die beiden Töchter mit Drohungen und drakonischen Strafen zu Höchstnoten und musikalischen Spitzenleistungen drillen. Amerikanische Eltern dagegen verweichlichen ihren Nachwuchs mit gutgemeinter Laschheit und übertriebenem Lob für kleinste Leistungen.Erziehungsratschläge einer chinesischstämmigen Professorin aus Yale: Battle Hymn of the Tiger Mother.
Thomas Isler in der NzzaS vom 23.01.2011, Seite 17.
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