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Dienstag, 7. September 2010

restriktivere Einwanderungspolitik notwendig

Die Schweiz bürgert doppelt so viele Ausländer ein wie die USA.

Die Zunahme der Bevölkerung um 1,1% in einem Jahr, nach 1,4% im Vorjahr, bedeutet eine Verdoppelung alle 60 Jahre. Die Zuwachsrate ist viermal höher als im übrigen Europa.

Einwanderer aus dem europäischen Freizügigkeitsbereich sollen den klaren Regeln unterworfen werden, die man dem Stimmvolk bei der Abstimmung versprochen hat: Zugelassen werden nur Stelleninhaber oder solche, die drei Monate suchen. Oder die den Unterhalt selbst bestreiten können. Wer die Bedingungen nicht erfüllt, wird weggewiesen.
Für andere Zuwanderer soll die Schweiz anspruchsvolle Kriterien oder Jahreskontingente definieren, wie es das System der US-Green-Card macht. Oder man lässt die Zuwanderer Eintrittspreise zahlen, welche die sie rufenden Firmen entrichten.

Beat Kappeler in der NZZaS vom 29.08.2010, Seite 29.

Mittwoch, 26. Mai 2010

de Weck: kein Manager

Ich habe noch nie eine Führungskraft in den Medien erlebt, die derart wenig Ahnung von Zahlen hat wie Roger de Weck. Präziser gesagt: Ich habe noch nie eine Führungskraft in den Medien erlebt, die sich derart wenig für Zahlen interessiert.

De Weck hasste schon zu unserer gemeinsamen Zeit die Zahlen, weil Zahlen das Kriterium für Erfolg oder Misserfolg sind. Wenn Zahlen eine klare Sprache sprachen, rannte er davon oder beschönigte die Fakten. Er liebte stattdessen Ideen und grosse Würfe, die nicht messbar sind. Er liebte Fantasien. Man kann es etwas bösartig sagen: Der glühende EU-Anhänger lebte schon damals den Stil Griechenlands.
Kurt W. Zimmermann in der WeWo20.10, Seite 11.
Meine Prognose: de Weck
  • wird es nicht lassen können, seine persönliche Meinung, z.B. über den EU-Beitritt der Schweiz vermehrt der öffentlichen Meinungsbildung aufzunötigen.
  • wird Quotenmisserfolge feiern, da er - zwar löblicherweise, jedoch weltfremd (links) - davon ausgeht, dass das Publikum Diskurs und Information seichter Unterhaltung vorzieht.
  • wird die Forderungen nach Prämienerhöhungen nicht beseitigen. Er wird das Budget des Schweizer Fernsehen überstrapazieren - ausser er verzichtet auf einige teure Sportübertragungen und erntet dafür den Unmut des oben beschriebenen Publikums.
  • wird die Arena weiter zu einem Kuschelverein verkommen lassen.
  • wird mit seiner distanzierten (arroganten) Art nicht die Gunst sämtlicher Mitarbeiter gewinnen.

Donnerstag, 15. April 2010

hormonelle Paarbindung

nur 3-5% der Säugetiere leben monogam

Die beiden Neurotransmitter Oxytocin und Arginin-Vasopressin (kurz: AVP) steuern bei Wühlmäusen die Bildung und die Äußerung von Paarbindungen. Beide Transmitter sind bei Nagetieren wichtig für die soziale Anerkennung, und beide werden bei vielen Säugetieren während vaginaler oder zervikaler Stimulierung ausgeschüttet, auch bei der Geburt und der Paarung. Oxytocin trägt bei vielen Arten maßgeblich zur Mutter-Kind-Bindung bei; allem Anschein nach ist es bei weiblichen Wühlmäusen wichtiger für die Bindung als bei männlichen. AVP hingegen ist wesentlich an vielen männlichen Verhaltensmustern beteiligt, etwa Aggression, Duftmarken und Werbung. Vermutlich ist es bei männlichen Wühlmäusen das wichtigste Hormon für die Paarbindung. Notfalls kann aber auch jedes andere Peptid die Paarbindung bei Wühlmäusen beiderlei Geschlechts anregen. Wenn über eine Infusion diese Neurotransmitter ins Gehirn gelangen, dann sorgt das Gehirn dafür, dass eine Paarbindung eintritt, nachdem die Wühlmaus kurz mit dem Partner zusammen war, auch wenn das Paar keinen Geschlechtsverkehr hatte.

Die Ausschüttung von Dopamin innerhalb dieses Kreislaufs ist wichtig für die Reaktion auf natürliche Belohnungen wie Nahrung oder Sex sowie auf süchtig machende Drogen.

Wenn die Fähigkeit, süchtig zu werden, es Tieren erleichtert, sich an ihre Partner zu binden, dann ist das womöglich der Grund dafür, dass diese Nervenbahnen für das Überleben der Spezies hilfreich sind - und dass sie trotz des Schadens, den Sucht anrichten kann, bestehen bleiben.

Als Beweis dafür, dass diese neuronalen Systeme für die Paarbindung zuständig sind, ist es Wissenschaftlern gelungen, promiskuitive Männchen der Wiesenwühlmäuse zur Monogamie zu «bekehren», indem sie ihnen experimentell die Expression des AVP-Rezeptors im ventralen Pallidum induzierten. Dieses verblüffende Ergebnis beweist, dass ein komplexes Verhaltensmuster wie die Paarbindung durch ein einziges Gen in einer einzigen Hirnregion aktiviert oder deaktiviert werden kann, auch wenn freilich weitere Gene in anderen Hirnregionen für den vollen Ausdruck des Verhaltens erforderlich sind, sobald der Schalter betätigt wird.

Der Oxytocin-Spiegel steigt während des Orgasmus bei Frauen, und die AVP-Konzentrationen steigen während sexueller Erregung bei Männern.

Orgasmus regt Belohnungssysteme des Gehirns an, nämlich jene, die Rezeptoren für Oxytocin und AVP enthalten. Bei frisch verliebten Menschen ist eine starke Aktivität im ventralen Tegmentum und im Nucleus caudatus zu beobachten, bei Menschen mit länger andauernden Beziehungen (etwa ein Jahr) hingegen werden auch andere Regionen angeregt, etwa das ventrale Pallidum (der Ort der Bindung beim Präriehund)
Sandra Aamodt, Samuel Wang: "Welcome to your brain. Ein respektloser Führer durch die Welt unseres Gehirns". C. H. Beck Verlag, München 2008, Auszugsweise veröffentlicht auf cicero