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Dienstag, 24. Mai 2011

Wieso Macht korrumpiert

Um Karriere zu machen, die zu einer solchen Machtposition führt, bedarf es einer starken Persönlichkeit, die zielstrebig, durchhaltefähig und in einem hohen Masse kontrolliert ist. Ja es gehört eine geradezu monomane, alles andere im Leben ausblendende Besessenheit dazu, sich ausschliesslich auf das Ziel der Topposition auszurichten. Am Ende dreht sich alles nur noch um die Fragen: Wie komme ich voran? Und wie schalte ich Konkurrenten aus?

Eine solche alles auf die Karte «Macht» setzende Einstellung hat allerdings ihren Preis. Der Weg in die Topposition gelingt umso leichter, je weniger sich die betreffende Person von ihren Gefühlen und von der Rücksicht auf andere Menschen leiten lässt. Es mag sein, dass dies Menschen sind, die von jeher wenig Gefühle zugelassen haben und machtbesessen waren. Aber es ist auch eine Folge der Umstände, dass ihnen auf dem Weg nach oben mit der Zeit ihre Gefühlswelt verloren geht. Wenn sie merken, dass ihnen dies bei ihrem Streben nach ihren ehrgeizigen Zielen sogar noch hilft, hat dies einen grossen Einfluss auf sie, indem sie Gefühle und Einfühlung in andere Menschen zunehmend als etwas Lästiges empfinden und konsequent abstellen.

Diese Entwicklung kann zu einer masslosen Selbstüberschätzung führen, bei der nur noch die eigene Person und die eigenen Ziele gesehen werden und andere Menschen lediglich als Unterstützung oder Behinderung auf dem Karriereweg wahrgenommen werden. Die Konsequenz ist eine immer weitergehende Abkopplung der betreffenden Person von der sozialen Umwelt, eine Verkümmerung der Gefühlswelt, eine immer stärker werdende Selbstbezogenheit und ein gefährlicher Verlust des Realitätsbezugs.
Udo Rauchfleisch in der NZZaS vom 22.05.2011, Seite 20f.

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Manager und Gefühle

Kein Manager, den ich kennengelernt habe, war dumm. Manche waren durchaus sympathisch. Aber bei allen hatte ich das Gefühl einer emotional schmalen Bandbreite, gerade bei den "erfolgreich" agierenden. Die Gefühle der Manager wirkten auf mich immer begrenzt und zielgerichtet. Seltsam kanalisiert. (...) Es werden aussschliesslich Gefühle zugelassen oder gefördert, die ökonomischen Nutzen bringen.
Urs Widmer im Interviewvon Gabriela Weiss und Daniel Hug in der NZZaS vom 27.12.09, Seite 33f.

Mittwoch, 2. September 2009

Erfolgreiche Politwerbung

Menschliche Gefühle und Bedürfnisse ansprechen, mit Klischees arbeiten und auf keinen Fall versuchen, rational zu argumentieren. «Wer das tut, setzt voraus, dass sich die Wähler rational mit politischer Werbung auseinandersetzen. - Doch das tun sie nicht.» Nur ein bis zwei Sekunden wird ein Werbeplakat im Schnitt betrachtet. Segert hält sich darum ans Prinzip KISS - «Keep it simple and stupid», wobei Vereinfachung nichts mit Dummheit zu tun habe. Vereinfachung sei eine intellektuelle Leistung.
Alexander Segert, Werber (u.a. von der SVP), aus Hamburg, 46jährig, geschildert von Michael Furger in der NZZaS vom 30.08.09, Seite 15.

Donnerstag, 20. März 2008

geschlechtsspezifische Divergenz mit 50

Männer +/-50 sind eine gefährliche Spezies - für die gleichaltrige Frau. Andere profitieren von ihnen: Die Luxusgüterindustrie, die Pharmaindustrie und selbstverständlich die jüngeren Frauen. 2006 heiratete in der Schweiz jeder vierte Mann im Alter zwischen 50 und 54 eine Partnerin aus der Altersklasse der 20- bis 34-Jährigen.

Denn die grösste Ungerechtigkeit bleibt das Thema Altern. Eine 40-jährige Frau kann mit etwas Glück noch dieselben Lebensprojekte realisieren wie ein Gleichaltriger. Eine 50-jährige Frau wird immer älter sein als ein 50-jähriger Mann. Auf dem Küchentisch liegen also die biologische und die gesellschaftliche Trumpfkarte. Er kann zurückspulen auf Frühling. Ihr bleibt die Menopause. Etwas Mitleid und Acqua-Gymnastik.
Susanna Heim in der NZZaS vom 16.3.08, Seite 85f

Dienstag, 19. Februar 2008

12 goldene Regeln für die gute Beziehung

  1. Gib so oft wie möglich Zeichen der Anerkennung, Wertschätzung und Zuneigung. Ein Zuviel ist kaum möglich.
  2. Teile dich mit. sorge dafür, dass dein Erleben für den Partner transparent ist. Nur so kann der andere dich verstehen.
  3. Äussere Bedürfnisse und Wünsche, sobald du sie empfindest. Häufe keinen Frust auf.
  4. Brich ein Gespräch ab, wenn es zum Streit ausartet und beginne es von dir aus neu, wenn bessere Voraussetzungen gegeben sind.
  5. Sprich im Streit in der Ich-Form und von dir selbst. Sage nicht "du". Vermeide Vorwüfe.
  6. Heftiger Streit, "einmal alles herauslassen", ist kein gutes Rezept, sondern bewirkt bleibende Verletzungen.
  7. Berühre keine Tabus. Verbale Beleidigungen sind ebenso verboten wie körperliche Übergriffe.
  8. Bedenke beim eigenen Tun, welche Konsequenzen es für den Partner hat.
  9. Fokussiere auf die positiven statt auf die negativen Seiten des Partners.
  10. Bekämpfe das Gefühl "immer ich, jetzt ist auch mal der andere dran". In gewissen Bereichen tut sich der eine leichter als der andere.
  11. Impfe dich gegen Enttäuschungen. Auch ein Traumpartner hat Stärken und Schwächen.
  12. Willst Du Veränderung, dann beginne bei dir selbst damit.
Nach: Halweg, K., Revenstof, D., Schindler, L.: Partnerschaftsprobleme. Beziehungsprobleme meistern. Ein Handbuch für Paare. Springer-verlag, Berlin 2006.
Publiziert in der NZZaS vom 17.2.08, Seite 69.