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Mittwoch, 26. Oktober 2011

Kriminelle Libanesen in Deutschland

Besonders in Verruf geraten sind Großfamilien aus der Volksgruppe der Mhallami, der auch die Familie Miri angehört. Aus Dörfern in der Südosttürkei immigrierten im vergangenen Jahrhundert Tausende Mhallami in den Libanon. Doch ebenso wenig wie von den Kurden in der Türkei wurden die Mhallami im Libanon von den Arabern als ihresgleichen akzeptiert, schreibt Ghadban, der selbst aus dem Libanon stammt. Die überwiegende Mehrheit der Mhallami lebte in Beirut politisch, wirtschaftlich und sozial ausgegrenzt. In dieser extremen Ghettoisierung, so lässt sich bei Ghadban nachlesen, seien die traditionellen tribalen Verhältnisse der Volksgruppe noch enger geschnürt worden. Gemeinsam mit anderen Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem Libanon kamen dann Tausende von Mhallami in den achtziger Jahren nach Deutschland. Vor allem in Berlin, in Essen und in Bremen ließen sich die Libanonflüchtlinge nieder.

Von den rund 2600 Mhallami, die in der Hansestadt leben, sind nach Analysen des Bremer Landeskriminalamts mehr als 1000 als Tatverdächtige bei der Polizei registriert; in den allermeisten Fällen Männer. Berücksichtigt man, dass 800 bis 900 der Bremer Mhallami strafunmündige Minderjährige unter 14 Jahren sind, so ergibt sich statistisch, dass nahezu jeder männliche Mhallami in der Hansestadt schon einmal strafrechtlich auffällig war. „Vor allem Betäubungsmittel- und Beschaffungskriminalität, aber auch Gewaltdelikte sind ein Problem“, sagt Kripochef Weber.

Dass Mitglieder der in Verruf geratenen Familien Abitur machen oder gar auf die Universität gehen, ist allerdings die Ausnahme. In Essen haben rund 40 Prozent der Jugendlichen mit libanesischem Migrationshintergrund keinen Schulabschluss; nur 2,6 Prozent besuchen ein Gymnasium. Die Zahlen für Berlin und Bremen dürften ähnlich sein.

Den Weg in die Kriminalität hätten viele Mitglieder sogenannter Clanfamilien zweifellos schon im Ausland begonnen, sagt der Vorsitzende des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration. „Aber vielfach sind erst in Deutschland aus möglicherweise noch potenziell kriminellen Flüchtlingsgruppen schwerstkriminelle Banden im Bereich des organisierten Verbrechens geworden.“

Auch die bekannte Berliner Jugend­richterin Kirsten Heisig, die die „hemmungslose Schädigung der Gesellschaft“ durch arabische Großfamilien angeprangert hatte, fühlte sich offenbar unter Druck gesetzt. Vergangenes Jahr vertraute sie Pfalzgraf an, von einer Großfamilie bedroht worden zu sein, deren Nachwuchs sie zu Freiheitsstrafen verurteilt habe. In ihrem Buch „Das Ende der Geduld“ schreibt die Richterin, die sich vergangenen Sommer das Leben nahm, es herrsche „blanke Angst“ vor Clanfamilien. Wer versuche, ein Kind zwangsweise aus einem arabischen Clan zu nehmen, so werde gemunkelt, der riskiere sein Leben.
Der für alle Aktionen unverzichtbare Informationsaustausch zwischen Sozialbehörden, Schulen, Polizei und Justiz gestaltet sich jedoch nicht nur wegen des Datenschutzes und bürokratischer Hemmnisse schwierig. „Polizei und Jugendämter sind wie Katz und Maus“, und Juristen und Sozialpädagogen reden grundsätzlich aneinander vorbei“, so die zugespitzte Lagebeschreibung einer Berliner Richterin.

Katja Gelinsky am 21.12.10 auf Cicero

Freitag, 6. Mai 2011

Die wahren Ursachen für Afrikas Versagen

Über die Motive der arabischen Revolten glaubt man zu wissen, dass es einer kommenden Generation um Unterdrückung und Armut geht, um Freiheit und Wohlstand, um ein Leben «in Würde». (...) Der Zorn richtet sich «nur» gegen einzelne Gewaltherrscher. Sind sie weg, wird nicht alles gut. Die wesentlich unangenehmere Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur unterbleibt: mit religiöser Intoleranz, mit dem ­gebrochenen Verhältnis der Geschlechter zueinander und mit dem korrupten Tribalismus, den Gepflogenheiten der altväterischen Stammesgesellschaft. Dass die politische und wirtschaftliche Misere auch damit zusammenhängen könnte, wird ausgeblendet.
Hansrudolf Kamer in der WeWo17.11, Seite 19.

Donnerstag, 31. März 2011

Gottes Souverenität verunmöglicht Religionen die Demokratiefähigkeit

Die früheren politischen Erfolge des Islam haben dazu geführt, dass sich Religion und Staat vermischt haben. Der Prophet galt nicht nur als geistiger Anführer, sondern war gleichzeitig Feldherr und Gesetzgeber. Das ist in der Seele des Islam verankert und erschwert heutige Säkularisierungsbemühungen...
... und gleichzeitig auch Demokratisierungsbemühungen? Wie sieht es mit der Demokratiefähigkeit des Islam aus? Geraten Demokratie und Religion nicht immer dann in einen Konflikt, sobald Gott als Souverän gilt und nicht die Bevölkerung?
Ich spreche grundsätzlich jeder Religion die Demokratiefähigkeit ab. Wann immer die Religion das Sagen in der Gesellschaft hat, gibt es keine Demokratie. Der Vatikan hat sich nicht demokratisiert, sondern er wurde von der Politik entmachtet. Soweit ist der Islam noch nicht. In den meisten islamisch geprägten Gesellschaften gibt es diese Skepsis gegenüber der Religion nicht. Es ist richtig, dass alle Religionen im Grunde archaischer, patriarchischer Natur sind, aber es geht letztlich um die Frage, was die Menschen daraus machen. Zumindest in Europa erkämpften die Menschen die Trennung von Religion und Staat. Diese Trennlinie gibt es in vielen islamischen Ländern nicht. Viele Menschen sagen, die Religion sei ein Teil der Lösung in diesen Gesellschaften. Ich sage, die Religion ist ein Teil des Problems. (...) Die sogenannten liberaleren Strömungen haben entweder mit der Religion nichts zu tun oder sie versuchen einen Spagat, der nicht funktionieren kann. Sie betonen die demokratietaugliche Seite des Islam und verschweigen die grausame Seite, weil sie sowohl von zivilgesellschaftlicher Seite als auch vom Westen anerkannt werden wollen. Letzten Endes bedeutet liberal aber eine totale Trennung von Religion und Staat. Es bedeutet, dass die Gesetzgebung nicht von Gott, sondern von den Menschen kommt und zwar durch Verhandlung, nicht durch göttliche Botschaften. Würden diese Prinzipien von liberaler Seite anerkannt, wäre der politische Islam im Kern bereits diskreditiert.

Schaut man sich demokratische Prozesse an, bedarf es eigentlich immer einer Mittelschicht, einer Zivilgesellschaft. Wo sehen sie diese Institutionen in der islamischen Welt?
Es gibt zumindest neue Ansätze einer Mittelschicht, in Ägypten, in Tunesien, in Syrien, sogar in Pakistan gibt es diese Ansätze einer zivilen Gesellschaft.

Hamed Abdel-Samad im Interview von Timo Stein, Cicero.

Freitag, 20. August 2010

rückständiges Südafrika

Rückständigkeit - Medizinmann - abergläubische Dorfbewohner ermorden Jahr für Jahr vermeintliche "Hexen" - ländliche Gebräuche - Blechhütten.

Die Hälfte der Menschen lebt an der Armutsgrenze, zwölf Millionen beziehen Sozialhilfe, nicht einmal sechs Millionen zahlen Einkommensteuer.

In Südafrika zählt ein Menschenleben wenig (Statistik 2009):
  • 18'148 Morde
  • 12'571 Totschlags-Delikte
  • mindestens 15'000 Verkehrstote
--> durchschnittlich kommen 130 Menschen pro Tag auf gewaltsame Weise ums Leben.
Zum Vergleich Spanien, mit ähnlicher Anzahl Einwohner: 315 Morde, 1897 Verkehrstote.

Ab Montag streikt die Eisenbahner-Gewerkschaft. Andernorts kein grosses Thema, aber hierzulande führt das automatisch zu Gewaltanwendung und Brandstiftung durch frustrierte Pendler.

Jugendliche ohne Zukunftsperspektive: arm und arbeitslos - aufgeheizte Stimmung bis tötlich zornig.

Demonstrationen: Keine Woche vergeht, ohne dass in Südafrika die Polizei Gummikugeln und Tränengas gegen Bürger einsetzt, die bessere Stromversorgung, Abwasserleitungen, Häuser und Jobs einfordern.

Minister für Hausbau: "Wir haben es tagtäglich mit einem hausgemachten Desaster zu tun."
Es gäbe 2600 Elendssiedlungen im ganzen Land - achtmal so viele wie 1994, als die Apartheit endete und Nelson Mandelas ANC den Armen schnelle Abhilfe versprach.

Wer gehofft hatte, dass die WM-Vergabe eine Wende herbeiführen würde, sieht sich bitter enttäuscht. Statt der halben Million Fans kommt wohl nur die Hälfte. Das entspräche exakt der Zahl der Touristen aus den USA, die im vergangenen Jahr am Kap Ferien machten - ohne Fussball-WM.
Thomas Knemeyer in der NZZaS vom 9. Mai 2010, Seite 22f.

Mittwoch, 11. August 2010

wirkungslose WM im verlorenen Afrika

In ein paar Jahren, wenn die überdimensionierten Stadien ungenutzt vor sich hin motten, werden einem beim Stichwort "WM in Südafrika" wahrscheinlich vor allem die Vuvuzelas durch den Kopf gehen.

Nix "Heimspiel". Der Ivoirer kümmert sich im Allgemeinen einen Dreck darum, was in Kamerun geschieht, und die Südafrikaner halten sowieso alle anderen für Wilde. Ein Nigerianer würde es kaum wagen, mit seiner Nationalflagge durch die Strassen Johannesburgs zu kurven: Seine Landsleute gelten dort allesamt als Drogendealer und Gangster, und falls sie einer geregelten Arbeit nachgehen: Umso schlimmer, dann nehmen sie den Einheimischen den Job weg.
Das Festhalten an magischen Prozeduren und übernatürlichen Erklärungen für Sieg und Niederlage:
Wäre wirklich etwas dran an der Macht von Zauberern - Afrika müsste längst der - nicht nur sportlich - erfolgreichste Kontinent der Welt sein.

David Signer in der NZZaS vom 27. Juni 2010, Seite 73.

Freitag, 23. Juli 2010

Kanun

mittelalterlichen Gesetze des Kanun
gelten im Norden Albaniens in unterschiedlichen Versionen seit über fünfhundert Jahren

Besonders verbreitet ist bis heute der "Kanun des Leke Dukagjini", der in rotem Einband in jeder Buchhandlung in Albanien zu finden ist. Seine 1262 Artikel regeln alle Aspekte des Zusammenlebens - unter anderem sieht der Kanun auch Zwangsverheiratung und Blutrache vor.

Manchmal geht das Morden so lange weiter, bis es keine Männer mehr in der Familie gibt.

Lange ruhten die archaischen Gesetze. Das kommunistische Regime unter dem Diktator Enver Hoxha hatte in den vierziger Jahren jede Form von Selbstjustiz verboten und den Einfluss des Kanun zurückgedrängt. Doch Anfang der neunziger Jahre, als in Albanien der Kommunismus zusammenbrach, versank das Land in Anarchie.

Greta Taubert auf cicero

Donnerstag, 13. Mai 2010

Zwangsehen in der Schweiz

Besonders betroffen sind Jugendliche aus der Türkei, aus Sri Lanka und aus dem Kosovo.

Gründe:
  • Finanzielle Interessen der Eltern, bzw. der Verwandtschaft
  • Religiöser Fanatismus
  • Rückständige Tradition
Für viele Betroffene – meist junge Frauen der zweiten Migrantengeneration – beginnt mit der Heirat erst der schlimmste Teil ihres Martyriums: sexuelle Nötigung, häusliche Gewalt und gesellschaftliche Gettoisierung.
Luca Cirigliano in der WeWo16.10, Seite 49.

Freitag, 1. Januar 2010

zurückgebliebene Entwicklungsländer

Hosentragen ist im Sudan seit 1991 mit Berufung auf den Artikel 152 des Strafrechts über „skandalöse Handlungen“ untersagt. Darunter fallen zum Beispiel auch Prostitution und Ehebruch.
Lubna Ahmed al-Hussein im Interview von Stefan Brändle in der WeWo52/53.09, Seite 56ff.
Solche Länder bezeichnet man also als Entwicklungsländer. Sind da wirklich Entwicklungen im Gange? Oder mit dem Vormarsch des Islams eher Entwicklungen zurück in das unaufgeklärte Mittelalter? Treffender wäre wohl "Unterentwicklungsländer" oder "die Zurückgebliebenen".

Donnerstag, 23. Juli 2009

selbstgewollte Unmündigkeit der Freikirchen

Während die Landeskirche die Bibel meist als Sammlung symbolischer Geschichten versteht, ist sie für Freikirchler in der Regel eine wörtlcih zu nehmende Betriebsanleitung für das Leben. Damit drehen sie das Rad der Geschichte hinter die Aufklärung zurück, um in selbstgewollter Unmündigkeit Sinn und Halt zu finden.
Martin Helg in der NZZaS vom 19.07.2009, Seite 53.