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Mittwoch, 10. November 2010

Rückständiger Osten - immer noch

Die Arbeitsproduktivität in den neuen Bundesländern stagniert, wie die Löhne, bei etwa 75 Prozent der Leistung im alten Westen. Jeder dritte Euro, der im Osten ausgegeben wird, wurde nicht dort erwirtschaftet, stammt aus Transferleistungen. Die Arbeitslosigkeit und die Zahl der Hartz-IV-Empfänger sind etwa doppelt so hoch wie im Westen.

Und dennoch blieben begründete Zweifel, ob die ostdeutschen Bundesländer ganz ohne Hilfen auskommen könnten. Vieles spricht dafür, dass sie durch die lange Förderzeit dauerhaft an den Tropf gewöhnt worden sind. Diese Einsicht will gegenwärtig niemand den Deutschen zumuten.

Die Vereinigung hat zunächst die Staatsgläubigkeit gestärkt, hat in beiden Landesteilen nostalgische Stimmungen befördert und eine Kultur der gegenseitigen Schuldzuweisungen hervorgebracht. Entweder war der arrogante Wessi schuld, oder der faule Ossi begriff wieder einmal nichts – Hauptsache, man konnte weiterjammern und mit dem Finger auf andere zeigen.

Jens Bisky in der WeWo40.10, Seite 52f.

Montag, 4. Oktober 2010

teurer Fehler deutsche Wiedervereinigung

Die grossenteils verrotteten Staatsbetriebe werden einer Treuhandgesellschaft übertragen, die in den folgenden vier Jahren 14 500 von ihnen privatisiert und 3500 stelllegt. Die Treuhand hinterlässt Ärger, Misstrauen und 275 Milliarden D-Mark Schulden.

Und nun beginnt Westdeutschland zu bluten unter dem gewaltigsten Hilfsprogramm der Weltgeschichte: 1600 Milliarden Euro sind seither von West- nach Ostdeutschland geflossen, 219 Millionen Euro Tag für Tag. Sanieren, modernisieren, verschönern!

Wolf Schneider im NZZ Folio 10/2010, Seite 17.


Die Kluft zwischen Ost und West ist unverändert gross. Die Arbeitslosenquote im Westen beträgt 6, im Osten aber 11 Prozent. Die Differenz ist in den 20 Jahren nach der Wiedervereinigung nicht geringer geworden. Ein Arbeitnehmer im Osten bekommt nur drei Viertel dessen, was sein Kollege im Westen verdient. Die Wirtschaftsleistung in den östlichen Bundesländern beträgt im Vergleich zum Westen nur 70 Prozent.

Exodus
Die Bevölkerungszahl im Osten ist seit 1990 um 1,7 Millionen auf 13 Millionen Einwohner geschrumpft. Vor allem die junge Generation machte sich auf den Weg in den Westen und hinterliess Dörfer, in denen nur noch Rentner leben.

Gerd Kolb in der NZZaS vom 3.10.10, Seite 5.

Sonntag, 24. Mai 2009

DDR trotzt 2'500 Mrd. CHF Konjunkturprogramm

Der Nutzen staatlicher Beihilfen ist nicht erwiesen. Das grösste Konjunkturprogramm der Gegenwart ist die seit bald zwei Jahrzehnten mit Grossaufwand betriebenen Aufpäppelung der früheren DDR. Insgesamt zweieinhalb Billionen Franken investierte die Bundesrepublik bisher in den Aufbau Ost. Die Resultate sind ernüchtern. (...) Die DDR krankt nach wie vor an einem Massenexodus und einem auch im Vergleich mit anderen ehemaligen Oststaaten schwachen Wirtschaftswachstum. (...) Es ist das alte Drama der Planwirtschaft: Beste Absichten produzieren Unheil und Verluste.
Roger Köppel in der WW21.09, Seite 5f.

Mittwoch, 6. Mai 2009

Ossifizierung

In Ost und West gibt es eine neue Mentalität bis weit in die Mittelschicht hinein, dass man staatliche Leistungen mitnimmt, wo man sie kriegen kann.
Ex-Kanzler Gerhard Schröder

...und er weiss, dass es früher bei "uns" nicht so war.
Maxim Biller in der WW18.09, Seite38ff