Posts mit dem Label Universitäten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Universitäten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 24. November 2008

Nassim Taleb: Der Schwarze Schwan

Taleb ist im Libanon aufgewachsen, studierte in Paris angewandte Mathematik, bevor er an der Elite-Universität Wharton seinen MBA macht. BWL, diesen "Quatsch", hält er nicht länger aus... Er entdeckt eine systematische Unterbewertung von Put-Optionen und als am 19. Oktober 1987 der Dow Jones um 22 Prozent fällt, macht er auf einen Schlag Millionen. Er nennt es sein "Fuck you"-Money.
Angenommen, Sie sind eine Weihnachtsgans. Tag für Tag, über Monate, werden Sie gefüttert. Sie müssen nichts dafür tun, nur fressen, und für Sie ist es offensichtlich, dass die Menschen Ihnen gutgesinnt sind. Wichtiger: Mit jedem Tag festigt sich diese Erkenntnis. Sie wird zur Gewissheit, dann zur unumstösslichen Wahrheit. Schliesslich kommt der Weihnachtsabend, und Sie werden geschlachtet. Aus der Sicht der Gans ist Weihnachten ein "Black Swan" – ein Ausreisser des normalen Ablaufs mit verheerenden Konsequenzen, der unmöglich aus der Vergangenheit abgeleitet werden konnte.

Die Welt ist voller "Schwarzer Schwäne": Epidemien, Kriege, der 11. September, Börsenblasen und -crashs. (...) "Schwarze Schwäne" kommen häufiger vor, als wir denken, und sie haben grössere Auswirkungen, als wir uns vorstellen können. Sie entziehen sich der Vorhersage, und rückblickend überraschen sie durch ihre scheinbare Zwangsläufigkeit.

Medien sind der Gipfel der Irrelevanz. Sie bieten keinen predictive value [Prognosewert], der es einem ermöglichen würde, bessere Entscheidungen zu treffen.
Woher hat er seine Ideen? Aus seiner Bibliothek:
10 000 Bücher. In Griechisch, Lateinisch, Hebräisch, Französisch, Italienisch, Arabisch und Englisch. Er liest sie alle im Original. Philosophie, Mathematik, Belletristik, Medizin, Geschichte. Nassims Helden sind die Freigeister wie Sextus Empiricus, Montaigne, Spinoza, Hume, Rousseau, Paracelsus, Mandelbrot – Denker, die Wissensgebiete nicht nur beackerten, sondern gleich selbst erschufen. Praktiker, sagt Nassim. "Die wirklichen Durchbrüche kommen nie aus den Universitäten."


Ein Tag mit Taleb ist ergiebiger als ein Semester an der Universität St. Gallen.
Rolf Dobelli über Nassim Taleb in der WW40.08, Seite 42f.

Montag, 3. November 2008

Marina Berlusconi

Dabei hat Marina Berlusconi keinen Hochschulabschluss. Erst versuchte sie ihr Glück mit Jura, dann mit politischen Wissenschaften. Die Universität langweilte sie. Sie jobbte lieber in Mailänder Boutiquen. Dann erhielt sie eine Ausbildung ganz besonderer At. Mit Bleistift und Block in der Hand blickte sie Topmanagern ihres Vaters über die Schulter. "Dieses Training war besser als ein Master in Harvard", sagte sie später. Huete gehört Marina Berlusconi zu den 50 mächtigesten Wirtschaftsführerinnen der Welt. Auf der anerkannten "Forbes"-Rangliste steht sie auf Platz acht.
Patricia Arnold in der NZZaS vom 2.11.08, Seite 7.

Mittwoch, 9. Juli 2008

Wissenschaft zum Eigennutz

Es wird unheimlich viel Schrott publiziert, der mit einer praktischen Anwendbarkeit nichts mehr zu tun hat.
Rudolf Strahm im Interview mit Philipp Gut und Andreas Kunz in der WW27.08, Seite 46ff

Mancher Forscher sucht nach Möglichkeiten, seine Publikationsliste aufzublasen.
publish or perish: Veröffentliche Artikel in Fachzeitschriften oder du gehst unter.

Forscher erhöhen ihre Artikelzahl auf verschiedene Weise. Neben dem Abschreiben ist Folgendes beliebt:
  • Salamitaktik: Ergebnisse werden zerlegt; Daten als "kleinste publizierbare Einheit" veröffentlicht.
  • Ehrenautorschaft: Der Institutsleiter erwarete, ohne fachlichen Beitrag als Autor genannt zu werden.
  • Tauschgeschäfte: Ein Betreuer "erkauft" sich die Erstautorenschaft. Der Mitarbeiter darf dafür an einen Kongress.
  • Duplikate: Ergebnisse werden gleichzeitig bei mehreren Zeitschriften eingereicht. Eine Studie ergab, dass im Online-Archiv Medline mehr als 200'000 der 8,7 Mio. Arbeiten Duplikate sind.
Andrea Six in der NZZaS vom 6.7.08, Seite 67

Ökonomie, eine Scheinwissenschaft

Was haben wir da nicht schon alles für ökonomische Doktrinen gehört! Mit professoralem Imponiergehabe wurden Theorien heraufbeschworen, die bald wieder verschwunden sind. Ökonomie bleibt eine normative Wissenschaft mit viel Scheinexaktheit. (...) Auch wenn man die intelligentesten mathematischen Modelle mit Müll füttert, kommt Müll heraus.
Rudolf Strahm im Interview mit Philipp Gut und Andreas Kunz in der WW27.08, Seite 46ff

Überbewertung der Universitäten

Stellung der Universitäten und Bologna
Die Bologna-Reform bringt eine Akademisierung.
Der akademische Weg wird überbewertet.
Bei Universitäten fehlt der Bezug zum realen Leben und zur Arbeitswelt oft.
Es gibt nichts Arbeitsmarktferneres als die Universitäten.

Die Ausbildung an den Universitäten muss praxisnaher werden. Bei vielen Uni-Abgängern fehlt schlicht die employability - die Arbeitsmarktfähigkeit.

Es findet eine Anpassung an das Bildungssystem von Ländern statt, die mit ihrer Ausrichtung auf den Arbeitsmarkt ziemlich versagt haben.

Viele glauben, die Wertschöpfung käme allein von Universitätsabgängern. Doch wenn die Universitäten massgebend wären, hätten uns Länder wie Frankreich oder England schon längst überholt. (...) Wir sind berufspraktisch besser ausgebildet als andere - das ist der Kern unseres Reichtums.
Kosten
Das Berufsbildungssystem ist aber sicher das kostengünstigste und effizienteste. Ein Lehrling kostet den Staat jährlich etwa 8000 Franken, den Rest bezahlen er und sein Betrieb selber. Ein Gymnasiast dagegen kostet den Staat durchschnittlich 20 000 Franken pro Jahr.

Rudolf Strahm im Interview mit Philipp Gut und Andreas Kunz in der WW27.08, Seite 46ff