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Sonntag, 26. Juni 2011

Griechenland: Anfang vom Ende

Mit Griechenland begann die Blühtezeit Europas und der westlichen Zivilisation, vielleicht wird sie auch mit uns enden.
ein protestierender, griechischer Student vor ein paar Tagen vor dem Athener Parlament.
Griechenland als eine Art Protektorat ausländischer Herrscher...werden nicht von Athen aus regiert...Die politisch und ökonomisch wichtigen Entscheidungen werden in Berlin (Angela Merkel), Paris (Nicolas Sarkozy), Brüssel (EU), Frankfurt (Europäische Zentralbank) und Washington (IWF) getroffen.
Wenn Griechenland nicht seinen Bankrott erklären will, wenn Griechenland nicht verantwortlich für den Zusammenbruch des Euro sein will, muss es die Bedingungen seiner Kreditgeber erfüllen...weitgehend ausgeklammert wird, dass niemand Griechenland gezwungen hat, so viele Schulen aufzunehmen.
  • Athen hat in etwa die Lebenshaltungskosten von Frankfurt am Main
  • 750 EUR Durchschnittslohn in Griechenland - ohne öffentlicher Sektor - p.m.630 EUR Durchschnittsrente - p.m.
  • 20-30% Lohn- und Gehaltskürzungen, teil des Sparpakets
  • von 18 auf 23% Erhöhung der Mehrwertsteuer, auch teil des Sparpakets
  • von 0.90 auf 1.75 EUR/l Benzin (Oktober 2009 im Vergleich zu heute)
  • von 9 auf 16% Zunahme der Arbeitslosenquote (Oktober 2009 im Vergleich zu heute)
  • 40% Jugendarbeitslosigkeit (16-24 Jährige)
--> 3/4 der Bevölkerung leben heute an der Armutsgrenze
Hellas steht nicht am Abgrund, das Land ist bereits wie eine Comicfigur über den Abgrund hinausgerannt und rotiert seit Tagen mit den Füssen, im Glauben, auf festem Boden zu wandeln. Dabei wird es bald bemerken müssen, dass es in der Luft hängt, dass nur Millisekunden fehlen, ehe es wie ein Stein hinunterstürzen und zerschmettert werden wird. Daneben wird dann vielleicht auch der Euro liegen.

Alexandros Stefanidis in der NZZaS vom 26.06.2011, Seite 22.

  • 768'000 Beamte in Griechenland
  • haben einen 14. Jahreslohn - ein Hohn gegenüber der Unter- und Mittelschicht
  • die sehr starken Beamten-Gewerkschaften verteidigen jedes Privileg
Folgendes ist die Ursachenkette - interessant ist, was am Anfang steht

Bankrott <-- politische Blockade, das Budget wieder in den Griff zu bekommen <-- zu starke Verteidiger staatlicher Privilegien <-- zu viele Ausgaben im Vergleich zu den Einnahmen <-- Korruption und Vetternwirtschaft <-- Anspruchshaltung an den Staat <-- linke, sozialistische, kommunistische Überzeugung
Europas Regierungen, EZB und IMF haben trotz Milliardenzahlungen den Markt nicht beruhigen können. Die Frage sei nicht ob, sondern vielmehr wann die Zahlungsunfähigkeit eintritt, schrieb Harvard-Professor Martin Feldstein diese Woche in der «Financial Times» und gab damit die Meinung vieler Ökonomen wieder. Angesichts der desolaten Lage Griechenlands mehren sich die Stimmen, die eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands der Kaskade an Milliardenzahlungen vorziehen. Nach dem Motto: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Chanchal Biswas und Gordana Mijuk in der NZZaS vom 26.06.2011, Seite 20f.

Freitag, 29. April 2011

Freier Wille vs. biologische Determiniation

Das naturgeschichtlich gewachsene Erbprogramm steuert das menschliche Verhalten. Die menschliche Vernunft hat wenig Chancen dagegen.
Professor Eckart Voland

Biologischer Determinismus führt ­nirgends hin. Wenn man denkt, man habe ­einen freien Willen, hat man einen freien ­Willen.
Baroness Susan Greenfield, britische Hirnforscherin
Nun ein persönliches Beispiel: Ich trinke gerne Bier und esse gerne Cordon-Bleu. Wenn ich dies aber zu häufig tue, schmeckt es mir zwar immer noch, es hat aber unerwünschte gesundheitliche Nebenwirkungen (dick). Also nutze ich meinen freien Willen um mein inneres Bedürfnis zu überwinden, auf das schmackhafte Mahl zu verzichten und ab und zu einen Salat runter zu würgen. Dies macht jedoch unglücklich und führt zu einer seelischern Unausgeglichenheit. Das Verlangen nach Bier und Cordon-Bleu bleibt trotzdem bestehen.

Aktuell sehe ich folgende mögliche Lösungen
- Neurolinguistische (Um-)Programmierung
- Neugestaltung des Unterbewusstseins durch Hypnose
- Selbstverleugnung: Sich selbst so lange einreden, dass es anders ist, bis man es selbst glaubt.
Wobei die bessere Hälfte jeweils auf eine natürliche Lösung hofft: Sie nennt sie "Reife"...
Menschliche Entscheidungen gegen die biologischen Impulse des Gehirns sind nicht nur möglich, sondern alltäglich. Man nennt es Zivilisierung, und man muss es tun. Ich glaube, es hilft, wenn man weiss, welches die Impulse sind, die man niederzuhalten versucht. Aber wenn ein Mann Frau und Kinder hat, ist es völlig egal, welches die Ausstattung seiner Rezeptoren-Gene ist. Er trägt der Familie gegenüber Verantwortung. Aber möglicherweise ist es nützlich, zu wissen, dass er wegen seiner Gene härter arbeiten muss, um treu zu sein. Genau so, wie es nützlich ist, zu wissen, dass man gefährdeter ist als andere, Diabetes oder einen Schlaganfall zu bekommen.
Neuropsychiaterin und Berkeley-Professorin Louann Brizendine
Aus einem Artikel von Beatrice Schlag in der WeWo12.11.

Donnerstag, 24. März 2011

Japan: eine fortschrittliche Zivilgesellschaft

In keinem anderen Land hat die Religion einen derart geringen Stellenwert wie in Japan. Die Japaner verhalten sich so geregelt, weil das so geplant ist. Sie schöpfen ihre Ruhe aus dem Vertrauen, dass alle in dieser Organisation mitmachen, und daraus, dass sich mit Technik jedes Problem lösen lässt. [Einen anderen Lösungsweg als die Technik, gibt es gar nicht.]
Heinrich Reinfried, Japanologe, in einem Artikel von Thomas Fuster in der NZZaS vom 20.03.2011, Seite 23.

[In Japan] harrt man aus und beschwört jene urjapanische Tugend des «ganbaru», des Durchhaltens, auch unter widrigsten Umständen. Diese Haltung trägt dazu bei, dass in der Megalopolis von Tokio eine Massenpanik bisher verhindert werden konnte. Nicht auszumalen, was sich bei vergleichbarer Bedrohung in einer westlichen Metropole abspielen würde. Die Weisungen der Behörden würden kaum mit ähnlicher Disziplin befolgt. Bei der Verteilung knapper Güter wäre ein wildes Drängeln unvermeidlich, und auch mit der Plünderung verwaister Büros und Wohnungen müsste gerechnet werden. Nichts von alledem in Tokio: In einer ohnehin schweren Zeit belastet man die Mitwelt nicht noch mit eigenen Sorgen. Man bewahrt Haltung, bleibt besonnen und leistet so seinen ganz persönlichen Beitrag zur Bewältigung einer schier unlösbar scheinenden Krise.
Thomas Fuster in der NZZaS vom 20.03.2011, Seite 22f.
Und daneben gibts Gebiete, in welchen sofort geplündert wird, besteht die Möglichkeit: Osteuropa, New Orleans, Afrika...

Samstag, 9. Oktober 2010

Opfer der Gene und Hormone?

...die Gehirne beider Geschlechter passen sich nach neuerer Forschung jeder neuen Erfahrung an und sind sehr viel veränderbarer, als noch vor einem Jahrzehnt angenommen. Dennoch werden Männer in ihrem neuen Buch vorwiegend als Opfer ihrer Gene und Hormonausschüttungen dargestellt.
Menschliche Entscheidungen gegen die biologischen Impulse des Gehirns sind nicht nur möglich, sondern alltäglich. Man nennt es Zivilisierung, und man muss es tun. Ich glaube, es hilft, wenn man weiss, welches die Impulse sind, die man niederzuhalten versucht. Aber Tiger Woods kann sich damit nicht entschuldigen. Wenn ein Mann Frau und Kinder hat, ist es völlig egal, ob er ein mehr oder weniger langes Rezeptoren-Gen für Vasopressin hat. Er trägt ihnen gegenüber Verantwortung. Aber möglicherweise ist es nützlich, zu wissen, dass man ein kurzes Gen hat und deswegen härter arbeiten muss, um treu zu sein. Genau so, wie es nützlich ist, zu wissen, dass man gefährdeter ist als andere, Diabetes oder einen Schlaganfall zu bekommen.»
Beatrice Schlag in der WeWo16.10, Seite 30ff, bezieht sich auf Louann Brizendine: The Male Brain, Random House, 2009, 304 Seiten.

Dienstag, 17. August 2010

kriegerischer Islam mit zivilisiertem Westen unverträglich

Ich möchte niemanden beleidigen, weil es unter den Muslimen auch viele gute Menschen gibt, aber ich habe begriffen, dass Gewalt und Kriege die wahre Identität des Islams sind. Ich kann Hunderte islamischer Regeln nennen, mit denen die Grundrechte von Menschen negiert werden können. Deshalb glaube ich, dass der Islam, so wie er von den Islamisten propagiert wird, für eine zivilisierte und moderne Welt untauglich ist. Keine Religion ist dafür gemacht, über Menschen zu herrschen. Religion darf allein in den Herzen der Menschen ihren Platz haben. Der Glaube ist etwas sehr Persönliches.

Caspian Makan im Interview von Johannes von Dohnanyi auf Cicero

Montag, 24. November 2008

Kritik an der Schweizer Blogosphäre

Die Schweizer Online-Welt ist ähnlich fromm geworden, wie es die Welt der Presse schon von jeher war. Das Netz ist mittlerweile so politisch korrekt wie die Leserbriefe im Lokalblatt. Sogar die Blogs, die früheren ungezogenen Kinder des Netzes, übertreffen sich inzwischen an gebremster Zivilisiertheit und unverbindlicher Banalität.

Bei uns sieht das düsterer aus. Es gibt in der Eidgenossenschaft keinen frechen Polit-Blog, keinen gutgemachten Wirtschafts-Blog und keinen flotten Unterhaltungs-Blog. Vergleichsweise mickrige Schwachstrom-Blogs wie jene von Moritz Leuenberger und Kurt Aeschbacher gehören zu den Angeboten mit dem höchsten Beachtungsgrad.
Kurt W. Zimmermann in der WW40.08, Seite 29.
Da freut sich der Leser doch umso mehr über einen etwas würzigeren Blog... :-D