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Donnerstag, 27. Oktober 2011

Die Politik hat's verbockt - nicht die Banken

Vor drei Jahren krachten infolge der Subprime-Crisis einige Banken zusammen. Heute sind wir mit dem Problem hochverschuldeter Staaten konfrontiert. Und jetzt heisst es "Occupy Wall Street"? Die Banken sind zum Prügelknaben geworden. Man spielt die Banken gegen die Wirtschaft aus, die von den Banken finanziert wird. Die Schweiz verdankt grosse Teile ihres Wohlstands der Finanzindustrie.

Die meisten Vorwürfe sind falsch. Nicht die Banken haben die Welt in eine Finanzkrise geritten. Am Ursprung der US-Finanzkrise stand der Wunsch der amerikanischen Regierung, alle Amerikaner, ungeachtet ihres Vermögens und Einkommens, in die Lage zu versetzen, ein Haus zu kaufen. Die Immobilienhausse war politisch gewollt und wurde mit billigem Geld befeuert. Hinter den grössten US-Hypothekarbanken stand der Staat. Anerkannte Ra­ting­agenturen beurteilten die aus den Hauskrediten abgeleiteten Finanzanlagen als sicher, da am Ende das mächtige Washington für die Immobilienkredite bürgte.

Nicht die Marktwirtschaft ist krank. Die Politik hat durch falsche Eingriffe die Grundlagen der Marktwirtschaft zerstört. Marktwirtschaft heisst: Unternehmen investieren in Produkte oder Dienstleistungen. Wenn sie es gut machen, werden sie reich und erfolgreich. Wenn sie es schlecht ­machen, müssen sie untergehen, sterben. Vom Markt verschwinden.

Was geschah während der Finanzkrise? Banken, die sich aufgrund staatlicher Kreditgarantien im Immobilienmarkt verspekuliert hatten, wurden gerettet. Risiko ohne Haftung. Am Ende zahlt der Staat, zahlen die Bürger, ohne dass man sie gefragt hätte. Das ist nicht Marktwirtschaft, sondern Planwirtschaft, also das Gegenteil von Marktwirtschaft. Die Prinzipien der Marktwirtschaft – Unternehmer haften mit ihrer Existenz für ihre Risiken – sind heute so richtig wie vor hundert Jahren. Es gibt keine «Krise des Kapitalismus». Es gibt eine fatale Rückkehr der Planwirtschaft, deren Folgen von Politikern und Journalisten irrig der Marktwirtschaft zugeschrieben werden.

Zur Marktwirtschaft gehört auch: Wer zahlt, befiehlt. Der Eigentümer haftet. Das ist in überschaubaren Familienunternehmen nach wie vor der Fall. In börsenkotierten Konzernen wird es schwieriger. Hier haben die Manager und Verwaltungsräte in der Regel mehr Macht als die Aktionäre. Die Finanzkrise offenbarte auch hier, dass die Grundprinzipien der Marktwirtschaft durch den Staat nicht ausreichend geschützt werden. (…) Der Staat ist der oberste Hüter des Privateigentums, aber er lässt es zu, dass die Eigentümer durch ihre Angestellten wegen eines falschen Aktienrechts enteignet werden.

Die Politiker freuen sich am Banken-Bashing, weil dann nicht über ihre Fehler geschrieben wird.

Es stimmt nicht, dass die Staatsverschuldung durch die Bankenrettung zustande kam. Schon vorher waren die Schuldenberge gigantisch. Das ­im Quervergleich hochsolide Deutschland hatte bereits vor der Finanzkrise Gesamtschulden von 1,65 Billionen, heute 2 Billionen Euro, nicht eingerechnet die aus­stehenden Rentenverpflichtungen, die ein Vielfaches des Defizits ausmachen. Es stimmt zwar, dass die Banken fahrläs­sige Risiken eingegangen sind durch den Kauf von Euro-Staatsanleihen. (…) Sie kauften sie deshalb, weil Staatsanleihen in der EU staatlich gefördert wurden. Staatsanleihen galten als sicher. Banken mussten kein höheres Eigenkapital unterlegen. Die Rückzahlung wurde durch politische Willenserklärungen untermauert. (…) Der Gedanke an mögliche Schuldenkrisen oder an eine Euro-Schwäche wurde bis vor kurzem als Vorstufe zur Gotteslästerung taxiert.

Man muss nicht Mitleid haben mit Banken, die ernsthaft daran geglaubt haben, dass die Griechen jemals ihre Schulden zurückzahlen. Aber man muss darauf hinweisen, dass auch die jüngste Finanzkrise nicht von den Banken ausging, obwohl sie den Versprechen der EU auf den Leim krochen. Das Schlamassel wurde von der Politik angerichtet, die wie bei der US-Immobilienblase durch falsche ­Garantien und ungedeckte Versprechen Investitionen auslöste, über die sich die Politik heute so heuchlerisch beklagt.

Banken sind notwendige Säulen unserer Wirtschaft und unseres Wohlstands. Die Protestler sollten ihre Biwaks vor dem Bundeshaus aufschlagen, um für mehr, nicht weniger Marktwirtschaft zu demonstrieren.

Roger Köppel in der WeWo42.11, Seite 18f.

Mittwoch, 16. März 2011

Strukturelle Gründe für glass ceiling

Dass Frauen beziehungsweise Mütter in der Schweiz nach wie vor weniger aufsteigen als ihre männlichen Kollegen, führt er in erster Linie auf strukturelle Effekte zurück. Wenn man davon ausgeht, dass in einem Unternehmen 1000 Männer und 110 Frauen (11%) auf der untersten Stufe stehen, 10% von ihnen auf die nächsthöhere Ebene befördert werden, verbleiben 100 Männer und 11 Frauen. Bei der nächsten Beförderung sind es noch 10 Männer und 1 Frau. «Dass diese einzige Frau gegenüber 10 Männern geringe Chancen hat, nochmals befördert zu werden, liegt auf der Hand», sagt der Profi.
Charlotte Jacquemart in der NZZaS vom 13.03.2011, Seite 31.

Sonntag, 26. September 2010

EU-Funktionäre fehlbarer als Marktkräfte

Die EU schafft eine neue Superbehörde für Finanzaufsicht, welche sich...
schwerpunktmässig mit Banken, mit Versicherungen und mit Wertpapierhandel befasst.
Wir sind mehr als sekptisch, ob sich die hochfliegenden Erwartungen erfüllen werden. Ist aus der Geschichte auch nur ein Beispiel bekannt, wo Funktionäre und Beamte ein relevantes wirtschaftliches Risiko früher gesehen haben? Der Glaube daran, der Staat werde Managementfehler erschweren oder gar verunmöglichen, ist auch logisch falsch. Wenn es so wäre, müsste der Staat die Kontrolle über die Wirtschaft gleich vollständig an sich ziehen. Die Schweiz sollte sich hüten, diesem Vorbild nachzueifern.
Roger Köppel in der WeWo36.10, Seite 5.

Montag, 14. September 2009

künftige Unternehmensführung

Sicher ist die Finanzkrise zu einem guten Teil auf die Philosophie vieler Manager, rücksichtslos und mit allen Mitteln maximale Gewinne zugunsten des eigenen Prestiges und eines hohen Bonus zu erarbeiten, zurückzuführen.

Die Zeiten einer Unternehmungsführung, die nur auf kurzfristige Gewinnmaximierung ausgerichtet ist, sind endgültig vorbei. Anzustreben ist ein langfristiger Gewinn unter Nebenbedingungen, das heisst, man ist bei allen Tätigkeiten immer wieder bestrebt, den vielseitigen Ansprüchen aller Anspruchsgruppen zu genügen und alle Tätigkeiten in der Öffentlichkeit zu legitimieren.

Rolf Dubs in der NZZaS vom 06.09.09, Seite 23.

Donnerstag, 23. Juli 2009

Resultate 2. Quartal 2009

CS: 2.2 Mrd. CHF Neugeld, Reingewinn 1.57 Mrd. CHF; niemand vom höchsten Management im Mutterschaftsurlaub

ABB: Reingewinn -31%, Umsatz -12%; CEO Schweiz im 4 monatigen Mutterschaftsurlaub
Für einmal konnte sich die CS glücklicherweise von dem Titel "Beliebtester Arbeitsgeber für Frauen" lösen...

btw: Goldman… announced that it had earmarked $11.4 billion so far this year to compensate its workers. At that rate, Goldman employees could, on average, earn roughly $770,000 each this year.

Sonntag, 24. Mai 2009

volle Verantwortung mit beschränkter Haftung?

Investitionen werden umso sorgfältiger gemacht, je mehr der Verantwortliche für diese Investitionen haftet.
Walter Eucken

Gerade in der persönlichen Verhaftung der Theilnehmer liege ein wirksames Mittel, dem Hange zum Aktienspiele entgegen zu wirken und die Interessenten zu veranlassen, das Unterehmen im Voraus gehörig zu überlegen.
Ein deutscher Minister, 1843, anlässlich den Beratungen zum ersten deutschen Aktiengesetztes und zur Schaffung von Gesellschaftsformen mit beschränkter Haftung.

Heute partizipieren Kapitalgeber zwar gerne unbegrenzt an den Gewinnen, die mit erfolgreichen Unternehmen erwirtschaftet werden, aber sie sind nicht bereit, auch unbegrenzt für deren Verluste einzustehen.

Der Eigentümer einer Firma, der mit seinem persönlichen Vermögen für ein Unternehmen haftet, wird dessen Führung kaum an ihn unbekannte Dritte übergeben. Dank der Haftungsbeschränkung wurde die bis heute andauernde Entwicklung weg vom aktiven Unternehmer hin zum passiven Eigentümer in Gang gesetzt.
Mathias Binswanger in der WW19.09, Seite 23.

Mittwoch, 5. November 2008

10 Tipps für Unternehmen gegen die Krise

  1. Beschütze dein Bargeld: Mögliche Ausgaben verschieben, auf den Cashflow fokussieren und das Management des Arbeitskapitals verbessern
  2. Schütze deine Bilanz: Verschuldungsgrad reduzieren, Aktienrückkaufprogramme stoppen und zusätzliche Finanzierungsquelen evaluieren.
  3. Verbessere dein Risikomanagement: Mit Szenarien arbeiten, mögliche Marktentwicklungen durchspielen und so die Anfälligkeit reduzieren.
  4. Lanciere jetzt das Kostenspar-Programm: Der richtige Moment, um Überkapazitäten abzubauen und ineffiziente Strukturen zu reorganiseren.
  5. Binde deine Kunden an dich: Die Marketing-Ausgaben noch konsenquenter auf Kunden konzentrieren, welche die meiseten Einnahmen generieren.
  6. Passe das Produkteportfolio und die Preise an: Nicht wensentliche Produktekategorien zurückfahren., Konsumenten Finanzierungshilfen bieten.
  7. Stosse ab, was nicht zum Kerngeschäft gehört: Das Investiontionsprogramm bremsen und trotz tiefen Preisen unrentable Assets verkaufen.
  8. Investiere trotz der Krise: Von günstigeren Infrastrukturkosten und dder abhehmenden Konkurrenz um Arbeitnehmer profitieren.
  9. Übernehmedeinen Konkurrenten: Schwäche der Mitbewerber und tiefe Aktienkurse eröffnen erstklassige Möglichkeiten der Akqquisition.
  10. Überdenke Dein Geschäftsmodell: Antizipieren von neuen staatlichen Strukturen und verändertem Verhalten der Marktteilnehmer.
by Boston Consulting Group via Daniel Puntas in der NZZaS vom 2.11.08, Seite37
So lassen sich eigentlich die BWL-lastigen Fächern eines BWL-Studium zusammenfassen. Einfach diese Liste verinnerlichen und man kann sich all die Kurse schenken: Strategisches Management 1-3, International Management, Marketing Management, Operations Management, etc.

Donnerstag, 17. April 2008

Krisenmanager

Juristen und Buchhalter bürgen für Seriosität. Damit verkörpern sie Hoffnung, gerade in der Krise. Ihr Nachteil: Sie denken permanent in Risiken, nicht in Chancen. Können solche Leute Firmen führen?

"Finanzspezialisten sehen die Welt oft in Formeln, Juristen in Fällen. Aber in der obersten Etage hängt alles von Menschen ab." Besonders in der Krise.
Karin Kofler und Andreas Güntert in der WW15.08, Seite 37.

Mittwoch, 20. Februar 2008

Stockers Führungsdefizite

Kontrolle ist Teil der Führung
Monika Stocker ist eine Meisterin der Ankündigung und der Verdrängung von Misserfolgen. Gut gemeint war für sie und ihre Entourage stets gleichbedeutend mit gut, eine seriöse Erfolgskontrolle ein lästiges Hindernis.
Mitarbeiterselektion nach Gesinnung und nicht nach Fähigkeit
Ins Bild einer Gesinnungspolitikerin, die sich von der Realität nicht beirren lässt, passt auch Stockers Personalpolitik. Schlüsselpositionen hat sie nach den Kriterien Geschlecht (weiblich) und Weltanschauung (links) besetzt. Eine Grundausbildung im Sozialen reichte als Qualifikation, Manager oder gar Finanzspezialisten waren nicht gefragt. So hat sie der wortkargen Rosann Waldvogel, einer Sozialarbeiterin bar jeder Management-Erfahrung, die Führung der Sozialen Dienste mit Hunderten von Mitarbeitern anvertraut.
Kritikfähigkeit
Stockers Problem waren nicht die Fehler – sondern ihre Weigerung, aus den Fehlern zu lernen.

Alex Baur in der WW7.08, Seite 9.