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Montag, 14. Mai 2012

Keine Euro-Zukunft für Griechenland


Es ist frustrierend: Trotz den Milliarden an Hilfsgeldern, trotz Schuldenerlass, trotz den Ausgabenkürzungen versinkt Griechenland immer weiter im wirtschaftlichen und politischen Schlamassel.

Gewinnen die Gegner des «barbarischen Spardiktats» Oberhand, wird Griechenland die Zinszahlungen auf der drückenden Schuldenlast einstellen - und in den Staatsbankrott gehen. Dieses Szenario ist in den letzten Tagen viel wahrscheinlicher geworden.

Griechenland ist wirtschaftlich entgleist. Die Einführung des Euro wurde nicht genutzt, um zu tiefen Zinsen in Anlagen, Maschinen und Firmen zu investieren und so die Produktivität zu erhöhen. Das europäische Einheitsgeld hat vielmehr den Konsum beflügelt und die Löhne übermässig ansteigen lassen. Der Mindestlohn liegt in Athen inzwischen fünfmal höher als in Bulgarien und Rumänien und übertrifft sogar das Niveau von Spanien. Das Land ist auf keinem Gebiet konkurrenzfähig.

Eine jahrhundertealte Tradition der Clan-Wirtschaft lässt sich nicht in ein paar Jahren umkrempeln.

Den Griechen ist jahrelang ein Wohlstand vorgegaukelt worden, der nichts mit ihrer wirtschaftlichen Leistung zu tun hat. Das hat bei vielen Leuten zu einer Wahrnehmungsverzerrung geführt.

So wie die Dinge liegen, hat Griechenland keine Zukunft mehr im Euro-Raum.

Das Kernproblem Europas,
dass die Länder wirtschaftlich auseinanderdriften und so den Euro vor eine Zerreissprobe stellen, ist damit noch nicht gelöst. Deutschland erzielt immer höhere Überschüsse, in den Südländern verstärken sich die Defizite. Nun soll ein Wachstumspakt - sprich ein paar Milliarden Euro für Investitionen in Infrastruktur - Abhilfe schaffen. Doch das reicht nicht. Deutschland muss mehr Inflation zulassen - es werden wohl über 6 Prozent nötig sein -, die Krisenländer ihre Löhne und Preise einfrieren. Das wird ihre Wettbewerbsfähigkeit rasch verbessern, aber nicht ausreichen. Zusätzlich müssen Spanien, Italien und Frankreich mit strukturellen Reformen etwa auf den Arbeitsmärkten alles unternehmen, um ihre Produktivität und Konkurrenzfähigkeit zu erhöhen. Nur so hat Europa eine Chance, den Euro behalten zu können. 

Daniel Hug in der NZZaS vom 13.05.2012, Seite 17.
Mit dem Euro bekamen die Griechen günstiges Geld, welches sie für nachhaltige Investitionen verwenden hätten können. Doch ihre Gesellschaftsstrukturen und ihre Menalität fokussierten den Konsum. Ein notwendiger Strukturwandel hat nicht eingesetzt. Grundlegende Prinzipien wie, dass sich die Ausgaben und Einnahmen die Waage halten müssen, wurden missachtet. Die Griechen lernen die Realität nicht mit Zuckerbrot und Anreizen sondern mit durch den Fall auf den harten Boden. Geschieht ihnen recht. Haben weite Kreise auch schon früher gewusst. Die Euro-Turbos habens ignoriert. Ihnen sind die Rettungspakete und Schuldenschnitte in Rechnung zu stellen.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Konsumschwäche mit Geldpolitik beheben führt zu Staatsanleihenblase


Die Geschichte zeigt, dass die Monetarisierung der Staatsschulden in die Inflation führt. Inflation ist wie Doping. Die Zentralbanken haben seit 20 Jahren eine Blase nach der anderen unterfüttert. Dadurch haben sich die Produktionsstrukturen verzerrt, weil ein negativer Realzins dazu führt, dass Investitionen getätigt werden, die nicht rentabel sind. Die Wirkung der Arznei der Zentralbanken lässt jetzt nach, und sie erhöhen verzweifelt die Dosis. Die Zentralbanken tun so, als ob es darum ginge, eine massive Konsumschwäche mit der Geldpolitik auszugleichen, und merken nicht, dass sie dadurch eine erneute Fehlallokation der Ressourcen und neue Blasen befördern. Die neuste Blase ist die Staatsanleihenblase.Joachim Strabatty im Interview von Pierre Heumann und Florian Schwab in der WeWo38.11, Seite 30.

Samstag, 16. Oktober 2010

Alkoholsucht

Für Fragen der psychischen Abhängigkeit ist die konsumierte Alkoholmenge unwichtig. Das massgebliche Kriterium hierfür: Genusstrinken oder eben nicht.
Alkohol geniessen bedeutet, bewusst zu riechen und zu schmecken.
Monique Helfer von der Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme.

Der Geniesser trinkt nicht wegen der stimmungs- und verhaltensverändernden Wirkung des Alkohols.
Gerhard Wiesbeck, Suchtmediziner an den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel.

Viele Trinker bezeichnen sich als Genusstrinker. Sie spielen aber nur Versteckis.
Urs Ambauen vom Blauen Kreuz Zürich

Typisch beim Übergang zur Abhängigkeit sind das zunehmende Bagatellisieren und Verheimlichen des Trinkens. Oder wenn man sich zu rechtfertigen beginnt. Oder wenn man einen immer stärker werdenden Druck zum Trinken verspürt.
Heike Schwemmer von der Forel-Klinik, einer Fachklinik für Alkoholabhängige in Ellikon ZH

Den Ärger runterspülen, Schüchternheit überwinden, Stress abbauen, Langeweile überbrücken, Trauer erträglicher machen (...) Besonders anfällig sei man bei Lebensübergängen: vom Kind zum Erwachsenen, Berufseinstieg, Kinder bekommen, Midlife-Crisis, Pensionierung. Aber auch bei Brüchen wie Scheidung, Tod, Arbeitslosigkeit oder Krankheit
Urs Ambauen

Viele gestehen sich ihr Problem erst ein, wenn eine Reihe sozialer Probleme auftreten: Partnerschaftskonflikte, Arbeitslosigkeit, Fahrausweisverlust.

Wo beginnt die Sucht?

An der Grenze zur Abhängigkeit
  • Man denkt häufig an Alkohol: Sind genügend Vorräte vorhanden?
  • Schuldgefühle wegen des Alkoholkonsums.
  • Man vermeidet Anspielungen auf den Alkoholkonsum.
  • Heimliches Trinken, «vorsorgliches» Trinken.
  • Gieriges Trinken der ersten Gläser.

Psychische Abhängigkeit
  • Starker Wunsch oder eine Art Zwang, Alkohol zu konsumieren.
  • Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich Beginn, Beendigung und Menge des Konsums.
  • Eingeengte Verhaltensmuster: Trinken beeinflusst den Tagesablauf.
  • Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügen und Interessen zugunsten des Trinkens.
Vera Sohmer im Beobachter 24/09

Mittwoch, 4. August 2010

Entkriminalisierung sämtlicher Drogen

Drei vom Bund beauftrage Expertengruppen fordern die Entkriminalisierung sämtlicher Drogen.
Wir müssen wegkommen von der Unterscheidung zwischen legalen und illegalen Drogen. Es gibt keine gute und böse Sucht. Viel eher sollte man sich am Schadenpotenzial von psychoaktiven Substanzen orientieren. Dabei fällt auf, dass gesellschaftlich akzeptierte Drogen wie Alkohol und Tabak deutlich höhere wirtschaftliche und soziale Schäden verursachen als illegale Drogen.

Die Bestrafung des Konsums ist nicht glaubwürdig, wenn gleichzeitig legale Substanzen mit vergleichbaren Wirkungen toleriert werden.

François van der Linde im Interview von Antonio Fumagalli in 20min vom 3.08.2010, Seite 6.

Samstag, 26. Juni 2010

Frauen: aufstrebendes Marktpotential?

Weil Frauen die Kaufentscheidungen treffen. In allen Haushalten der Welt, mit Ausnahme der muslimischen, kontrollieren die Frauen den grössten Teil der Ausgaben.
zudem: Der Aufstieg der vermögenden Frau: Durch die Emanzipation besser gebildet, häufiger arbeitstätig, etc.
Frauen machen mit zusätzlichem Einkommen eben etwas Sinnvolles - Männer oft nicht.
Frauen sind umsichtigere Konsumentinnen.
Michael Silverstein, Senior Partner bei BC, im Interview von Charlotte Jacquemart (wer sonst?!) in der NZZaS vom 23.5.10, Seite 33.
Bullshit: Der erste Teil kann ich noch nachvollziehen - Frauen quatschen überall drein - dürfen das jetzt auch mit der Emanzipation. Doch "sinnvollere Ausgaben"? Sex-and-the-City-Hedonismus...
Kleines Eingeständnis: Ev. sieht die Sache anders aus bei der Durchschnittsfrau, SATC ist ja nicht repräsentativ.

Donnerstag, 28. Mai 2009

“Kauft nicht bei Christen”

Wie die einstige antijüdische Kampagne in Nazi-Deutschland: In Ägypten hat eine Aktion unter dem Slogan «Kauft nicht bei Christen» begonnen.

Bis zum Siegeszug des Islams im 7. Jahrhundert war Ägypten christlich dominiert. Heute bilden die 10 bis 15 Prozent koptischen Christen die grösste religiöse Minderheit im 82-Millionen-Einwohner-Land. Jetzt ruft die islamische Organisation «Wächter des Glaubens» in einer grossangelegten E-Mail-Aktion dazu auf, nicht mehr bei Kopten und anderen Christen ein­zukaufen. Gemäss dem Wochenblatt «Al Mudschez» werden die Empfänger aufgefordert, nur noch bei is­lamischen Geschäftsleuten einzukaufen. (20min)

Donnerstag, 26. Februar 2009

Obamas "Tag der Abrechnung"

Obama kritisierte die Leute, die Häuser kauften, die sie sich nicht leisten konnten, und Banken, die bereitwillig Kredite an Menschen vergaben, die diese nicht zurückzahlen konnten. (NZZ)

Fair finde ich, dass Obama sowohl die überschwenglichen Konsumenten, die Empfänger und Nachfrager der Subprime-Hypotheken, wie auch die vergebenden Stellen kritisiert. Er blendet dabei aber aus, dass es sich beim grössten Hypothekenanbieter der USA Freddie Mac und Fannie Mae um verpolitisierte Banken handelt, welche auf politischen Befehl am wirtschaftlich Sinnvollen vorbei sämtlichen US-Bürgern ein Eigenheim finanzieren wollten.

Widersprüchlich und auch nicht durch schöne Rethorik zu überblenden bleibt folgende Haltung:

Obama sagte, nun sei der Tag der Abrechnung für die Amerikaner gekommen, nachdem sie lange Zeit über ihre Verhältnisse gelebt, Regulierungen abgeschafft und kaum langfristige Finanzplanung betrieben hätten. Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. (NZZ)

Mit dem 700 Mrd. USD-Schuldenpaket denkt er eben gerade nicht langfristig und übernimmt er eben gerade keine Verantwortung für die Zukunft, im Gegenteil: Er schiebt das Problem auf die nächsten Generationen ab. Die USA leben mit dieser Geldspritze weiter über ihren Verhältnissen - neu auch noch an der Nadel, wie ein Süchtiger eben.

Dienstag, 16. September 2008

Für die Hanfinitiative

Die NZZ empfiehlt sowohl das revidierte Betäubungsmittelgesetz wie auch die Hanfinitiative zur Annahme. Aus der Erfahrung, dass es eine drogenfreie Gesellschaft nie geben wird, folgt die Erkenntnis, dass eine nur auf Verbote bauende Drogenpolitik scheitern muss. Anders, als uns die Gegner der beiden Vorlagen weismachen wollen, gibt es in der Realität nicht nur Sucht und Abstinenz, sondern dazwischen liegt ein weites Feld von risikoarmem bis hin zu hoch riskantem Konsum psychoaktiver Stoffe – seien das nun illegale Drogen, Medikamente, Alkohol oder Tabak. Somit ist die strikte Trennung in legale und illegale Substanzen wenig hilfreich, die Suchtproblematik an der Wurzel zu fassen. Fachleute raten der Politik seit langem, eine vernünftige Balance zwischen dem Respekt vor dem mündigen Bürger und dem Anspruch der Gesellschaft auf Sicherheit und Ordnung zu suchen. Das revidierte Betäubungsmittelgesetz wie auch die Hanfinitiative weisen somit zumindest in die richtige Richtung. Eine rein auf Abstinenz, Verbote und Repression gründende Drogenpolitik dagegen führt unter dem Strich zu höheren sozialen Kosten – und sie ist unliberal, weil in diesem Konzept für den mündigen Menschen zum Schluss kein Platz mehr ist.
Position der NZZ, via icore, btw: Happy Birthday!

Sonntag, 10. August 2008

gezwungen überversichert

In Ländern mit Pensionssystem spart man zuviel, so der amerikanische Fachmann Lawrence Kotlikoff, welcher sich mit der Verteilung von Beitragslasten und Rentenrechten über die Generationen befasst.
Nicht ein Einkommensersatz von 85% soll für die Rentnerzeit angespart werden, sondern es reichten auch 45%. Diese These wurde hier (in Beat Kappelers neoliberalen Kolummne in der NZZaS) schon vorher für die Schweiz vertreten, weil die existentiellen Ausgaben der Haushalte bei der Gründung der AHV noch 74% ausmachten, heute aber nur noch 41%. Alles Weitere ist Zwangssparen für den Wahlbedarf, ist staatlich verordnete Überversicherung.
Beat Kappeler in der NZZaS vom 10.8.08

Dienstag, 17. Juni 2008

US-Konsum

Das reichste Land der Welt, das täglich 7 Prozent seines Konsums vom Ausland finanzieren lässt, ist eine Bürde für den Rest der Welt.

Die Amerikaner sollten auf mehreren Gebieten umkehren. Das eine sind die Haushaltsdefizite. Die hängen zusammen mit den Aussenhandelsdefiziten. Das andere sind unregulierte Finanzierungsinstrumente. Das Dritte ist: Die amerikanische Wirtschaft kann sich diese Kriege nicht leisten.
Helmut Schmidt in der WW24.08, Seite 10ff im Interview mit Thomas Kleine-Brockhoff.

Montag, 11. Februar 2008

Korrelation Aktienmarkt-Konsum

Der Feedback-Mechanismus liegt bei zirka 2 Prozent: Wenn die Aktien um 10 Prozent fallen, sinkt der Konsum im langfristigen Mittel um 0,2 Prozent.
Finanzprofessor Thorsten Hens interviewt von Ralph Pöhner in der WW 04/08.

Mittwoch, 19. September 2007

Clubboykott

Ich gehe nicht mehr in Klubs. Und ich rufe Euch auf, das gleiche zu tun.
Ich bezahle bei einem ordentlichen Clubbesuch locker 80 bis 100 CHF. Der schweizerische Durchschnittskonsum in Clubs beträgt aber ca. 30 CHF - und das gilt als hoch. Das "Problem" sind jene, die gratis reinkommen oder gratis "saufen". Das sind meist kleine, dumme Schlampen. Man lässt ein paar solche rein und hat zu Hauf Deppen wie mich drin, die ihre Kohle dort liegen lassen.
"Das einträglichste Publikum ist zwischen 18 und 20 Jahre alt. Sie gehen sehr regelmässig an Partys, sind aber auch sehr untreu", sagt Jane Wakefield vom Verein Petzi, der rund siebzig Schweizer Klubs vertritt.
Aus diesem Alter bin ich ja raus - und inzwischen auch etwas realisitscher geworden. Denn die Schlampen gehen offensichtlich nicht mit denselben Absichten in die Klubs:
"Sex, wieso? In den Klubs bekommst du tausend Komplimente und wirst von jenen bewundert und begehrt, die du auch heiss findest." Das sei ein Riesenkick und eigentlich fast besser als Sex.
Franziska K. Müller in der Weltwoche 35.07, Seite 28ff.