Donnerstag, 3. Februar 2011

Anne Héritier Lachat: neue FINMA-Präsidentin

Von der Linken portiert und vom Geschlecht begünstigt? ... War rund 10 Jahre als Assistentin an der Uni Genf tätig ... Wenn sie arbeitete, dann die meiste Zeit nur halbtags ... tat sich weniger durch inhaltliche Beiträge hervor, als durch fleissiges Protokollieren im Stile einer Chefsekretärin...
Carmen Gasser in der WeWo3.11, Seite 34f.

Charaktereigenschaften: Wunsch und Realität

Die Werte, die wir uns zuschreiben, sollen uns euphorisieren und optimistisch stimmen. Wir wollen nicht wissen, dass Eifersucht, Neid oder Gier starke Motive sind und wir gewisse Menschen oder Haltungen nie verstehen werden. Wir reden uns ein, dass uns Geld nicht wichtig ist und wir Andersartigkeit schätzen.
Allan Guggenbühl in der WeWo3.11, Seite 14f.

SRG SRF

durch Zwangsgebühren finanzierter Staatsrundfunk - Monopol - beisst nicht in die Hand die ihn füttert
unabhängig? kritischer Journalismus?

Helmut Hubacher forderte von der SRG, dass sie lediglich eine Infrastruktur zur Verfügung stellt.
Die Feststellung löste in der neuen SRG-Führung offenbar allergische Reaktionen aus, aber Hubacher sieht es richtig: Der staatliche Rundfunk ist kein Zensursystem, das aus allen politischen Äusserungen die den SRG-Journalisten genehmen herausfiltert. Stattdessen hat die SRG die einmalige Gelegenheit, eine Plattform zu bieten für den echten Streit ums beste Argument.

Roger Köppel in der WeWo3.11, Seite 5.

Weihnachtsmann als Urlüge

[Der Weihnachtsmann] ist wie eine Urlüge, die einen misstrauischer macht, wie ein Impfstoff gegen blinde Gläubigkeit.
André Comte-Sponville im Tagi vom 26.12.2008

10 Schulreformen

  1. Konservative Wende vollziehen: Rückbesinnung auf das Gute, Wahre, Beständige. Bildung <-- Erziehung <-- Disziplin
  2. Raus mit den 68ern: Schluss mit Wohlfühlpädagogik, Leistungsfeindlichkeit, antiautoritäre Erziehung, Schule nach dem Lustprinzip.
  3. Erziehung durch Vorbild: Pünktlichkeit, Disziplin, Leistungsbereitschaft
  4. Es geht nicht ohne Strafen: ein notwendiges und nützliches Erziehungsmittel
  5. Weniger Psychologen und Therapeuten: Psychologisierung als schwerwiegendes Grundübel. Mehr Klartext statt psychologischen Geschwafels.
  6. Besinnung auf die Kernaufgaben: Rechnen. Schreiben. Lesen.
  7. Mehr Klartext - weniger Kuschelwuschel: keine über-verständnisvolle "Kuschelpädagogen" stattdessen: Klare Ansagen.
  8. Separierung von Problemkindern: Nulltolerenz für Störefriede und Tyrannen.
  9. Das Positive sehen: Erziehung geht auch nicht ohne Humor und ohne Freundlichkeit.
  10. Nur nicht zu viele Massnahmen ergreifen

Peter Keller

Macht der Kapitalismus unsere Moral kaputt?

Wo immer der Kommunismus versucht wurde, endete es nicht nur bei Korruption und schlechten Produkten, sondern auch in Furcht, Apathie, Ignoranz, Unterdrückung und einem Grundmangel an Vertrauen. Die Sowjetunion und das China vor der Reform waren moralisch wie wirtschaftlich bankrott.
Ayaan Hirsi Ali

Für mein Verständnis ist das Ausmass von staatlichen Fürsorgeeinrichtungen in Westeuropa ausufernd und kontraproduktiv. Es lähmt wirtschaftliche Innovation und belohnt Abhängigkeit. Ein stark ausgebauter Sozialstaat kann Menschen geradezu ermutigen, vom Staat abhängig zu werden. In einer freien Marktwirtschaft dagegen, in der die Freiheit das oberste Gut ist, neigen die Leute dazu, kreativer und innovativer zu sein; in Sozialstaaten, deren Priorität bei der Gleichheit liegt, wird das natürliche Potenzial von Menschen pervertiert. Um erfolgreich zu werden, musst du eher lernen, «das System zu melken», als ein besseres Produkt zu entwickeln. Risiken werden vermieden, und der Verantwortung des Einzelnen wird entgegengearbeitet. Obwohl das System oberflächlich gerecht erscheinen mag, fördert es am Ende die Mittelmässigkeit und eine gewisse Opferhaltung.
Ayaan Hirsi Ali

Man muss sich nur das habgierige Verhalten jener staatlich geförderten Oligarchie ansehen, die heute über Russland herrscht. In so einem System muss die herrschende Clique sich nicht um ihren Ruf kümmern. Rohstoffreiche Länder wie Russland oder auch Saudiarabien generieren extremen Reichtum - ohne Rechenschaftspflicht gegenüber Mitarbeitern, Aktionären, Verbrauchern oder Wählern. Fast alle Nationen, die von den heutigen Rekord-Energiepreisen profitieren, nutzen ihren unverdient erworbenen Reichtum einzig, um ihre repressiven Regimes zu finanzieren. Diesen Nationen fehlen Anreize für moralisches Verhalten.
Garry Kasparow

Ja, der freie Markt kann den moralischen Charakter des Menschen beschädigen. Es liegt in unserer Natur, immer mehr zu wollen - und der freie Markt unterstützt dies. Er kümmert sich kaum um jene, die nicht mithalten können. Aber der Versuch zur Eindämmung dieser menschlichen Bedürfnisse und Wünsche führt zu noch grösseren Übeln.
Garry Kasparow

Die Charaktereigenschaften, die vom freien Markt am höchsten belohnt werden, sind unternehmerischer Mut, die Bereitschaft zu spekulieren und die Fähigkeit, Gelegenheiten zu ergreifen oder zu erschaffen. Es ist festzuhalten, dass das nicht die Eigenschaften sind, die konservative Moralisten am höchsten schätzen. Besonnenheit, Sparsamkeit und der Willen, in festgefahrenen Mustern weiterzumachen, mögen bewundernswerte Qualitäten sein, aber sie führen normalerweise nicht zu Erfolg im freien Markt. Tatsächlich können genau solche Eigenschaften bei volatilen Märkten den Ruin bedeuten.
John Gray

Homo homini lupus - der Mensch ist des Menschen Wolf - war die Regel und Altruismus die Ausnahme. Unter diesen Bedingungen ging es den Menschen mit dem am meisten ausgeprägten Überlebenswillen und den wenigsten moralischen Skrupeln am besten. Kein wirtschaftliches System kann jeden Aspekt moralischen Charakters fördern. Alle basieren zu einem gewissen Ausmass auf Motiven, die moralisch fragwürdig sind. Geiz und Neid mögen Laster sein, aber sie sind auch wirtschaftliche Stimulanzien.
John Gray

Aus dem Tagi-Magi vom 07.11.2008

Uni-Rankings

Von 17'000 Hochschulen weltweit befinden sich etwa 2000 auf dem Radar der Rankings. Diese existieren in mehr als 40 Ländern.

Schanghai-Ranking bewertet v.a. die Forschungsleistung, unter anderem anhand der Zahl von Nobelpreisträger oder von wissenschaftlichen Publikationen.
Times Higher Education misst auch Faktoren für die universitäre Lehre - ähnlich dem U.S. News & World Report.
Warum soll eine Schweizer Hochschule für teures Geld ein ausländisches Forscherteam beschäftigen? «Die ETH erinnert etwas an den Fussballclub Manchester United», sagt Bildungsökonom Stefan Wolter. «Sie ist Weltspitze, aber es spielen kaum Schweizer mit.» Die Frage sei: Was ist das Interesse der Schweiz, solche Forschung mit Steuergeld zu finanziere? Wolter vermisst fundierte Daten darüber, was die Spitzenforschung der Schweiz volkswirtschaftlich bringt. «Wichtig wäre zu wissen, ob die talentierten Doktoranden in der Schweiz bleiben und einen Beitrag zur Wirtschaft leisten.»

Zahlen dazu gibt es in der Tat nicht. Die ETH Zürich geht davon aus, dass die Hälfte der Ausländer nach dem Studium im Land bleibt.

Michael Furger in der NZZaS vom 23.01.2011, Seite 24.

Führt Freiheit und Selbstverwirklichung zu Dekadenz und Niedergang?

die beiden Töchter mit Drohungen und drakonischen Strafen zu Höchstnoten und musikalischen Spitzenleistungen drillen. Amerikanische Eltern dagegen verweichlichen ihren Nachwuchs mit gutgemeinter Laschheit und übertriebenem Lob für kleinste Leistungen.
Erziehungsratschläge einer chinesischstämmigen Professorin aus Yale: Battle Hymn of the Tiger Mother.

Thomas Isler in der NzzaS vom 23.01.2011, Seite 17.

klug mit schulkonform verwechselt

Sind Mädchen also einfach klüger?
Nein, aber die Mädchen verhalten sich schulkonformer. Sie sind sorgfältiger, geduldiger, sie können sich besser konzentrieren. Sie wurden über Jahrhunderte angewiesen, ruhig zu sein und still zu sitzen – ganz anders als die Buben. (...) Buben sind in der Schule oft deshalb überfordert, weil von ihnen männliche Verhaltensweisen erwartet werden, die sich in der Schule eben nicht auszahlen.
Katharina Kellerhals im Interview mit Conny Schmid im Beobachter 3/11

Mittwoch, 19. Januar 2011

Das Sex-Schwangerschaft-Ehe-Dilemma

Aus dem Mama-Blog vom Tagi
So funktioniert Sex-Ökonomie. Mit der Ehe hast du ein geschlossenes System. Die Frau kontrolliert das Angebot, und weil der Mann für ständige Nachfrage sorgt, kann sie den Preis dafür beliebig erhöhen. Am Schluss ist Sex ein Zahlungsmittel und das war noch nie besonders sexy. Jedenfalls nicht für die Frau (Freundin B).

Schwangerschaft ist körperlich eine ganz grosse Belastung, die lange und oft permanent sichtbar bleibt. Umgekehrt ist Aussehen mehr mit dem Selbstwertgefühl verknüpft als viele zugeben. Es ist nicht einfach Eitelkeit, sondern Teil des sich selber Mögens und Liebens. Das temporäre Dasein als trächtige Kuh schlägt da schon eine Delle ins Selbstbewusstsein. Es gilt also auch, das Selbstbewusstsein als Frau (nicht als Mama) wieder aufzubauen. Wenn das gesellschaftliche Umfeld dann aber die Wahrnehmung vermittelt, dass frau nun mutter ist, und nicht mehr Frau, wird das etwas schwieriger. (Katharina)

Eigentlich einfach nur ein traumatisches Schockerlebnis meine Ehe. Nur die Jahre, bevor ich schwanger wurde, die waren schön. Habe es bis heute nicht verkraftet. (Esther - in den Kommentaren zum zweiten Artikel).



„Unter vier Augen erzählen auch viele Männer, dass ihre Frau vor der Ehe/vor den Kindern eine Granate war im Bett, nun aber nur noch ein Blindgänger.“

„Es stellt sich schon die Frage, ob der Sex vor der Ehe von den Frauen einfach als Speck verwendet wird, um die Mäuse zu fangen….“

„Wir Männer warten ja seit jahrtausenden auf ein Elixier, dass die Frauen scharf macht, sowies wir täglich sind..“



Die Hausfrauen-Ehe führt bei einer Scheidung direkt in den Ruin, wissen wir doch. Wie kann man ein solches Modell trotzdem propagieren? Das ist schon fast wie Russisch Roulette, auch wenn es “nur” um die finanzielle Existenz geht.



das ganze Problem auf zwei Zeilen zusammengefasst:
- Frauen wollen Sex, weil sie etwas haben oder erreichen wollen.
- Männer wollen Sex, weil sie Sex wollen.
Das ist auch der Grund, warum Frauen irgendwann keine Lust mehr haben auf Sex: sie haben bekommen, was sie wollten,
Und das ist auch der Grund, warum Männer nicht aufhören, Sex zu wollen.


Lösung I:
An alle grossen Jungs, die hier leiden: Frauen wollen begehrt und erobert werden, spielt das Spiel weiter, welches Ihr spieltet, als ihr “sie” angebaggert habt, und es funktioniert (höchstwahrscheinlich). Keine Frau geht gern mit ihrem Kumpel in die Heia. Ein Mann, der im Trainer vor der Kiste Sport schaut, und dann kommt ihm in den Sinn, “es” wäre nun auch noch toll, und dann der Griff an einschlägige Stellen bei der besseren Hälfte – das funktioniert nicht.

Also, himmelt Eure Frauen an, und zwar nicht nur fünf Minuten vor dem wie seit 10 Jahren vollzogenen GV , macht Komplimente, ermuntert sie, sich im Alltag schön zu machen, überseht die neue Frisur nicht, geht mit ihr in den Ausgang. Das turnt an. Die trockene Frage “hast Du Lust?” hingegen, wenn frau gerade endlich die Jungmannschaft im Bett hat, die könnt Ihr vergessen. Frauen müssen sich bei einem Mann als Frauen fühlen, wenn sie Lust haben sollen. (Cara Mia)
Lösung II:
Ihre kurze, aber steile Karriere als Liebespaar war in eine zweifache Elternschaft gemündet und daselbst versandet. Unter dem Druck der Kinderaufzucht hätten sie sich kontinuierlich voneinander entfremdet und schliesslich nur noch in einer Art Wohngemeinschaft zusammen gelebt. Es kamen sporadisch aussereheliche Partner auf beiden Seiten dazu, und nach eingehenden Gesprächen seien sie zum Schluss gekommen, dass sie nicht mehr als Liebespaar, sondern nur noch als Freunde zusammen sein möchten. Natürlich hätte man sich trennen können, aber die Umstände erschienen zu fragil, um den Stress mit Wohnungssuche, Betreuungsfrage, Gütertrennung und so weiter verkraften zu können. Also beschlossen sie, die Ehegemeinschaft weiter zu führen, aber das Liebesleben outzusourcen.(...) Sie habe, sagte die Mähnenfreundin, mit dem Vater ihrer Kinder viel durchgemacht und sie beide stünden sich dadurch nach wie vor sehr nahe.
Michèle Binswanger

Das männliche Gehrin

Zum Beispiel Sex. Die dafür zuständige Gehirnregion ist beim Mann mehr als doppelt so gross wie bei der Frau und wird in der Pubertät mit massig Testosteron in Schwung gebracht. Deshalb denken Männer ab der Adoleszenz an gar nichts anderes mehr und fantasieren den ganzen Tag über weibliche Körperteile. Dazu kommt die visuelle Orientierung. Der männliche Blick ist konstant auf der Pirsch, überschaut das Angebot und taxiert seine Beute, so Brizendine. Nicht, weil er ein primitiver Neanderthaler ist, sondern weil er gar nicht anders kann.

Michèle Binswanger im Tagi-Blog

Warum haben Frauen Sex?

Cindy Meston, führende klinische Psychologin Amerikas und David Buss, weltbekannte Evolutionswissenschafter in 1000 ausführlichen Interviews mit Frauen verschiedenster Ethnien nach den Gründen:

  • Ich habe Sex aus Langeweile
  • Dann sind wir wenigstens beschäftigt
  • Ich habe Sex, damit ich nicht mit ihm streiten muss
  • Damit er endlich Ruhe gibt
  • Wenn er mir im Haushalt hilft, schlafe ich auch mit ihm
  • Ich gehe mit ihm ins Bett, damit er den Abfallsack rausträgt
  • Aus Mitleid
  • Sex hatten wir, weil er mich zu einem netten Dinner ausgeführt hat
  • Sex ist gut gegen Migräne
  • Sex reduziert mein Stresslevel
  • Ich habe Sex, damit er mir etwas kauft
  • Um das Gesprächsthema zu wechseln
  • Damit er nicht fremdgeht
  • Um mein Selbstvertrauen aufzumöbeln
  • Sex macht schöne Haut
Das Resultat ist alles andere als sexy: Natürlich haben Frauen Sex aus Lust und Liebe. Manchmal. Aber für jede Frau, die mit ihrem Partner ins Bett steigt – weil sie hofft, dass wieder einmal die Erde bebt – kommen mindestens zwei andere, sehr viel prosaischere Motive ins Spiel. Gut zwei Drittel der Befragten praktizieren Sex des Öfteren schlicht und ergreifend für den Hausfrieden. Jede zehnte Frau lässt ihn ran, weil sie was Nettes bei Tiffany’s gesehen hat. Leidenschaft und Romantik haben gemäss der Studiendaten im Sexleben der Frau erschütternd wenig zu bestellen.

Nicole Althaus im Tagi-Blog

Sonntag, 9. Januar 2011

Ausrichtung des Schweizer Bankenplatzes

Einige europäische Staaten sind hoch verschuldet und versagen bei der Planung ihres Staatshaushaltes. Der Zugriff auf Privatvermögen wird immer schamloser zelebriert. Was sind die Bedürfnisse der vermögenden Kundschaft und wie kann sich die Schweiz danach ausrichten?
Wohin driftet der bisher bekannte westliche Kapitalismus, in dem individuelle Leistung belohnt wurde? Die Privatsphäre – in vielen europäischen Staaten immer noch in den Verfassungen verankert – ist inzwischen so löchrig wie ein Schweizer Käse.

Wer seinem hochverschuldeten Staat zu misstrauen beginnt, denkt schnell einmal an die Schweiz. Die Schweizer haben den Staatshaushalt im Griff, kassieren faire Steuern und verfügen über ein auf liberalen Grundsätzen basierendes Staatswesen.
Bei Fragen rund um das Bankgeheimnis empfiehlt sich ein eine kluge Vorwärtsstrategie.
Im Lichte dieser Entwicklung ist ein Schweizer Bankgeheimnis als Mittel der Beihilfe zur Steuerhinterziehung nicht weiter haltbar. Weder für Kunden noch für den Finanzplatz. Denn Schweizer Banken werden immer mehr internationale Gesetze akzeptieren müssen, und Kunden werden bereits in naher Zukunft kaum mehr einen Ort oder ein Instrument finden, wo sie den unversteuerten Schatz noch vergraben können. Hingegen wird der Wunsch nach Diskretion bei versteuerten Finanzdaten zum Schutz von internationalen Vermögen eine neue Bedeutung erhalten.

Immer mehr Verantwortliche von grossen Privatvermögen sehen die Verschuldung der öffentlichen Kassen als Beginn eines tiefgreifenden Wandels in der Weltwirtschaft und der Weltpolitik. Man ist sich bewusst, dass diese Veränderungen neue Realitäten schaffen und laufend neue Risikobewertungen verlangen.

Vielmehr geht es um die Bewertung der (makro)ökonomischen und (geo)politischen Entwicklung, um die internationale Mobilität des Vermögens, um verantwortungs- und risikobewusste langfristige Investmentstrategien, um die Solidität von Partnern und die Stabilität von Ländern oder um den Vermögenstransfer im Generationenwechsel.

Dafür sind stabile Staaten und zuverlässige Partner gefragt. Man will politischen oder familiären Wirren vorbeugen und Missgunst oder kriminellen Absichten ausweichen. Man möchte sich vor Steuerprotektionismus, eingeschränktem Kapitaltransfer oder staatlich erzwungenen Kapitalrücktransfers schützen. Und man möchte der nächsten Generation das Vermögen unbelastet von Altlasten möglichst mobil überlassen, wenn die Kinder morgen in einem Land ihrer Wahl leben.

Fritz Kaiser in der WeWo43.10, Seite 58f.

Scheidungspartys und das Wesen der Ehe

So sind sie, die Frauen. Erst angeln sie sich mit allen Tricks einen Mann, dann schwören sie ewige Treue und Liebe bis in den Tod. Dann entdecken sie seine Mängel, reichen die Scheidung ein – und feiern wilde Partys, als hätten sie im Lotto gewonnen.

Wieso feiert man mit Freundinnen Befreiung von einer Institution, die man einmal mit Glückstränen umarmt hat? War man eine liebesblinde Idiotin, die sich von Rührung und Romantik einlullen liess? Oder ist es vielmehr so, dass «der schönste Tag im Leben» ziemlich schnell zu einer lästigen Bindung mit Ausbruchsfantasien geworden ist, wenn er den Klodeckel nicht runterklappt?

Die Eheklippen, die unsere Grossmütter mit tapferem Lächeln umschifften, weil Treue Charakter verriet und Moral und Durchhaltevermögen für die Ehe wichtiger waren als heisser Sex, werden heute als zu strapaziös empfunden. Nicht nur ist die Geduld kürzer als ein Werbespot geworden, auch das Schamgefühl ist geschrumpft. Heute wird alte Liebe verraten und Triumph genauso wie Niederlage öffentlich zelebriert. Denn was man vor 30 Jahren noch als schuldhaftes Versagen sah, über das vielleicht eine Zeit reflektiert werden sollte, wird zum weiblichen «Freudenfest» für die Freiheit vom Joch der dysfunktionalen Ehe umfunktioniert.

Sabine Reichel in der WeWo42.10, Seite 53.

Für die Schweiz empfiehlt sich eine Berufsarmee

Heutige Herausforderungen / Überlegungen zur Ausrichtung der Schweizer Armee:
  1. Ein bewaffneter Konflikt in Europa gegen Nachbarn der Schweiz ist sehr unwahrscheinlich.
  2. Ev. möchte man einst intensiver bei Friedenseinsätzen in internationalen Militärbündnissen mitwirken.
  3. Die Armee muss im Kampf gegen den Terror eingesetzt werden.
Wenn ihre Aufgabe darin besteht, Blauhelmsoldaten zu entsenden und bei der Bekämpfung des Terrorismus mitzuwirken – sollte dieser bedrohliche Ausmasse annehmen, was angesichts der internationalen Entwicklung nicht auszuschliessen ist –, so erweist sich das jahrhundertealte Selbstverständnis der Schweizer Armee als völlig falsch. Erstens können weder Wehrpflichtige noch Reservisten zu Friedenseinsätzen entsandt werden – was schon jetzt bedeutet, dass die entsprechenden Kapazitäten zur Teilnahme an solchen Einsätzen deutlich eingeschränkt sind. Zweitens eignet sich eine Armee, die hauptsächlich aus Wehrpflichtigen und Reservisten besteht, nicht für innere Sicherheitsoperationen. Zweck der Schweizer Armee waren Abschreckung und Verteidigung des Landes gegen potenzielle Feinde. Nun, da von aussen keine Gefahr mehr droht und die Friedensmissionen sich verändert haben, ist dieses System so antiquiert wie ein Dinosaurier.
--> Es empfiehlt sich eine Berufsarmee, zahlenmässig kleiner und etwas teurer im Unterhalt.
Nicht nur die Armee als Ganzes, auch die einzelnen Teilstreitkräfte müssen neu organisiert werden. Die Zeit schwerer Waffen ist im Grunde vorbei. Solche Waffen können nicht rasch in Regionen transportiert werden, wo Friedenseinsätze erforderlich sind, und bei Anti-Terror-Einsätzen sind sie praktisch nutzlos. Schwere Artillerie muss also ersetzt werden durch kleinere und leichtere, präzisionsgelenkte Raketen. Statt Panzer sind gepanzerte Truppentransporter gefragt, die den Insassen verlässlichen Schutz bieten. Anstelle von Kampfjets braucht es Helikopter und Drohnen. Zur Verteidigung des Schweizer Luftraums (ein Angriff von aussen muss als extrem unwahrscheinlich gelten) wären Flugabwehrraketen möglicherweise geeigneter als die bislang im Einsatz befindlichen Abfangjäger.

Martin van Creveld in der WeWo42.10, Seite 36f.

Samstag, 8. Januar 2011

Chodorkowski's folgenschwere politische Einmischung

  • geboren 1963 in einem jüdischen Haushalt
  • mit 23 Studium am chemisch-technischen Mendelejew-Institut abgeschlossen
  • Mitglied und später stellvertrtender Sekretär des Komsomol, der Jugendorganisation der KPdSU
  • Netzwerk, welches ihn bei der Gründung eines Cafés half
  • 1987 Leitung des NTTM, ein Komosol-Unternehmen
  • 1989 Gründung der Menatep-Bank, erhielt Banklizenz dank Kosmosol
  • 1992 Beraterstab des russischen Premierministers Boris Jelzin
  • stellvertretender Minister für Brennstoffe und Energie, Mitglied des Rats für Industriepolitik
  • 1995 an forderster Front dabei bei der Privatisierung von Erdölunternehmungen und dem Verfahren, wie die Privatisierung abzuwickeln ist.
Als Putin an die Macht kam, lud er sämtliche Oligarchen ein und sagte ihnen sinngemäss: "Ihr lasst die Finger von der Politik, und dann schaue ich nicht nach, wie ihr eure Riesenbeteiligungen zusammengerafft habt.

Chodorkowski war zu jener Zeit der reichste Mann Russlands und hatte keine Angst. --> Verhaftung im Oktober 2003 wegen unsauberen Vorgängen bei der Übernahme des Ölunternehmens Yukos:

Man stelle sich einmal vor, die Eidgenossenschaft würde das Nationalstrassennetz privatisieren und einer der reichsten Bürger der Schweiz wäre Mitglied der entsprechenden Kommission. Die Privatisierung würde dann einer Bank, welche von ebendieser Person kontrolliert würde, übertragen. Den Zuschlag erhielte schliesslich die Muttergesellschaft dieser Bank zu einem Preis, der achtzig Prozent unter dem Marktwert läge. Unterlegene Mitbieter, die das Verfahren als «Verrat» betitelten, würden mundtot gemacht. Genau so ging Chodorkowski vor. Wie andere Oligarchen segelte er hart am Wind.
Peter Hänseler in der WeWo42.10, Seite 58f.

7 Todsünden sind top aktuell

  • Fresslust
  • Habsucht (oder Geiz)
  • Hochmut
  • porneia (Unzucht)
  • Zorn
  • Eitelkeit
  • Dämon des Überdrusses, Mittagsdämon, Trägheit
  • Traurigkeit
Euagrios Pontikos, 345-399

Überwindung dieser Todsünden durch "Hungern, körperliche Anstrengung, Einsamkeit, das Singen von Psalmen, aber auch die intensive Beschäftigung mit der Heiligen Schrift.

Papst Gregor I. übernahm seinen Katalog und der populären Zahl wegen nur sieben Todsünden. Den achten Dämon von Pontikos, die Traurigkeit, liess er fallen.

Die Furcht vor dem Fegefeuer ist weg, die Laster sind es nicht. Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte leiden mehr Menschen an Übergewicht als an Hunger. Völlerei wird zum globalen Wohlstandsboten. Pornografie steht im Internet für jeden und allzeit zur Verfügung. Die Gier der Banker nach Millionenboni ist sprichwörtlich geworden. «Eigenschaften wie Habgier, Neid oder Völlerei sind zu Triebfedern des kapitalistischen Wirtschaftssystems geworden», schreiben die Berner Ausstellungsmacher.
Peter Keller in der WeWo42.10, Seite 50ff

Stuttgart 21 entblösst die Unzulänglichkeit der deutschen Demokratie

Eine Volksabstimmung über Stuttgart 21 könnte das Projekt kippen. Dabei ist es doch in den letzten 15 Jahre durch alle "demokratischen" Prozesse durch gekommen.
als ginge es darum, «Arbeitnehmer» und «Arbeitgeber», die sich bei Tarifverhandlungen verrannt haben, zu einem Kompromiss zu bewegen. Dabei weiss niemand, wie ein solcher «Kompromiss» aussehen könnte, denn zwischen «Bauen» und «Nichtbauen» kann es keinen dritten Weg geben. Als Erfolg gilt bereits, dass über das Verhandeln verhandelt wird.

ein Projekt geht, das seit über fünfzehn Jahren geplant wird und alle Verwaltungs- und Gerichtsinstanzen passiert hat. Nun soll es «zurück auf Anfang» gehen.

«Ein nachträglicher Volksentscheid stellt ein ernsthaftes Problem für die Verwirklichung von Infrastrukturprojekten dar», sagt der Präsident des Bundesverfassungsgerichts,

Henryk M. Broder in der WeWo42.10, Seite 18.

zu wenig rausgeholt im Steuerstreit mit Deutschland

Bundesrat Merz hat in entscheidenden Punkte nachgegeben. Er habe «trotz der grossen Tragweite des Themas in Windeseile in vorschnelle Lösungen eingewilligt», kritisiert Steuerexperte Andreas Kolb, Partner bei der Anwaltskanzlei Eversheds Schmid Mangeat AG in Zürich. Während die Schweiz bei der Amtshilfe zur vollständigen Übernahme des OECD-Standards Hand geboten habe, sei es ihr nicht gelungen, auch von Deutschland die Übernahme des OECD-Standards in anderen Bereichen einzufordern.

Wenn das Verhandlungsziel der Abgeltungssteuer darin liegt, den automatischen Informationsaustausch auf lange Sicht auszuschliessen, dann müsste dies vertraglich so festgelegt werden. Andernfalls kämen solche Forderungen schon rascher, als es der Schweiz lieb ist, wieder auf den Tisch, sagt Kolb.
Pierre Heumann in der WeWo42.10, Seite 14.

Unwort "Gerechtigkeit"

Von allen politischen Begriffen ist der der «Gerechtigkeit» darum der bösartigste, weil man ihn nicht einmal diskutieren darf, ohne niedergeschrien zu werden. So heilig ist er, nicht nur Linken und Pfarrern, sondern auch allen Menschen mit schlechtem Gewissen. Hinterhältig ist er, zweitens, weil er die Prinzipien entwertet, ohne die weder eine erfolgreiche Gesellschaft noch lebensfähige Individuen existierten: Wettbewerb und Lohn für Leistung.
Das Trugbild «Gerechtigkeit» gaukelt den Menschen vor, dass alle alles haben können – und haben werden, wenn man nur den Staat den Gutmeinenden übergibt. «Gerechtigkeit» ist die gemeinste Waffe aller Geldjäger: eine moralische Erpressung.
...eindeutig wettbewerbsorientierte Systeme. Dass die Modelle, die auf Leistung und Erfolg setzen, mit Komponenten des Ausgleichs abgefedert sein müssen, bestreitet heute niemand mehr. Aber sie dürfen, wie ausländische Beispiele warnen, ihren kompetitiven Charakter nicht verlieren.
Urs Paul Engeler in der WeWo42.10, Seite 11.